Durch die Bank gab es von Piloten aller Klassen Beschwerden. Der Grund: Die aktuellen Reifen sind eigentlich für Juni-Bedingungen in Barcelona gedacht.

Alle MotoGP-Fahrer klagten nach den beiden Trainingstagen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya über wenig Grip und Probleme mit den Reifen. Einerseits bietet der Asphalt deutlich weniger Grip als zuletzt in Misano. Andererseits sind die Temperaturen deutlich kühler als gewohnt. Die Reifen sind schwierig auf Temperatur zu bringen, sie lassen auch stark nach. Man kann fast nur die weiche Mischung verwenden.

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Normalerweise wird Barcelona im Juni besucht und nicht Ende September. Demnach ist das Wetter im Herbst deutlich anders. Die Kritik richtet sich an Reifenausrüster Michelin. „Es ist ein Desaster“, spricht Stefan Bradl Klartext. „Wir haben uns gestern in der Sicherheitskommission darüber beschwert.“

„Das Reifenkontingent an diesem Wochenende ist komplett falsch. Wir müssen wegen der kühlen Temperaturen die weichen Reifen verwenden, aber sie haben vorne und hinten die härtere Version mitgebracht. Das ist seltsam.“

Zu wenig weiche Reifen im Kontingent

Den Fahrern stehen fünf weiche Vorder- und sechs weiche Hinterreifen zur Verfügung. Dazu gibt es fünf mittlere Vorder- und Hinterreifen. Bei der härtesten Variante gibt es fünf Vorder- und vier Hinterreifen.

Die harten Reifen wurden praktisch gar nicht verwendet. Der Großteil der Fahrer bevorzugt die weichen Reifen. „Es ist auch eine Sicherheitsthematik. Mit nur fünf Vorderreifen können wir nicht das gesamte Rennwochenende bestreiten“, betont Bradl.

„Es ist zwar für alle gleich, aber etwas dumm, dieses Reifenkontingent hierher zu bringen. Zu einem Zeitpunkt muss man mit dem mittleren oder dem harten Reifen fahren. Dann ist es knifflig. Man hätte einige Stürze vermeiden können.“

Michelin hatte gleiche Bedingungen wie Anfang Juni erwartet

Selbst der weiche Reifen ist in den Vormittagstrainings speziell auf der linken Seite schwierig auf Temperatur zu bringen. Deswegen gab es viele Stürze in den Kurven 2 und 5. Am Vormittag konnte aus Sicherheitsgründen praktisch nur der weiche Vorderreifen verwendet werden.

Im ursprünglichen Kalender wäre Barcelona am 7. Juni besucht worden. „Wir erwarten die gleichen Bedingungen wie beim ursprünglichen Datum“, hatte Michelin-Manager Piero Taramasso im Vorfeld gesagt. „Deswegen liefern wir die gleichen Reifen, die wir beim originalen Kalender gebracht hätten.“

Michelin hatte wohl nicht mit der Kaltfront gerechnet, die an diesem Wochenende über Teile Europas hereingebrochen ist. In vielen Gegenden sank die Temperatur unter 20 Grad Celsius. Teilweise herrschten starke Regenfälle. In den Alpen fiel sogar schon Schnee.

„Die Michelin-Leute“, sagt Valentino Rossi, „sagen, dass es genauso wie im Juni hätte sein sollen. Aber es ist viel kälter. Ich denke, Michelin hatte nicht mehr die Zeit, das Reifenkontingent zu verändern. Auch wenn wir alle Probleme haben, müssen wir mit diesen Reifen leben.“

Rossi: Kühlere Bedingungen trotzdem angenehmer

Trotzdem sagt Rossi auch: „Barcelona hat schon immer wenig Grip gehabt. Speziell mit den Michelin-Reifen rutscht man stark und hat viel Spin. Das ist normal. Nach Misano war das ein Schock, denn dort hatte der neue Asphalt viel Grip. Man muss deshalb das Motorrad anders fahren.“

„Im Vergleich zum Vorjahr ist es für mich aber besser, denn damals hatten wir am Nachmittag 50 Grad Asphalttemperatur. Das war für uns Fahrer, die Motorräder und die Reifen schwierig. Die jetzige Temperatur ist besser für Motorradrennen.“

In der MotoGP-Klasse gab es am Freitag und Samstag insgesamt zwölf Stürze. Alle Klasse zusammengerechnet wurden schon 43 Stürze gezählt. Für das Rennen am Sonntag ist in der Königsklasse der Reifenverschleiß ein großer Faktor.

Sowohl der weiche als auch der mittlere Hinterreifen lassen stark an Performance nach. Das Reifenmanagement über die Distanz von 24 Runden wird eine große Rolle spielen. „Der Hinterreifen wird massiv nachlassen“, glaubt Bradl. „Es sieht danach aus, dass der weiche Hinterreifen für die meisten Jungs der bessere ist.“