Keine Teilnahme am Portimao-Test trotz Regen in Jerez, dazu kein neues Bike für die WSBK-Saison 2020: Kawasaki trifft im Winter einige riskante Entscheidungen.

Rekord-Weltmeister Jonathan Rea geht auch dieses Jahr wieder als großer Favorit in die neue WSBK-Saison. Der Fünffach-Champion arbeitete im Winter am Feinschliff seines Bikes, denn Kawasaki liefert für 2020 keine neue Version der ZX-10RR. Das Team erhielt im Winter kaum neue Teile, beschäftigte sich daher vorrangig mit verschiedenen Abstimmungen.

Zudem verzichtete die Kawasaki-Werksmannschaft auf den Vorsaison-Test in Portimao und fuhr stattdessen ohne Konkurrenz einen Tag in Barcelona. Und das, obwohl der Test in Jerez beinahe komplett ins Wasser fiel. Riskiert Kawasaki damit die erfolgreiche Titelverteidigung?

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Neukirchner: „Glaube nicht, dass Kawasaki sich zu sicher ist“

„Ich denke nicht“, bemerkt WSBK-Laufsieger Max Neukirchner im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. „Sie werden von Anfang an gut gerüstet sein. Für Kawasaki war es sicher schlauer, einen Tag in Barcelona zu fahren und dafür Portimao auszulassen. Ich glaube nicht, dass sie sich ihrer Sache zu sicher sind, und deshalb auf Portimao verzichtet haben.“

Trotz der ungewöhnlichen Vorbereitung ist Jonathan Rea für Max Neukirchner der große Favorit. „Es wird auch in diesem Jahr verdammt schwierig, ihn zu schlagen“, prophezeit der erfolgreichste Deutsche in der Geschichte der Superbike-WM. „Wenn er überhaupt Konkurrenz bekommt, dann von Ducati.“

Stefan Nebel: Ruhe ist der Schlüssel zum Erfolg

Und auch ServusTV-Experte Stefan Nebel geht davon aus, dass Kawasaki gelassen in die neue Saison startet. „Ich glaube, dass Kawasaki auf Grund der Erfahrung des Teams und dem Wissen, wozu Jonathan Rea fähig ist, ein Selbstvertrauen hat, das dafür genutzt wird, um Ruhe zu bewahren. Alles andere funktioniert sowieso nicht.“

„Im vergangenen Jahr war das der Schlüssel zum Erfolg. Obwohl es jemanden gab, der ständig Ohrfeigen verteilt hat“, spielt Nebel auf die Sieges-Serie von Ex-Ducati-Pilot Alvaro Bautista an. „Kawasaki weiß, dass sie es nicht viel besser machen können. Vielleicht kann man aber noch kleine Fehler abstellen. Darauf konzentrieren sie sich im Moment.“

Den Verzicht auf den Portimao-Test sieht Nebel nicht als Fehler an. „Ich denke, dass die Taktik richtig war. Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Erfahrungswerte sie schon in Portimao haben. So konnten sie sich für die Saison noch ein bisschen sammeln. Wir wissen, wie lang das Jahr wird und wie es an den Kräften zehrt. Ich vertraue dem, was sie tun. Denn sie haben genug Erfahrung und wissen, wie man Rennen gewinnt.“

Bringt Alex Lowes Unruhe ins Weltmeister-Team?

Mit Alex Lowes erhält Jonathan Rea einen neuen Teamkollegen. Wird Lowes im Vergleich zu Vorgänger Leon Haslam mehr Unruhe stiften? „Ich glaube nicht, dass man über eine Hierarchie im Team reden muss, weil Rea das von alleine regelt. Kawasaki braucht sich keine Gedanken zu machen“, beruhigt Nebel die Rea-Fans.

„Wenn Lowes in der Nähe von Rea ist oder ihn herausfordert, dann wird Rea entscheiden, was er dazu zu sagen hat. Er wird sich dann entweder für Attacke entscheiden oder ihn für die Meisterschaft nutzen. Kawasaki ist klar strukturiert und hat eine klare Vorstellung, wie es am Renn-Wochenende abläuft. Sie werden gar keine Unruhe aufkommen lassen“, prognostiziert Nebel.

„Sie werden Lowes nicht sagen müssen, dass er die Nummer zwei ist. Das regeln die beiden untereinander. Ich denke eher, dass Kawasaki heiß darauf ist, dass mal der eine Fahrer gewinnt und der andere Zweiter wird und umgekehrt. Alles andere interessiert sie nicht“, glaubt der ServusTV-Experte.