Jonathan Rea und Chaz Davies blicken auf Alvaro Bautistas starkes WSBK-Debüt 2019 zurück – und erklären, warum das Bild ihrer Ansicht nach verzerrt wurde.

Mit elf Siegen in Folge stellte WSBK-Rookie Alvaro Bautista zu Beginn der Saison 2019 die Kräfteverhältnisse auf den Kopf. Mit Leichtigkeit setzte sich der Spanier gegen Serien-Sieger Jonathan Rea durch und rückte so das komplette Fahrerfeld in ein schlechtes Licht. Doch Rea und Dauer-Rivale Chaz Davies sind überzeugt, dass Bautistas Erfolge kein exaktes Abbild vom fahrerischen Niveau in der Superbike-WM sind.

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Hatte Rea vor der WSBK-Saison 2019 damit gerechnet, dass Bautista sein größter Gegner sein wird? „Ich hatte keine Erwartungen, wie stark Alvaro sein würde“, kommentiert Rea im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

Vor allem die neue Ducati Panigale V4R erschwerte Prognosen. „Bei einem komplett neuen Motorrad kann man nie vorhersagen, was passiert. Er kam aus der MotoGP. Das erschwerte es, Prognosen abzugeben. Klar war, dass er sehr gut mit dem Bike harmonierte und sehr gut fuhr. Er fand sehr schnell eine passende Abstimmung“, blickt Rea zurück.

Sind WSBK-Piloten nur die „2. Liga“?

Dass das fahrerische Niveau in der Superbike-WM deutlich unter dem in der MotoGP liegt, will Rea nicht wahrhaben. „Wir hatten hier einige unglaublich gute MotoGP-Fahrer, die den Sprung nicht so gut hinbekamen“, erinnert er an Stefan Bradl, Nicky Hayden, Karel Abraham und Hiroshi Aoyama.

„Es hängt voll und ganz davon ab, wie sie die Situation meisterten. Bei Alvaro stimmte alles. Wäre es genau so gelaufen, wenn er zum Beispiel mit Honda eingestiegen wäre? Auf keinen Fall“, prognostiziert der Nordire.

„Ich weiß nicht, ob wir in Zukunft mehr MotoGP-Fahrer hier sehen werden. Doch Bautistas Wechsel hat uns Superbiker auf jeden Fall in kein gutes Licht gerückt. Er gewann mit Leichtigkeit, und das spiegelte definitiv nicht die Wirklichkeit wider“, unterstreicht Rea.

Chaz Davies gegen Bautista ohne Chance

Ducati-Teamkollege Chaz Davies war das wohl größte Opfer von Bautistas Erfolgen. Die langjährige Ducati-Speerspitze kam zu Beginn überhaupt nicht mit der neuen V4-Maschine zurecht und kämpfte im Mittelfeld, während Bautista mit Leichtigkeit von Sieg zu Sieg fuhr.

„Er kam mit sehr viel Selbstvertrauen in die Superbike-WM. Nach 15 oder 16 Jahren in einem Fahrerlager, in dem sich die Leute ständig erzählen, wie beschissen die WSBK-Fahrer sind, kam er in die Meisterschaft. Wenn man das 15 Jahre lang hört, glaubt man es vermutlich auch“, kommentiert Davies.

„Er befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die ersten Strecken der Saison kamen seinem Stil entgegen“, begründet Davies die Seriensiege zu Beginn des Jahres. Das Interesse der MotoGP-Manager, einen talentierten WSBK-Piloten ins GP-Paddock zu holen, ging durch Bautistas Erfolge weiter zurück.

„Mit Sicherheit hat es die Situation verschlechtert“, bemerkt Davies. Er selbst rechnet sich keine Chancen mehr auf einen Wechsel in die MotoGP aus. „Man muss aber auch festhalten, dass es bei ihm ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren war, was am Ende zu seinem Erfolg führte. Er traf auf ein Motorrad, das er bereits kannte, bevor er es fuhr. Er kannte die Charakteristik der Maschine aus seiner Zeit in der MotoGP.“