Einige Fahrer äußern Kritik an Freddie Spencer & Co. Ihr Vorwurf: Ähnliche Vergehen werden unterschiedlich bewertet – und in allen Klassen fehlt eine klare Linie.

In den letzten Wochen regte sich Kritik an den FIM-Rennkommissaren in der Motorrad-WM. Zu inkonstant soll die Vergabe der Strafen sein. Auch, dass man erst vier Tage nach dem Spielberg-Crash zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli die beiden Fahrer angehört hat, sorgte für Fragezeichen. Warum erst so spät?

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2019 wurde die Gruppe der Rennkommissare neu strukturiert, um sie unabhängiger von der Rennleitung rund um Mike Webb zu positionieren. Mit Freddie Spencer wurde ein ehemaliger Rennfahrer engagiert. Spencer war 500er-Weltmeister in den Jahren 1983 und 1985.

Unumstritten ist der US-Amerikaner nicht. Aleix Espargaro sagt: „Ich habe großen Respekt vor ihm. Aber wann ist er zum letzten Mal ein MotoGP-Bike gefahren? Ich glaube, wir brauchen jemanden, der vor fünf bis acht Jahren MotoGP gefahren ist und dieses Gefühl versteht.“

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Piloten fordern: Sanktionen müssen gleich sein

Bei allen Saison-Rennen ist Spencer ein permanenter Rennkommissar. Zweiter permanenter Rennkommissar ist Bill Cumbow von der FIM. Und der dritte Verantwortliche ist bei jedem Grand Prix eine andere Person.

„Es ist natürlich ein schwieriger Job“, sagt Routinier Andrea Dovizioso. „Immer gibt es unterschiedliche Meinungen. Natürlich müssen wir versuchen, besser zu werden. In der Sicherheitskommission geben wir unser Feedback.“

Und Espargaro ergänzt: „Kein Fahrer in der Sicherheits-Kommission ist sehr glücklich. Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Wir verlangen die gleichen Sanktionen. Regeln sind Regeln. Es ist egal, ob man in der Moto3 um die Top 20 kämpft, oder ob es um Rossi und Marquez geht.“

Vor allem konstantere und nachvollziehbarere Entscheidungen werden von den Rennkommissaren gefordert. Denn wird eine Strafe ausgesprochen, wird im offiziellen Dokument nicht aufgeführt, weshalb man zu diesem Urteil gekommen ist. Stattdessen wird immer nur von „irresponsible riding“ gesprochen.

„Die meisten Piloten sind nicht zufrieden mit den Rennkommissaren“, sagt auch Danilo Petrucci. „Es passieren viele Unfälle, die sich nicht im Spitzenfeld abspielen und anders behandelt werden. Manche MotoGP-Zwischenfälle werden anders behandelt als in der Moto3.“

Rossi: Eskalation beginnt in der Moto3

Deshalb wird gefordert, dass von der Moto3 bis in die MotoGP die Vergehen gleich geahndet werden. Und um eine klare Linie durch alle Klassen ziehen zu können, muss schon bei den Moto3-Nachwuchsfahrern angefangen werden, wo es oft turbulent zugeht.

„Sie haben viel Arbeit“, meint Valentino Rossi. „Denn in der Moto3 ist die Situation manchmal nicht unter Kontrolle. Schon in den kleinen Klassen ist das Level an Aggressivität höher als früher. All diese jungen Fahrer sind sehr aggressiv. Es ist eine Eskalation und zieht sich durch alle Klassen.“

„Natürlich gibt jeder sein Maximum und will vorne dabei sein. Aber aus meiner Sicht brauchen wir manchmal klarere Regeln. Du darfst die Linie in der Bremsphase nicht schneiden. Das sollte auf jeden Fall klarer geregelt sein. Und von der Rennleitung dann auch präzise und einheitlich angewandt werden.“

Entwicklung laut Rossi „sehr gefährlich“

„So wie in der Formel 1. Das ist für mich der einzige Weg, wie wir diese Eskalation verhindern können. Denn sie ist sehr gefährlich“, findet Rossi deutliche Worte. „Sie müssen ihre Entscheidung ohne Druck von außen treffen. Es geht um die Sicherheit aller Fahrer.“

Laut Dovizioso geht es nicht nur um die Aggressivität im Zweikampf, sondern auch um die Track-Limits. „Jeder pusht mehr, weil man neben die Strecke fahren kann. Meiner Meinung nach sind die Strafen zu gering. Jeder geht über das Limit, weil es neben der Strecke Asphalt gibt.“

MotoGP-Promoter Dorna garantiert die Unabhängigkeit der Rennkommissare. „Sie können die Dinge bewerten, wie sie es für richtig halten“, betont Carmelo Ezpeleta gegenüber der ‚AS‘. „Am Ende des Jahres werden wir uns mit dem FIM-Präsidenten zusammensetzen und uns die Dinge ansehen.“