Nach der Kündigung von Karel Abraham erklärt Avintia-Sportdirektor Ruben Xaus die Hintergründe – und hofft auf eine erfolgreiche Zukunft des Teams.

Wie Avintia-Ducati den Rauswurf von Karel Abraham kurz vor dem Jerez-Test regelte, hinterließ durch die Schilderungen des Ex-Piloten nicht den besten Eindruck. Demnach wurde der Tscheche lediglich durch eine in Spanisch verfasste E-Mail am Freitagabend von der vorzeitigen Auflösung seines Vertrags informiert.

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Vor allem von der Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, sei er schwer enttäuscht, sagte Abraham danach. ‚MotoGP.com‘ fragte bei Avintia-Sportdirektor Ruben Xaus nach, um seine Sicht der Dinge ebenfalls zu erfahren.

„Am Ende gibt es nicht viel zu sagen“, findet Xaus. „Wir waren höflich gegenüber dem Fahrer. Verträge sind Verträge. Wir respektierten alles, aber von der anderen Seite her war nicht alles klar.“ Damit spricht er Nachverhandlungen an, die Abraham seit geraumer Zeit mit dem Team führte. Was letzterer auch selbst bestätigte.

Xaus: Situation kam für Abraham nicht überraschend

Dabei ging es zum einen darum, wie viel Geld Abraham investiert. Und zum anderen darum, wie Avintia ihn ausstattet. Schon während der laufenden Saison hatte es diesbezüglich Ungereimtheiten gegeben. Das Team nahm dies offenbar zum Anlass, den Vertrag für 2020 zu kündigen – zum Unverständnis von Abraham.

Xaus zieht sich aus der Affäre: „Am Ende bin ich nicht der Besitzer des Teams, das ist Raul Romero. Ich konnte nichts anderes tun. Wir haben Karel bis zum letzten Tag der Meisterschaft alles gegeben, was wir ihm geben konnten. Und es war klar, dass das Team eine sichere Situation brauchte, um weitermachen zu können.“

Diese sah man mit Abraham nicht als gegeben. „Also folgte ich der Entscheidung des Team-Inhabers. Ich verstehe, dass Karel verärgert ist. Aber es gab viele Treffen, bis diese Situation eintrat.“ Völlig unerwartet sei sie aus seiner Sicht jedenfalls nicht gekommen.

Fahrer-Frage bei Avintia für 2020 noch ungeklärt

„Meine Aufgabe war es immer, das Maximum zu erreichen, um das Beste aus Ducati und der Crew herauszuholen“, erklärt Xaus weiter. „Es war stets unruhig, das ganze Jahr über. Am Ende konnten wir mit Ducati aber einen neuen Zweijahres-Vertrag zu besseren Konditionen abschließen. Das macht uns sehr glücklich.“

Die Zukunft plane man nun ohne Abraham: „Wir müssen sehen, was das Beste für das Team ist. Noch ist nicht klar, was im nächsten Jahr passieren wird. Was wir wissen, ist, dass wir auf der einen Seite einen glücklichen Tito mit tollem Material haben.“

„Auf der anderen Seite haben wir auch tolles Material, garantiert von Ducati. Und wir sind bereit, jeden willkommen zu heißen, der uns als Team gibt, was wir brauchen. Noch ist nicht klar, wer das sein wird. Aber wir hoffen, dass es bald feststehen wird.“ Zuletzt deutete alles auf eine Verpflichtung von Johann Zarco hin.

Zarco bei Avintia mit Ducati-Werksvertrag?

Ducati machte keinen Hehl aus seinem Interesse an dem Franzosen. Xaus betont indes: „Wir alle wollen so schnell wie möglich mit der Arbeit für nächste Saison beginnen. Aber es hängt nicht mehr von uns ab, wir sind jetzt auf Dritte angewiesen.“

Gut möglich also, dass Zarco einen Werks-Vertrag direkt mit Ducati erhält. Das deutet auch der Avintia-Sportdirektor an. „Auf dem Tisch liegen ein paar Optionen, und das ist natürlich eine davon. Wenn das passiert, ist für uns klar, dass es dem Team einen anderen Wert gibt“, blickt er voraus.

„Die Motivation ist dann ganz anders. Auch bei den Sponsoren, den Mechanikern, beim gesamten Team und den Fahrern selbst“, glaubt Xaus. „Aber wir müssen abwarten. Die Situation liegt aktuell nicht in meiner Hand.“

Fest steht allerdings, dass man technisch schon einen Schritt nach vorne gemacht hat. Denn in der kommenden Saison erhalten beide Fahrer das 2019er-Motorrad. „Wir haben eine gute Basis. Und das war eine sehr wichtige Situation, um jede Art von Fahrer auf höchstem Niveau willkommen zu heißen. Das war das Haupt-Ziel.“