Teamchef Wilco Zeelenberg über die Petronas-Strategie, vorrangig mit jungen Talenten zu arbeiten – und was das für ein mögliches Fahrer-Duo Rossi/Lorenzo bedeutet.

Für die MotoGP-Saison 2021/22 ist Petronas-Yamaha ein begehrter Platz. Nachdem Fabio Quartararo ins Yamaha-Werksteam wechselt, ist dort auf jeden Fall ein Sitz zu vergeben. Der Vertrag mit Franco Morbidelli wurde zwar noch nicht offiziell verlängert. Doch dem Vernehmen nach hat der Italiener gute Chancen, dass er bleiben darf.

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Das neue Yamaha-Kundenteam ist 2019 angetreten, um jungen Fahrern eine Chance zu geben. Schließlich betreibt man auch Teams in der Moto2 (Jake Dixon, Xavi Vierge) und der Moto3 (John McPhee, Khairul Idham Pawi). Und deshalb will man als Quartararo-Nachfolger offenbar vorrangig wieder ein junges Talent verpflichten.

„Wir stehen nicht unter Druck. Denn wir sind in der Position, dass viele Fahrer zu uns wollen“, erklärt Teamchef Wilco Zeelenberg gegenüber ‚GPspirit‘. „Natürlich haben wir Fahrer im Kopf, die wir gerne hätten. Ich kann aber keine Namen nennen. Wir haben Zeit. Erstmal müssen wir abwarten, ob und wann die Meisterschaft startet.“

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Team-Struktur für junge Fahrer aufgestellt

„Wir haben mit Fabio gesehen, dass es immer einen Fahrer gibt, der mit diesem Bike sehr gut fahren kann. Als wir ihn verpflichtet haben, hat sich keiner für ihn interessiert. Wir wollten ihn, weil wir seine Fähigkeiten kannten. Als seinen Nachfolger haben wir einige Namen im Kopf, von denen wir denken, dass sie eine sehr gute Leistung bringen können.“

Also will man weiter auf die Jugend setzen? „Unsere Team-Struktur ist so aufgestellt, dass wir neue Talente holen und sie für die Zukunft für ein Werksteam ausbilden. Das war unser Wunsch“, so Zeelenberg. „Die Neuigkeit mit Valentino ist eine andere Geschichte. Wir haben mit Yamaha noch nicht darüber gesprochen.“

Denn sollte sich Valentino Rossi dazu entschließen, seine Karriere fortzusetzen, würde er von Yamaha weiterhin ein Werks-Motorrad bekommen. Und könnte damit womöglich im Petronas-Team platziert werden. „Man weiß es nicht“, sagt Zeelenberg über diese Option. „Vielleicht entscheidet er sich ja auch für einen Rücktritt.“

Petronas: Fahrer-Paarung Rossi/Lorenzo möglich?

In den letzten Wochen tauchten zudem Spekulationen auf, dass 2021 nicht nur Rossi in Petronas-Farben fahren könnte. Sondern auch Jorge Lorenzo – falls dieser ein Vollzeit-Comeback anstreben will. Mit beiden Ex-Weltmeistern würde das Team den eingeschlagenen Weg verlassen und fortan nicht mehr auf die Jugend setzen.

„Wie gesagt: Wir müssen uns zusammensetzen, über unsere Team-Struktur sprechen – und was wir wirklich tun wollen“, meint Zeelenberg über die Gesamt-Strategie. „Unsere Mission war es, neue Talente aufzubauen. Wenn wir das über Bord werfen, müssen wir uns ganz neu aufstellen. Aber im Motorsport ist prinzipiell alles möglich.“

Konkret gefragt, ob eine Fahrer-Paarung Rossi/Lorenzo eine Option wäre, antwortet der Ex-Rennfahrer: „Ob das auf unserer Wunschliste steht, ist eine andere Geschichte. Warten wir ab, wie sich die Situation entwickelt. Momentan kann ich keine vernünftige Antwort auf diese Frage geben.“ Und weil aktuell keine Rennen stattfinden, steht auch der Transfermarkt still.

Zeelenberg über Lorenzo: „Ich war überrascht“

Bevor Zeelenberg seine Funktion im Petronas-Team annahm, arbeitete er im Yamaha-Werksteam jahrelang für Lorenzo. Was sagt er zu dessen Comeback als Testfahrer? „Ich war überrascht, das muss ich zugeben. Dass er von der Ducati auf die Honda und nun auf die Yamaha springt, gibt uns Informationen für unser Motorrad. Das war für Yamaha sehr interessant um zu erfahren, was bei den anderen Herstellern so los ist.“

„Ich kann aber nicht beurteilen, ob er den Wunsch hat, zurückzukommen. Jorge hatte mit der Honda große Mühe und einige schwere Unfälle. Es hat mich beim Malaysia-Test gefreut zu sehen, dass er wieder Spaß am Fahren hat. Dann kam die Bestätigung, dass er ein Wildcard-Rennen fahren wird. Das war natürlich schön zu hören.“

„Dass er zurück in der Meisterschaft ist, war für alle eine Überraschung. Man hat gesehen, dass er aufgegeben hat, die Honda ans Limit zu bringen – weil er sich nicht mehr verletzen wollte. Aber als er auf die Yamaha gestiegen ist, hatte er gleich das Gefühl, dass er es noch kann. Dieses Gefühl hatte er mit der Honda einfach nicht.“