Fünf Jahre und 85 Grands Prix hat Joan Mir gebraucht, um nach seinem WM-Debüt in der Moto3 den MotoGP-Thron zu erklimmen – das sagt der neue Champion zu seinem Triumph.

Joan Mir ist MotoGP-Weltmeister 2020. Der Mallorquiner hat dieses Kunststück in seiner fünften Saison in der Motorrad-WM geschafft. Es war erst sein zweites Jahr in der Königsklasse. Bis zum Titelgewinn hat Mir 85 Grands Prix bestritten, davon 30 in der MotoGP.

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Mit 23 Jahren und 76 Tagen ist Mir der siebtjüngste Weltmeister der Königsklasse. „Ich werde eine Dusche brauchen, um diese Situation verstehen zu können“, freut sich der Suzuki-Pilot. „Seit ich 10 Jahre alt bin, habe ich diesen Traum.“

Auch für Suzuki kam dieser WM-Titel zum perfekten Zeitpunkt. Seit 100 Jahren gibt es die Suzuki Motor Company. Vor 60 Jahren begannen die Japaner mit dem Rennsport. Und vor 20 Jahren gewannen sie zum letzten Mal die 500er-Klasse.

Joan Mir – Der WM-Recap

Mir gibt zu: „Vor dem Start war ich nervös“

Seinen ersten Matchball verwertete Mir mit einem siebten Platz im zweiten Valencia-Rennen. Er ging kein unnötiges Risiko ein. Mit einem Sturz und einem gleichzeitigen Sieg von Franco Morbidelli hätte er in Portimao kaum noch einen Punkte-Vorsprung gehabt.

„Ich habe versucht ruhig zu bleiben, aber das war ich nicht“, gibt Mir zu. „Ich spürte den Druck. Ich war nervös. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. In diesem Jahr war es besonders schwierig, denn es gab nicht nur den Druck auf der Strecke.“

„Man musste zu Hause auch aufpassen, dass man sich nicht mit dem Virus infiziert. Was nicht oft erwähnt wird: Normalerweise ist man nur hier auf der Strecke dem Druck ausgesetzt. Zu Hause kann man dagegen entspannen.“

„Aber das war diesmal nicht möglich, weil wir alle den zusätzlichen Druck durch das Coronavirus hatten. Das hat vieles schwerer gemacht. Ich würde natürlich gerne groß feiern, aber wir müssen Verantwortung zeigen. Es sterben Menschen durch dieses Virus.“

WM-Party mit dem Team und seiner Familie

„Die beste Art zu feiern ist für mich ohnehin, mit meiner Familie zusammen zu sein und mit meinem Team. Natürlich achten wir dabei auf die Maßnahmen. Aber ein bisschen feiern werden wir schon. Wir haben die Situation gemeistert und jetzt bin ich Weltmeister!“

„Ich kann gar nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet. Was ich tun kann ist, all denen zu danken, die das möglich gemacht haben. Meiner Familie und Suzuki, die mir überhaupt erst die Chance gegeben haben, hier in der MotoGP zu sein.“

„Ich bin so glücklich, derjenige zu sein, der Suzuki nach 20 Jahren wieder an die Spitze dieser Klasse gebracht hat. Als ich die Boxentafel mit der Aufschrift ‚Weltmeister‘ sah, konnte ich es nicht glauben. Ich musste weinen.“

„In der Auslaufrunde wurde mir dann langsam klar, was da gerade passiert. Schade war nur, dass wir hier keine Zuschauer auf den Tribünen hatten. Denn das bedeutet oft extra Motivation und extra Freude, wenn man zusammen mit den Fans feiern kann.“

Ab wann glaubte Mir an seine WM-Chance?

Dabei begann die Saison von Mir nicht erfolgreich. Ausfall im ersten Jerez-Rennen und Platz fünf im zweiten. Dann gab es in Tschechien den nächsten Ausfall. Anschließend ging es nach Österreich. Mir fuhr in Spielberg 1 zum ersten Mal in der MotoGP auf das Podest.

Dieser Erfolg war die Initialzündung. „In der Steiermark bin ich mein erstes starkes Rennen gefahren und habe um den Sieg gekämpft. Rund um Misano und Barcelona habe ich dann zu mir gesagt: ‚Ich bin nicht nur in der Steiermark schnell, sondern überall.'“

Mir begann daran zu glauben, dass es wirklich eine Chance auf den WM-Titel gibt. In beiden Aragon-Rennen sammelte er mit dritten Plätzen weitere wichtige Punkte. In Valencia 1 klappte es mit dem ersten Sieg in der Königsklasse. Das war der endgültige Grundstein für den Titel.

Rasanter MotoGP-Aufstieg mit Suzuki war richtig

„Als ich Davide (Suzuki-Teamchef Brivio, Anm. d. Red.) nach dem Titelgewinn sah, habe ich mich an ein Gespräch erinnert, das wir in Jerez 2018 geführt haben. Nämlich als wir anfingen, uns über dieses Projekt zu unterhalten. Er versuchte damals mich zu überzeugen, aber das musste er gar nicht.“

„Denn ich war schon vorher überzeugt! Eigentlich wollte ich zwei Jahre Moto2 fahren, aber die Situation war nicht ideal. Deshalb war es die richtige Entscheidung, nach einem Jahr Moto2 in die MotoGP zu wechseln. Ich wollte dieses Projekt mit Suzuki zum Erfolg führen.“

Mir vertraute dabei auch auf seine Anpassungsfähigkeit. Denn schon in den kleinen Klassen war er rasch im Spitzenfeld mit dabei. „Jahr für Jahr war ich schnell und ich habe mich rasch an die Motorräder gewöhnt. Das war der Schlüssel, um im zweiten Jahr MotoGP-Weltmeister zu werden“, glaubt Mir.

Dass das so schnell passieren würde, war 2018, als der Deal mit Suzuki eingefädelt wurde, noch in weiter Ferne. „Mir war klar, dass das nicht einfach werden würde. Aber umso süßer schmeckt der Titel mit dieser Marke“, lacht Mir. „Sie verdienen ihn, denn sie habe nicht nur dieses Jahr, sondern auch die Jahre davor großartige Arbeit geleistet.“

„Mein Dank und meine Gratulation gilt auch all jenen, die in Japan sind und dazu beigetragen haben, dieses Motorrad noch schneller und besser zu machen. In einem so schwierigen Jahr diesen Titel zu erringen, fühlt sich umso besser an. Einen WM-Titel mit Suzuki zu gewinnen, bedeutet mehr!“