Fabio Quartararo beschreibt Marc Marquez‘ Verfolgungstaktik in Q2 in Sepang und stellt klar, dass er damit kein Problem hat: „Werde ich auch machen.“

Fabio Quartararo hat am Samstag im MotoGP-Qualifying zum Grand Prix von Malaysia in Sepang nicht nur seinen tags zuvor aufgestellten Streckenrekord nochmals verbessert. Auf dem Weg zur fünften Pole-Position seiner Rookie-Saison in der Königsklasse hat er auch das Kunststück geschafft, Weltmeister Marc Marquez buchstäblich die Grenzen aufzuzeigen.

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Nach dem ersten Q2-Versuch aller zwölf Teilnehmer lag Yamaha-Werkspilot Maverick Vinales an der Spitze der Zeitenliste. Als es zum entscheidenden zweiten Versuch ging, klemmte sich Marquez ans Hinterrad von Quartararo, der die beiden Freitagstrainings für sich entschieden hatte.

Quartararo roch den Braten der Verfolgungstaktik und fuhr die Aufwärmrunde extrem langsam. Somit nahm auch Marquez Tempo heraus, weil er nicht am Petronas-Yamaha-Piloten vorbei wollte. Sondern er wollte auf der schnellen Runde von dessen Windschatten profitieren.

Marquez bezahlt seine Taktik mit schweren Prellungen

Das Katz-und-Maus-Spiel ging für Marquez schmerzhaft nach hinten los. Beim Umlegen aus Kurve 1 für Kurve 2 stieg er direkt hinter Quartararo fahrend per Highsider von seiner Honda ab. Der erste Verdacht war, dass die linke Flanke des Hinterreifens auf der langsamen Aufwärmrunde zu stark abgekühlt war. Marquez streitet dies ab. „Der Reifen war bereit“, sagt er.

Fakt ist: Marquez prallte mit Füßen, Knien, Ellbogen und Kopf hart auf dem Asphalt auf und wurde anschließend im Medical-Center der Strecke durchgecheckt.

Quartararo fuhr auf seiner nächsten Runde mit 1:58,303 Minuten neuen Streckenrekord. Und entriss damit Vinales beim Heimspiel von Petronas noch die Pole-Position. Marquez blieb hingegen auf der Zeit aus seinem ersten Q2-Versuch sitzen. Diese reicht ihm nur zum elften Startplatz am Sonntag. Somit muss der Weltmeister – so er denn fahren darf – aus der vierten Reihe ins Rennen gehen.

Zeelenberg erkennt „Karma“ für Marquez

Auf Marquez‘ Verfolgungstaktik angesprochen, merkt Quartararo an: „Er fuhr ja schon beim ersten Versuch hinter mir.“ Dass der Honda-Pilot ein Spielchen spielen wollte, ist auch dem Kommandostand von Petronas-Yamaha aufgefallen. „Marc versuchte ein Psychospiel mit Fabio“, sagt Teammanager Wilco Zeelenberg gegenüber ‚MotoGP.com‘.

„Er wollte in seinen Kopf eindringen und hat sich dabei selber den Kopf mächtig angeschlagen. Das nennt man wohl Karma“, so Zeelenberg. Und er sagt weiter: „Ich hoffe natürlich, dass Marc unverletzt ist. Es war aber offensichtlich, dass er in Fabios Kopf wollte, weil er weiß, dass Fabio schnell ist.“

Der medizinische Check im Medical-Center hat ergeben, dass Marquez ohne Knochenbrüche davongekommen ist. Er hat sich aber vor allem an den Knien starke Prellungen zugezogen. Aktuell ist er von den Ärzten für das Rennen für fit erklärt worden. Allerdings muss er sich am Sonntagmorgen noch einem weiteren Check unterziehen, bevor es endgültig grünes Licht gibt.

Quartararo hat kein Problem mit Verfolgungstaktik: „Gut für beide“

Wie Marquez in seiner Medienrunde nach dem Highsider und nach dem Check im Medical-Center anmerkt, wollte er eigentlich einem anderen Piloten folgen. Weil: Quartararo ist mit der Yamaha als „Zugpferd“ für die Honda nicht gut geeignet.

Als Quartararo in der Pressekonferenz nach dem Qualifying auf diese Aussage von Marquez angesprochen wird, wiederholt er, dass „er ja schon beim ersten Versuch hinter mir fuhr.“ Und er fügt hinzu: „Dass er das tut, zeigt meiner Meinung nach, dass wir einen guten Job machen.“

Mit dem Verfolgen an sich, um im Windschatten eine schnellere Runde als in Alleinfahrt zu drehen, hat Quartararo jedenfalls kein Problem: „Ich glaube, das gehört einfach dazu. Wenn sich für mich eines Tages diese Möglichkeit ergibt, dann werde ich das auch machen. Ich finde das gut für beide Beteiligten.“

Ob sich Quartararo und Marquez auch im Rennen wieder begegnen und möglicherweise einen Zweikampf um den Sieg à la Misano und Buriram ausfechten werden, bleibt abzuwarten. Sollte Marquez beim letzten medizinischen Check am Sonntagvormittag nicht noch die Starterlaubnis verweigert werden, dann geht er zehn Positionen hinter Polesetter Quartararo auf die 20-Runden-Distanz in Sepang. Der Start erfolgt in MEZ umgerechnet um 8:00 Uhr.