Weil er sich unter Gelb verbesserte, verlor Pol Espargaro im MotoGP-Qualifying in Brünn Startplatz zwei. Die Schuld dafür sieht er bei den Stewards, nicht bei sich.

Seit die Gelbe-Flaggen-Regel in Jerez verschärft wurde, hat es immer wieder Situationen gegeben, in denen Piloten ihre Rundenzeiten verloren, weil sie sich trotz Gelb verbesserten. Im MotoGP-Qualifying in Brünn passierte das Pol Espargaro.

Advertisement

Der KTM-Pilot büßte damit sein bisher bestes Quali-Ergebnis für den österreichischen Hersteller ein. Denn seine Rundenzeit katapultierte ihn in der Schlussphase des Qualifyings direkt hinter Polesetter Johann Zarco (Avintia-Ducati) auf Platz zwei. Er wäre also aus der ersten Startreihe ins Rennen gegangen – wäre…

„Ich war zuversichtlich“, sagt der Spanier. „Alles lief gut, bis die gelbe Flagge kam. Aber sie war nicht da, wo sie in Kurve 8 sein sollte, damit ich die gelbe Flagge sehen konnte. Sie befand sich in der Mitte von zwei Kurven, unmöglich zu sehen. Am Ende habe ich das Gefühl, dass es nicht unser Fehler war, es war ihr Fehler.“

Pol Espargaro: Muss für Fehler der anderen bezahlen

Dieser warf den KTM-Piloten auf Platz sechs zurück – keine schlechte Ausgangsposition für das Rennen, aber natürlich trotzdem ein Ärgernis für Pol Espargaro. „Ich bin ein bisschen sauer, denn es war eines der besten Qualifyings, das ich je mit der KTM gemacht habe. Wir waren Zweite und sind jetzt Sechste, also hat sich einiges geändert.“

Zwar räumt er ein: „Die zweite Reihe ist immer gut. Aber wenn man buchstäblich sein Leben riskiert, um diese Art von Runden zu fahren, und sie einem dann auf diese Weise weggenommen wird, dann ist das einfach unfair. Und ich mag keine unfairen Dinge.“

Dabei geht es dem Spanier keineswegs um die gelbe Flagge an sich oder die neue Regel, für die er sich in der Sicherheitskommission selbst eingesetzt habe. Die Ausführung ist das, was ihn stört. „An der Stelle, wo sie die gelbe Flagge zeigen, ist es schon spät“, kritisiert er. „Ich habe sie nicht gesehen und deshalb meine Position gefeiert.“

Von wegen sicher: Gelbe Flagge nicht sichtbar?

Tatsächlich brach Pol Espargaro in der Annahme, er wäre Zweiter, seinen letzten Versuch ab. Hätte er die Flagge rechtzeitig bemerkt, wäre ihm das nicht passiert und er hätte noch einmal nachlegen können, meint er. Und deshalb schimpft er weiter: „Ich bezahle für die schlechte Arbeit der Marshalls, der Organisation, und das ist nicht fair.“

Zumal damit nicht nur ihm, sondern auch dem Gestürzten nicht geholfen sei. Dabei handelte es sich um LCR-Honda-Fahrer Cal Crutchlow. „Ich war in dieser Kurve superschnell und Cal lag am Boden. Ich könnte an dieser Stelle stürzen, denn ich habe viel riskiert, um diese Runde zu bekommen“, weist Pol Espargaro auf die Gefahr hin.

Deshalb müsse die Regel besser angewendet, sprich die gelbe Flagge gut sichtbar und rechtzeitig gezeigt werden, prangert der Spanier an. Wären Lichtsignale eine Lösung? „Ja, darüber haben wir schon gesprochen, weil man sie am besten sehen kann.“

Pol Espargaro und KTM wollen protestieren

Aber: „Wenn man bei einem Richtungswechsel in der Mitte von zwei Kurven einen gelben Bildschirm zeigt, ist das Problem genau dasselbe. Wenn sie die Flagge aber etwas früher in Kurve 8 zeigen und dann in Kurve 9, würde ich sie wirklich sehen und meine Geschwindigkeit drosseln“, erklärt Espargaro die Situation.

Für den Vorfall im Qualifying in Brünn ist das jetzt zwar zu spät, trotzdem will der KTM-Pilot mit seinem Team dagegen protestieren. Viel Hoffnung darauf, dass es am Ergebnis etwas ändern wird, hat er allerdings nicht: „Sie werden sagen: ‚Da ist eine gelbe Flagge in der Kurve.‘ Aber das ist nur schlechtes Gerede, das ist Blödsinn.“

Espargaros Teamkollege Brad Binder fühlt mit dem Spanier. „Es ist wirklich bedauerlich“, sagt er und bestätigt, dass die Sicht aufgrund der Blickrichtung das Fahrers in der betreffenden Kurve schwierig sei. „Diese neue Regel ist ein bisschen schwierig, und wir wissen, dass sie uns alle irgendwann treffen kann.“

Binder mit gebrauchten Reifen auf Startplatz 7

Wenn das im Qualifying passiert, sei es natürlich doppelt bitter. Trotzdem glaubt Binder, dass Espargaro auch von Startplatz sechs aus ein gutes Rennen haben kann: „Ob er als Zweiter oder Sechster startet, ich bin sicher, dass Pol einen tollen Job machen wird.“

Binder selbst geht nur eine Position hinter Espargaro als Siebenter ins Rennen. Damit überraschte der Südafrikaner sich selbst: „Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, Siebenter zu werden, denn ich habe in Q1 alle meine Reifen benutzt. Ich habe also einen zehn runden alten Vorderreifen und einen neuen Mittel-Hinterreifen verwendet.“

„Ich war wirklich schockiert über die Rundenzeit, die ich erreichen konnte“, gesteht der MotoGP-Rookie. „Es ist fantastisch, zum zweiten Mal in Folge in Q2 dabei zu sein. Im Allgemeinen fühle ich mich gut, auch dank des Teams. Sie haben einen großartigen Job gemacht. Ich freue mich darauf, das Rennen morgen in Angriff zu nehmen.“

Enge Abstände im MotoGP-Feld: „Das ist verrückt“

Nach den Fehlern in beiden Jerez-Rennen hofft Binder, diesmal sauber durchzukommen: „Ich würde das Rennen gerne beenden, ohne einen Abstecher von der Strecke zu machen, das wäre großartig“, spielt er selbstkritisch auf seine Ausritte in Jerez an.

„Vielleicht nehme ich mich etwas zurück, weil ich glaube, dass ich in den letzten Rennen ein bisschen zu früh zu viel wollte. (…) Am Freitag war es ziemlich schwierig, auf eine Strecke zu kommen, auf der ich noch keine Runden auf dem GP-Motorrad gefahren bin. Aber je mehr ich fahre, desto besser fühle ich mich“, betont der Rookie.

Angesprochen auf die engen Zeitabstände in den Trainings – nach FP3 lagen alle 21 Fahrer innerhalb von 1,5 Sekunden – sagt Binder: „Das ist absolut verrückt, gerade weil es eine Klasse ist, wo es verschiedene Hersteller, verschiedene Motoren und Chassis gibt. Das ist wirklich fantastisch zu sehen. Es wird ein interessantes Rennen werden.“

Das Qualifying der MotoGP: Grand Prix of České republiky