Nach dem Valencia-Test bewerten Marc Marquez und Cal Crutchlow die 2020er-Honda: Trotz einiger Fortschritte wartet auf die Ingenieure offenbar noch viel Arbeit.

Beim Valencia-Test auf dem Circuit Ricardo Tormo arbeiteten Marc Marquez, Cal Crutchlow und Stefan Bradl mit dem neuen Prototypen für die MotoGP-Saison 2020. Honda hat das Motorrad in vielen Details überarbeitet. Kleinere Probleme gab es am Mittwoch auch. Stefan Bradl rollte am Vormittag mit einem Motorrad auf der Strecke aus. Und auch Marquez blieb einmal in der Boxengasse stehen. Crutchlow hatte am späten Nachmittag einen Sturz.

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Am Nachmittag rückte Marquez auch mit neuer Aerodynamik aus. Die Winglets auf der Seite der Airbox ähnelten der Ducati-Version. „Wir haben ein neues Aerodynamik-Paket gemeinsam mit dem neuen Prototypen, mit dem neuen Motor und einem anderen Chassis probiert“, sagt der Weltmeister. „Es war nicht schlecht und hatte interessante Punkte. Wir müssen das aber noch etwas modifizieren, weil in einigen Kurven das Gefühl nicht das beste war.“

Die 2019er-Honda war nicht einfach zu fahren. Seit Monaten arbeitet Honda am Chassis, um das Fahrverhalten zu verbessern. Ist das gelungen? „Der Charakter ist mehr oder weniger ähnlich“, sagt Marquez. „Ich habe mich hauptsächlich auf den neuen Prototypen konzentriert, weil alles neu ist. Wir müssen noch ein paar Dinge modifizieren. Mit dem neuen Prototypen bin ich meine beste Rundenzeit gefahren. Auch bei der Renn-Pace hat es nicht schlecht ausgesehen.“

Crutchlow versucht es positiv zu sehen

Und wie bewertet Crutchlow das neue Motorrad? „Wir müssen es positiv sehen, denn in gewissen Bereichen ist es ein Fortschritt. Ich fühle mich auf dem Motorrad etwas besser. Aber einfacher ist es nicht zu fahren. Wir müssen das über den Winter verbessern und ich hoffe, dass sie das schaffen. Vom generellen Gefühl her bin ich schneller gefahren als am gesamten Wochenende. Das ist positiv, weil dieses Motorrad nur diese zwei Tage in Valencia gefahren ist.“

„Für mich ist das Gefühl für den Vorderreifen etwas besser“, so der Brite weiter. „Nicht so viel wie ich glaube, dass wir brauchen. Aber es war das erste Rollout und wir haben nichts an der Abstimmung verändert.“ Um die Hardware vergleichen zu können, blieb das Set-up unangetastet. „Ich glaube, sie haben gut gearbeitet. Aber sie müssen noch härter arbeiten, damit das Motorrad über die Renn-Distanz einfacher zu fahren wird.“

Marquez hat diesbezüglich eine andere Meinung: „Wenn wir ein einfacheres Motorrad hätten, würde das allen Honda-Fahrern helfen. Mein Ziel ist es, das schnellste Motorrad zu haben. Es ist egal, ob es schwierig ist oder nicht. Ich will gewinnen und es ist egal, ob ich beim Fahren mehr pushen muss. Aber natürlich arbeiten wir am Chassis, damit man einfacher konkurrenzfähige Rundenzeiten fahren kann.“

Noch keine Detail-Arbeit beim Set-up

Die Honda RC213V bleibt auch 2020 ein körperlich anstrengend zu fahrendes Motorrad. „Aber das können wir mit großen Änderungen bei der Abstimmung ändern“, meint Crutchlow. „Ich glaube, wir können mit diesem Motorrad mehr machen als mit dem alten. Mit dem alten Bike hatten wir nur ein sehr schmales Fenster. Mit dem neuen Bike können wir mit der Abstimmung viel mehr spielen und es fahrbarer machen. Es ist aber nicht der große Schritt, den wir brauchen.“

Und ist der neue Motor ähnlich wie 2019? „Nein“, antwortet der LCR-Pilot. „Er ist in einigen Bereichen besser, in anderen schlechter. Ich glaube, das liegt an der Elektronik, die wir verbessern können. Am Ende der Geraden ist der Motor schneller, aber wenn man sich die Topspeed-Messung ansieht, müssen wir auch dort wieder etwas gewinnen.“ Trotzdem zählte Honda neben Ducati zu den schnellsten Motorrädern auf der Geraden.

„Momentan arbeiten wir nicht intensiv an der Elektronik“, hält Marquez fest. „Wir arbeiten am Motor und am Chassis. In diesem Bereich müssen wir verstehen, wie wir einen besseren Kuvenspeed fahren können und besser aus der Kurve herauskommen, denn dort ist Yamaha sehr stark. Wir haben alles Schritt für Schritt ausprobiert. Die Schlussfolgerungen sind auch klar. In Jerez werden wir die gleichen Teile haben. Dort müssen wir dann alles bestätigen.“