Pit Beirer ist von den Aussagen von Miguel Oliveira überrascht: Laut dem KTM-Motorsportchef wurde dem Portugiesen der Platz im KTM-Werksteam angeboten.

Als KTM beim Grand Prix von Australien bekanntgab, dass 2020 Brad Binder im Werksteam fahren wird, war Miguel Oliveira darüber in einer ersten Stellungnahme alles andere als glücklich. „Dass die Wahl auf einen Rookie und einen Fahrer im gleichen Alter wie ich fiel, gibt mir das Gefühl, dass ich nicht würdig genug bin, um dort (im Werksteam, Anm. d. Red.) zu sein“, sagte der Portugiese damals in Phillip Island.

„Es war für mich eine der überraschendsten Informationen, als Miguel plötzlich weit weg von mir in Australien in die Mikrofone erzählt hat, dass er so enttäuscht ist. Und es von KTM ein klares Signal ist, dass wir ihn übergehen und nicht mit ihm rechnen“, sagt KTM-Motorsportchef Pit Beirer gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘ zu dieser Situation. „Ich war schockiert!“

Schon beim Grand Prix in Misano hatte es ein Gespräch zwischen Beirer, Teammanager Mike Leitner, Oliveira sowie dessen Vater gegeben. „Dieses Meeting hatte nur einen einzigen Grund. Es war klar, dass Johann (Zarco, Anm. d. Red.) uns verlassen wird und ein Platz im Werksteam frei wird. Und wir wollten Miguel genau damit nicht übergehen“, stellt Beirer klar.

Beirer: „Es gab das Angebot an Miguel“

Damals hat man Oliveira den Platz im Werksteam angeboten. „Es gab das Angebot an Miguel. Möchtest Du diesen Platz haben, oder möchtest Du bleiben wo Du bist? Und dann kam von ihm die Antwort, dass er mit dieser Frage schon gerechnet hat. Er hat gut mit seinem Vater darüber nachgedacht.“ Der Portugiese entschied sich dazu, lieber im Tech-3-Team bleiben zu wollen.

„Er fühlt sich in seinem Team wohl, hat einen super Crew-Chief und glaubt nicht, dass es in der anderen Garage für ihn besser läuft – wenn wir ihm das gleiche Material garantieren“, so Beirer weiter. „Von uns gab es die Material-Garantie mit dem Zusatz, dass neue Teile in Zukunft nach dem Ranking in der WM vergeben werden. Hier gibt es eine ganz klare Strategie.“

Somit war die Sache für die KTM-Verantworlichen klar. Es war Oliveiras Wunsch, im Tech-3-Team zu bleiben. „Er war happy, wir waren happy. Er ging nachher zu Herve (Poncharal, Anm. d. Red.) und hat ihm bestätigt, dass er bleibt. Das war eine runde Story und alles war klar. Für uns war klar, dass wir ab diesem Zeitpunkt den zweiten Platz im Werksteam belegen mussten.“

Auch Oliveira mit Werks-Material

Schließlich entschied man sich dazu, Binder ins Werksteam zu holen. Nach der ursprünglichen Planung hätte der Südafrikaner im Tech-3-Team fahren sollen. Diesen Platz wird nun Iker Lecuona übernehmen. Beim Grand Prix von Japan teilte man den Fahrern die Entscheidung mit. Wenige Tage später gab es in Australien dann die öffentliche Bestätigung.

„Er hatte das Angebot, und er hat sich meiner Meinung nach gut entschieden. Denn er wird bei Tech 3 keine Nachteile haben“, begrüßt Beirer Oliveiras Entscheidung. „Aber diese öffentliche Watsch’n, die war in diesem Moment etwas unfair. Wir haben uns inzwischen ausgeredet und er kann sich wieder gut an das Gespräch in Misano erinnern.“

„Aber es war echt ein unschöner Moment für mich, zu Hause zu sitzen und diese Worte zu hören. Weil das Meeting in Misano genau den Grund hatte, um zu verhindern, dass wir erleben, was wir dann erlebt haben. Jetzt ist es erledigt, Haken dahinter.“ Für 2020 plant KTM, ab dem ersten Rennen alle vier Fahrer mit identischem Material auszustatten.

Schulter-OP: Entscheidung für den Fahrer

Das Thema mit Oliveira ist also scheinbar aus der Welt geschafft. Mittlerweile erholt sich der 24-Jährige von einer Schulter-Operation. Seit dem Crash in Silverstone mit Johann Zarco hatte Oliveira Schmerzen in der Schulter. Dazu kamen weitere Verletzungen, wie beim schweren Crash auf Phillip Island. Durch die Operation wird der Portugiese zwar das Saison-Finale in Valencia verpassen. Der Fokus liegt jedoch ganz klar darauf, dass Oliveira für den Februar-Test in Sepang wieder fit wird.

„Das war eine Entscheidung für den Fahrer“, stellt Beirer fest. „Er hat sich von Rennen zu Rennen geschleppt. Wir haben im Prinzip die Reißleine gezogen und gesagt, Du fährst am Freitag noch einmal raus. Aber wenn das nach fünf Runden nicht anfängt, normal zu laufen, dann ist wirklich Schluss. Es kam bei ihm jede Woche noch eine kleine Verletzung hinzu.“

„Jetzt gab es die Bestätigung vom Arzt, dass die Schulter richtig im Eimer war. Alleine von der Belastung her war es völlig richtig, jetzt die Reißleine zu ziehen. Für uns war es eine harte Entscheidung. Wir sind momentan ohnehin unter Druck und es läuft nicht so gut. Wir brauchen Miguel fit beim Sepang-Test. Dann lieber jetzt raus, um nicht den Test zu gefährden.“

Für Valencia wurde Lecuona als Ersatzfahrer bestätigt. Der Spanier kommt somit zu einem vorgezogenen MotoGP-Debüt. Laut Reglement muss ein verletzter Pilot ersetzt werden. „Diese Regelung bereitet uns schon auch Schwierigkeiten“, meint der KTM-Motorsportchef. „Man müsste mal überdenken, ob man in dieser Liga innerhalb von zehn Tagen überhaupt einen Ersatzfahrer stellen kann, der nicht sich und das Fahrerfeld gefährdet. Wir werden das in Valencia in einer separaten Diskussion mit der Dorna anstoßen.“