Aprilia-Pilot Aleix Espargaro schwärmt vom Kurs in Portimao, sorgt sich aber um die Zielkurve. Lokalmatador Miguel Oliveira hingegen sieht keinen Grund zur Sorge.

Am Mittwoch vor dem Frankreich-Grand-Prix in Le Mans hatten die MotoGP-Piloten die Chance, den Kurs in Portimao mit Superbikes kennenzulernen. In diesem Jahr findet das Saisonfinale auf der neu asphaltierten Piste an der Algarve statt. Portimao ist zum ersten Mal ein Teil des MotoGP-Kalenders. Bereits vor dem Testtag am Mittwoch gab es einige kritische Äußerungen bezüglich der Sicherheit.

Advertisement

Aprilia-Pilot Aleix Espargaro durfte am Mittwoch dank der Concession-Regel mit seiner MotoGP-Maschine testen. Damit konnte er sich einen Eindruck verschaffen, wie sicher der Kurs mit der über 250 PS starken RS-GP ist. Das Layout in Portimao begeistert den Spanier, die Zielkurve allerdings stuft er als zu gefährlich ein.

„Es war schön, auf einer neuen Strecke zu fahren. Das macht den Fahrern immer Spaß. Ich testete bereits vor ein paar Monaten mit einer Straßenmaschine in Portimao. Doch mit der MotoGP-Maschine ist es komplett anders“, stellt Espargaro fest.

„Der neue Asphalt macht es ein bisschen einfacher. Es ist nicht perfekt. Ich muss sagen, dass sich der Asphalt schon jetzt nicht mehr im Idealzustand befindet. Doch es ist besser als in der Vergangenheit“, vergleicht der Aprilia-Pilot.

Portimao verlangt sehr viel Konzentration und Kraft

„Es ist eine sehr spaßige Strecke. Sie ist sehr schwierig. Es ist einer der schwierigsten Kurse, auf denen ich mit der MotoGP-Maschine fuhr. Man muss sehr konzentriert fahren, um schnell zu sein. Es ist körperlich sehr anstrengend“, berichtet Espargaro. Dieser spult in seiner Freizeit unzählige Kilometer mit dem Rennrad ab und ist daher einer der fittesten Fahrer im Feld.

„Es ist kein einfacher Kurs. Die letzte Kurve ist die einzige Stelle, die ich als gefährlich ansehe“, kommentiert Aleix Espargaro. „Die letzte Kurve ist sehr schnell. Bevor es bergauf geht, schaltet man vom vierten in den fünften Gang. Man fährt also sehr hohe Geschwindigkeiten und die Mauer und die Tribüne auf der linken Seite sind sehr nah. Diese Stelle ist grenzwertig. Sie ist am Limit. Doch der Rest der Strecke macht sehr viel Spaß.“

Auslaufzonen groß genug, Zielkurve zu gefährlich

„Die Leute sprechen immer nur über die Höhenunterschiede, wenn sie die Bilder und die TV-Aufnahmen kommentieren“, bemerkt Espargaro. „Wir haben genug Platz im Falle eines Unfalls. Es befindet sich alles innerhalb des Limits, doch die letzte Kurve ist meiner Meinung nach gefährlich.“

„Doch andererseits fahren wir auf Strecken, die gefährlicher sind, wie zum Beispiel Motegi. Dort sind die Mauern an vielen Stellen näher an der Strecke als in Portimao“, stellt der Spanier klar. Mit dem Zustand des Belags ist Espargaro nur bedingt zufrieden. Vom neuen Asphalt hatte sich der Aprilia-Pilot mehr versprochen.

„Es gibt bereits ein paar Bodenwellen. Die letzte Kurve ist sehr wellig. Es ist okay, um dort zu fahren. Doch ich bin nicht allzu froh, wenn ich mir vor Augen führe, dass der Kurs neu asphaltiert wurde. Zudem mache ich mir Sorgen, weil die Formel 1 noch dort fährt. Sie zerstören normalerweise den Asphalt, weil sie so viel Abtrieb haben. Warten wir ab, was passiert“, so Espargaro.

Bradley Smith wünscht sich asphaltierte Auslaufzonen

Am Mittwoch war auch Aprilia-Testpilot Bradley Smith dabei. „Was für eine Strecke“, schwärmt der Brite, der mit der Sicherheit auch nicht übermäßig zufrieden ist. „An einigen Stellen würde ich mir ein bisschen Auslaufzone wünschen, weil sofort das Gras beginnt. An einigen Stellen ist man sehr schnell und sehr nah an der weißen Linie dran.“

Maximaler Abtrieb wird laut Smith entscheidend sein: „Der Schlüssel zu schnelleren Rundenzeiten ist, auch in den Bergab-Passagen die volle Leistung nutzen zu können, anstatt das Gas zudrehen zu müssen.“ Smith bestätigt, dass das Lernen der Strecke nicht einfach war: „Die ersten 20 Runden war ich absolut verloren. Ich suchte nach einem GPS-Signal, weil ich nicht wusste, wo es langgeht“, scherzt er. „Dann sprach der Kurs langsam zu mir.“

Portimao: Lokalmatador Miguel Oliveira sieht keine Probleme

Das MotoGP-Saisonfinale wird für Tech-3-KTM-Pilot Miguel Oliveira ein ganz besonderer Grand Prix sein. Erstmals in seiner MotoGP-Karriere wird der Portugiese bei einem Heimrennen starten. Beim Test musste Oliveira auf eine Yamaha R1 steigen, denn Arbeitgeber KTM hat seit dem Ende des RC8-Projekts kein Superbike mehr im Portfolio.

Oliveira lobt die Arbeit der Verantwortlichen: „Der Kurs ist ganz anders als er vorher war. Die Anzahl der Bodenwellen konnte stark reduziert werden. Die Haftung war sehr gut, wenn man bedenkt, dass der Asphalt sehr neu ist. Sie haben gute Arbeit geleistet.“

„Bezüglich der Sicherheit erkenne ich keine Probleme“, wundert sich der Portugiese über die Kommentare einiger Kollegen. „Es gibt keinen Grund, beunruhigt zu sein. Die Leute der Sicherheits-Kommission waren vor Ort von (Loris) Capirossi über Franco Uncini bis zu Carmelo Ezpeleta. Ich sehe keinen Grund, weshalb man sich über die Sicherheit Sorgen machen sollte. Airfences werden bei privaten Tests nicht aufgebaut. Die Auslaufzonen sind sehr groß.“

Wrap-Up: Die Experten-Analyse zum Katalonien-GP