Valentino Rossi präsentiert sich vor heimischer Kulisse in Top-Form: In Misano liegt der „Doctor“ lange Zeit auf Platz zwei – und verliert in der letzten Runde doch noch das Podium.

Gerade einmal 2,6 Sekunden trennten Yamaha-Star Valentino Rossi beim ersten von zwei Misano-Rennen nach 27 Runden vom Sieg. Rundenlang duellierte sich Rossi mit dem späteren Sieger Franco Morbidelli (Petronas-Yamaha), verlor im letzten Renn-Drittel aber den Anschluss.

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In der Schlussphase gingen zuerst Francesco Bagnaia (Pramac-Ducati) und in der letzten Runde auch noch Joan Mir (Suzuki) an Rossi vorbei, der damit knapp das Podium verfehlte.

„Es waren nur noch zwei Kilometer zu fahren“, trauert Rossi einem möglichen Podestplatz hinterher. Doch unterm Strich herrschte beim Altmeister gute Stimmung. Dafür sorgte neben Rossis starker Leistung vor allem der Umstand, dass zwei VR46-Schützlinge ganz vorne landeten. Die Arbeit der Akademie zahlt sich also aus.

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Mir verhindert perfekten Sonntag für VR46

„Ich bin richtig happy auf der einen Seite. Andererseits war es sehr schade wegen dem Podium. Wenn ich hier in Misano aufs Podest gefahren wäre und es mir mit Franco und Pecco geteilt hätte, wäre das unglaublich gewesen“, kommentiert Rossi.

„Während des Rennens, als ich hinter Franco fuhr und dann Pecco vorbeizog, dachte ich mir, dass diese Akademie keine gute Idee ist“, scherzt Rossi. „Doch andererseits sind wir auf die Arbeit unserer Fahrer sehr stolz.“

„Es ist schade, dass Mir in der letzten Runde an mir vorbei kam. Er war sehr schnell. Doch das Wochenende war trotzdem gut. Im Rennen lief es, ich war die ganze Zeit über stark. Leider hatte ich aber ein paar kleine Probleme mit der Front und dem Heck. Deshalb konnte mir Franco dann irgendwann davon fahren“, lobt Rossi die Leistung von Morbidelli.

VR46-Piloten bescheren Rossi große Emotionen

Bereits im Moto2-Rennen setzten sich zwei Schützlinge aus der VR46-Akademie durch. Rossi-Halbbruder Luca Marini gewann vor VR46-Teamkollege Marco Bezzecchi. „Wir sind sehr stolz auf unsere Fahrer. Das Moto2-Rennen war unglaublich. Es ist unvergesslich für uns. Es war schwierig für das Herz, das durchzustehen, als Luca und Marco gegeneinander kämpften“, freute sich Rossi.

„Das Team leistet Unglaubliches. Es ist auch wirklich toll, dass Franco und Pecco vorne lagen. Schade nur, dass ich es nicht geschafft habe. Aber es war trotzdem toll“, konstatierte Rossi. Und freute sich besonders über die Anwesenheit der Fans: Maximal 10.000 Zuschauer wurden pro Tag genehmigt.

„Es war ein tolles Gefühl, hier zum ersten Mal in dieser Saison wieder vor Fans zu fahren. Fast alle waren gelb gekleidet, das war großartig für mich. Ich denke, es ist ein Schritt. Und ich hoffe, dass wir an den Renn-Wochenenden wieder zum normalen Leben zurückkehren können. Denn es hat sich alles stark verändert. Ich danke für die Unterstützung, das ist immer etwas Besonderes“, freut sich Rossi.

Yamaha findet in Misano wieder zu alter Stärke

Im Vergleich zu den Österreich-Rennen präsentierte sich Yamaha in Misano in einer deutlich stärkeren Verfassung. Warum war das so? „Yamaha war an diesem Wochenende sehr stark. Der Kurs hat keine langen Geraden, die uns Probleme bereiten könnten. Zudem ist der Kurs ziemlich knifflig und wellig. Er ist sehr eng und es gibt viele schwierige Kurven“, analysiert die Nummer 46.

„Der Kurs hat viel Haftung, ist aber wellig. Bei diesen Bedingungen ist unser Motorrad gut, weil es sehr stabil ist. Wir mussten natürlich auch arbeiten und das Bike niedriger machen und die Dämpfung öffnen. Doch es sieht so aus, als ob die anderen Hersteller damit mehr Probleme hatten. Im Rennen waren aber Pecco, Mir und Rins auch sehr schnell“, bemerkt Rossi. Mit Yamaha, Ducati und Suzuki schafften es drei Hersteller aufs Podium.

Am kommenden Wochenende gibt es eine weitere Chance in Misano. „Ich denke, wir können uns weiter verbessern. Es gibt drei oder vier Dinge, die wir besser machen können für kommende Woche. Dann haben wir eine weitere Chance. Das stimmt mich happy, denn wir können es ein weiteres Mal versuchen“, schaut Rossi auf das zweite Heimrennen.

Während Rossi und Morbidelli ein starkes Rennen zeigten, hatten Fabio Quartararo und Maverick Vinales am Sonntag einige Probleme. Quartararo stürzte zwei Mal und verlor die WM-Führung an Ducati-Pilot Andrea Dovizioso. Vinales konnte seine Pole-Position nicht nutzen und wurde Sechster. Warum kann Vinales in den Rennen seine Qualifying-Ergebnisse nicht bestätigen?

Warum Vinales in den Rennen zu kämpfen hat

„Es hängt von der DNA des Fahrers ab“, erklärt Rossi. „Maverick ist im Qualifying großartig. Das gilt auch für Tests. Er kann immer sehr gute Rundenzeiten herauspressen. Es sieht so aus, als ob das seine Stärke ist. Ich dagegen habe im Vergleich zu Maverick im Qualifying immer zu kämpfen.“

„Er ist immer vor mir. Es ist nicht einfach, das zu verbessern. Man muss dafür etwas tief im Inneren fühlen. Doch in meiner gesamten Karriere hatte ich im Qualifying zu kämpfen und war in den Rennen stärker. Am Sonntagnachmittag erziele ich normalerweise meine beste Leistung. Das ist sehr gut für mich“, bemerkt Rossi.

„Doch in diesem Fall gab es technisch einen Unterschied. Denn Maverick fuhr mit dem harten Reifen. Ich wollte auch mit dem harten Reifen starten, denn er funktionierte sehr gut. Der Medium-Reifen war für heute eher ein Risiko. Doch zehn Minuten vor dem Rennen wechselte ich zum Medium-Reifen, nachdem ich mit meinem Team gesprochen hatte“, berichtet Rossi. „Das machte heute den Unterschied aus.“