Einige Moto2-Rookies hatten keine leichte erste Saisonhälfte. Ist der Umstieg von der Moto3 auf die Moto2 schwieriger, als von der Moto2 in die MotoGP?

Zur Saison 2019 stiegen gleich mehrere Fahrer von der Moto3 in die Moto2-Klasse auf. Einigen fiel die Umstellung auf die größere Klasse leichter, andere dagegen haben schwierige Monate hinter sich. Im Spitzenfeld war in den ersten Rennen keiner zu finden. Nach neun Rennen ist Enea Bastianini (Kalex) der mit Abstand beste Rookie. Der Italiener hat 58 WM-Punkte auf dem Konto und ist WM-Neunter. Zweitbester Rookie ist Fabio di Giannantonio (Speed Up), der 37 Zähler auf dem gesammelt hat.

Dahinter folgen Nicolo Bulega (Kalex) mit 16 WM-Punkten und Moto3-Weltmeister Jorge Martin (KTM) mit zehn Zählern. Marco Bezzecchi (KTM) hat es bisher nur in Assen einmal in die Punkteränge geschafft. Und Bezzecchis Tech-3-Teamkollege Philipp Öttl hat noch null Punkte neben seinem Namen stehen. Wegen einer Gehirnerschütterung musste der Deutsche die Rennen in Barcelona, Assen und auf dem Sachsenring auslassen.

„Aufstieg in die Moto2 schwieriger als in die MotoGP“

„Ich glaube, dass der Umstieg von der Moto3 in die Moto2 viel schwieriger ist, als von der Moto2 in die MotoGP zu wechseln“, sagt Tech-3-Teamchef Herve Poncharal im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. „Wenn man ein Moto2-Bike mit der MotoGP vergleicht, dann ist es in Bezug auf Größe und Gewicht recht ähnlich. Natürlich gibt es in der Moto2 weniger Leistung und Elektronik, aber sie sind sich doch ähnlich.“

„Ein Moto3-Bike ist ein unglaublich kleines Motorrad. Der Motor hat nur einen Zylinder, es gibt wenig Leistung und der Fahrstil muss extrem sauber sein. Wenn man auf einem Moto3-Motorrad sitzt, dann merkt man erst, wie schmal der Sitz ist“, hält der Franzose fest. „Es ist ganz besonders zu fahren. Ich habe viel mit Marco und Philipp gesprochen, und es ist eine andere Welt. Man muss seinen Fahrstil für die Moto2 deutlich anpassen.“

Deswegen ist es laut Poncharal auch nicht überraschend, dass die Umsteiger nicht sofort um Podestplätze und Siege kämpfen können. „Man sieht, dass alle Rookies nicht ganz vorne mitmischen. Die Spitzenfahrer sind schon drei bis fünf Jahre in dieser Klasse.“ Oder es sind Fahrer mit noch mehr Erfahrung, wie zum Beispiel ein Tom Lüthi. Erfahrung spielt in der Moto2-Klasse eine wichtige Rolle.

Enge Zeitabstände machen es Rookies noch schwerer

Vor allem bei den engen Zeitabständen. Fehlen beispielsweise 1,2 Sekunden, dann ist man oft jenseits von Platz 20. „Das ist die Stärke unserer Meisterschaft. Man sieht das auch in der Moto3 und es wird auch in der MotoGP zum Trend“, sagt Poncharal und präzisiert: „Wenn man in der Moto2 in einer akzeptablen Position sein will, muss man innerhalb einer Sekunde sein. Ist man mehr als eine Sekunde zurück, ist man im Nirgendwo. Marco und Philipp machen es nicht schlecht, aber wie soll man das den Sponsoren, den Medien und den Fans erklären, wenn man 22. ist.“

Im speziellen Fall von Bezzecchi und Öttl im Tech-3-Team kommt noch der Umstand hinzu, dass KTM nicht mit dem besten Motorrad in die Saison gestartet ist. „Ich vertraue KTM, denn sie wissen, dass das Motorrad nicht so konkurrenzfähig ist, wie es sein sollte. Es ist kein Desaster, aber es kann besser sein“, sagt Poncharal zu diesem Thema. „Ich bin mir sicher, dass KTM das Problem bald lösen wird.“

Zuletzt eroberte Brad Binder in Assen und auf dem Sachsenring zwei zweite Plätze. Ein Aufwärtstrend ist eingeleitet. „Ihr Topfahrer ist Brad Binder. Er macht Druck und kann die richtigen Informationen geben. Die Rookies müssen so viel lernen und haben keinerlei Erfahrung. Marco, Philipp und Jorge kommen von der Moto3 und kennen nur dieses Motorrad“, vergleicht Poncharal. Er kann dem aber auch etwas Positives abgewinnen: „Selbst wenn es enttäuschend aussieht, lernen Philipp und Marco viel. Vielleicht sogar mehr als mit einem einfachen Motorrad.“

HJC Helmets Motorrad Grand Prix Deutschland 2020:
Hol dir deine Tickets!
   - WERBUNG -