Der Franzose Johann Zarco saß erstmals wieder auf einem MotoGP-Geschoss. Von der Dorna bekam er Papiere, um überhaupt nach Spanien einreisen zu dürfen.

Mit der Lockerung von Corona-Maßnahmen in vielen europäischen Ländern nimmt das Training der MotoGP-Piloten endlich wieder Fahrt auf. Nachdem die meisten monatelang an ihr Haus gefesselt waren und auf keinem Motorrad mehr saßen, hat die Durststrecke ein Ende.

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Bisher hatten aber nur Pol Espargaro und Dani Pedrosa im Rahmen eines privaten KTM-Tests in Spielberg die Gelegenheit, erstmals seit Februar wieder auf ihre MotoGP-Motorrädern zu steigen.

Der Rest trainiert entweder mit seinen Motocross-Bikes oder entert auf seriennahen Maschinen den Asphalt der wieder geöffneten Strecken.

Vergangene Woche war das bei Alex Rins (Suzuki) und Aleix Espargaro (Aprilia) der Fall, die mit einer Handvoll Moto2– und Moto3-Piloten auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya wieder Rennluft schnuppern durften. In dieser Woche wurde dort erneut trainiert, neben Rins war auch Johann Zarco mit von der Partie.

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Zarco: „Nach so langer Zeit muss sich der Kopf erst ans Gefühl gewöhnen“

Der Neuzugang bei Avintia-Ducati nahm zum ersten Mal seit fast drei Monaten wieder auf einem Motorrad Platz. Ausgestattet mit der Ducati Panigale V4 S arbeitete er vor allem daran, nach der langen Zwangspause wieder ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu bekommen.

„Nach so langer Zeit muss sich der Kopf erst an das Gefühl gewöhnen, mit mehr als 300 km/h zu fahren, denn die Reflexe sind nicht dieselben. In Frankreich gibt es zwar Strecken, aber sie sind nicht so schnell wie diese“, erklärt Zarco.

„Ich danke der Dorna, dass sie mir die Dokumente gegeben hat, um die Grenze überqueren zu können. Die Polizei hielt mich an, aber mit dem Papier ließen sie mich durch. Es war ein Abenteuer, hierher zu kommen“, rekapituliert der MotoGP-Pilot die Anreise. Sowohl Frankreich und Spanien waren von der Corona-Krise stark betroffen.

Komprimierte Saison für Zarco ein Vorteil?

Doch in beiden Ländern herrschen mittlerweile weniger strenge Ausgangsregeln, sodass Zarco auch bei sich zu Hause zuletzt wieder besser trainieren und sich physisch vorbereiten konnte: „Als wir wieder raus durften, bin ich etwas Motocross und Supermoto gefahren. Körperlich geht es mit gut. Das wird in Jerez sehr wichtig sein.“

Dort soll die MotoGP-Saison am 19. Juli endlich losgehen, nachdem der eigentliche Auftakt in Katar Anfang März ausfallen musste. Die lange Zwangspause hat ihre Spuren hinterlassen: „Mein Kopf wird wahrscheinlich etwas mehr Zeit brauchen.“

Da die Saison sehr komprimiert sein wird, sei der Schlüssel, „in jeder Situation ruhig zu bleiben“. In der kurzen Abfolge von Rennen sieht der Franzose, der noch nicht viel Erfahrung mit der Ducati hat, aber auch Vorteile: „Bei so vielen Rennen in Folge denke ich, dass ich viel lernen und schnell genug sein kann, um das Podium zu kämpfen.“

Miller im Werksteam „ein logischer Schritt“

Dass es vor Ort keine Zuschauer geben wird, die die Fahrer anfeuern und mit ihnen fiebern, sieht Zarco entspannt. „Wir sind es gewohnt, ohne Publikum auf den Tribünen zu trainieren“, sagt er. „Daher wird der größte Unterschied sicherlich ein leeres Paddock sein, was die Fahrer meiner Meinung nach vom Stress befreien wird.“

Angesprochen auf die jüngste Fahrerbekanntgabe, die Jack Miller für die Saison 2021 im Ducati-Werksteam bestätigte, analysiert sein Markenkollege: „Es ist ein logischer Schritt, denn er ist seit vielen Jahren bei Pramac und stand im vergangenen Jahr auf dem Podium. Ich befinde mich in einer ganz anderen Situation.“

Auch Zarco hat ein Auge auf einen Werksplatz bei Ducati geworfen, muss dafür aber erst einmal seine erste Saison mit Avintia erfolgreich über die Bühne bringen. „Ich fühle mich sehr selbstsicher auf diesem Motorrad, aber ich brauche Rennen, um zu zeigen, was ich kann. Ich kann nichts unterschreiben, ohne Rennen zu fahren.“