Mike Leitner, Manager des Red Bull KTM-Teams, im Exklusiv-Interview über die Bilanz der ersten neun Rennen, die Probleme von Johann Zarco sowie die Ziele für die zweite Saisonhälfte.

Interview: Julia Baumgartner

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servusmotogp.com: Wie sieht Ihre Bilanz der ersten Saisonhälfte aus?

Mike Leitner: Generell ist die Bilanz gut. Wir sind happy. Die Zielsetzung war, dass wir Top-10-Platzierungen fahren. Die haben wir mit Pol (Anm.: Espargaro fuhr heuer fünf Mal in die Top-10) geschafft. Problematisch ist es bei Johann (Anm.: Zarco) mit dem Ergebnis, der druckt noch nicht so richtig mit unserem Gerät. Wir werden hart weiter arbeiten. Ich glaube, wenn er das Feeling bekommt und das Motorrad besser versteht, dann kommen auch bei ihm die Ergebnisse. Bis jetzt sind wir Zehnter in der WM, Sechster in Le Mans, einige Top-10-Plätze und Johann war auch Zehnter in Barcelona. Jetzt schauen wir, dass wir die zweite Saisonhälfte so fortsetzen.

servusmotogp.com: Warum tut sich Zarco schwerer als Espargaro? Wie lässt sich das erklären?

Das ist nicht nur bei uns derzeit ein Phänomen. Das gibt es bei anderen Herstellern auch sehr ähnlich. Die Klasse ist sehr dicht geworden. Motorradfahren ist sehr auf Feeling aufgebaut, nicht nur auf die Performance, was das Bike kann. Man muss eine richtige Verbindung aufbauen können. Das geht beim einen schneller, beim anderen langsamer. Man kann nur versuchen, dass man technische Lösungen bringt. Und der Fahrer arbeitet von seiner Seite her.

servusmotogp.com: Jetzt steht erst einmal die Sommerpause an.

Die Pause begrenzt sich bei uns auf zwei Wochen, in denen man einmal sagen kann: „Es ist jetzt mal ein bisschen Ruhe.“ Im Haus geht es natürlich Vollgas weiter. Wir haben einige Meetings und der Testbetrieb läuft auch weiter. Man hört im Fernsehen immer so schön, dass Sommerpause ist. Die gibt es in Wirklichkeit aber nicht mehr so richtig, weil es während der Saison nicht mehr wirklich funktioniert, den Kopf abzuschalten. Man schaut, dass man zumindest ein paar Tage hat, an denen man es doch einmal komplett auf die Seite schiebt.

servusmotogp.com: Wie lauten die Ziele für die zweite Saisonhälfte?

Die Ziele lauten: Zumindest den Stand halten, den man hat. Und sicher das eine oder andere Resultat noch zu verbessern. Das tut jeder. Jetzt schauen wir, ob wir das umsetzen können.

servusmotogp.com: KTM ist in der MotoGP angetreten, um in Zukunft regelmäßig auf das Podest und natürlich auch um Siege mitzufahren. Wie sehr liegt man im Zeitplan?

Ich bin immer einer, der die Erwartungen etwas runterdrückt. Aber es ist wirklich ein straffer Zeitplan. Wenn man das Ziel hat, im fünften Jahr einen Grand Prix zu gewinnen, ist das sehr hart. Wir sind natürlich dran. Jeder pusht 100 Prozent. Und es ist so: Unter die ersten Zehn in der WM zu fahren – bei der Dichte von Hersteller und Fahrer – ist schon gar nicht so einfach. Man muss wirklich sehr behutsam Schritt für Schritt gehen, dass man keine Fehler macht. Schließlich haben wir einen Nullstart hingelegt. Nun sind wir im dritten Jahr, also zweieinhalb Saisonen, im Grand Prix-Sport. Wir haben ein Podium (Anm.: Pol Espargaro wurde Dritter in Valencia 2018), einige Top-10-Plätze. Wir liegen also im Plan. Ich bin überrascht, dass wir das in dieser Zeit bereits erreicht haben. Wir kämpfen schließlich gegen fünf sehr harte Konkurrenten auf der Motorrad-Seite. Und natürlich hat sich die Fahrer-Qualität in den letzten Jahren in der MotoGP sehr komprimiert – speziell von hinten nach vorne. Die Spitze hat sich Schritt für Schritt gesteigert. Aber man sieht jetzt große Namen wie Valentino Rossi und Andrea Dovizioso, wie oft sie am Samstag den Sprung ins Qualifying 2 nicht schaffen. Das zeigt einfach, dass sehr viele junge, starke Fahrer da sind. Es muss wirklich alles passen.

servusmotogp.com: KTM-Vorstandsvorsitzender Stefan Pierer hat Zarco zuletzt schon recht deutlich und auch öffentlich kritisiert. Ist der Franzose angezählt?

Natürlich ist so ein Projekt kostspielig. Und dass die Leute, die das finanzieren, auch eine Meinung kundgeben können, ist legitim. Es ist Johann selber auch nicht happy. Es wünscht sich niemand eine Situation, in der man dem Erfolg etwas nachläuft. Aber ein Limit oder so etwas gibt es derzeit auf keinen Fall noch. Aber es wird natürlich geschaut, wo man weiterhelfen und das Maximum rausholen kann.

servusmotogp.com: Apropos weiterhelfen. Es wird auch noch das KTM Tech 3 Racing-Team unterstützt…

Wir haben mit dem Satelliten-Team in diesem Jahr auch einen Neustart gemacht. Das geht natürlich auch ordentlich an die Ressourcen. Da haben wir – was die Logistik betrifft – von 2018 auf 2019 einen riesigen Sprung gemacht. Jetzt sind wir aber echt happy. Die Früchte wird man dann nächstes Jahr sehen.

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