Aprilia erhöht die Drehzahl, prompt fliegt Andrea Iannone der Motor um die Ohren: Der „Maniac“ ist im ersten Moment stocksauer auf seine Ingenieure.

Aprilia-Pilot Andrea Iannone erlebte beim Valencia-Test auf dem Circuit Ricardo Tormo im wahrsten Sinne des Wortes einen heißen zweiten Tag. Am späten Vormittag explodierte sein Motor auf der Zielgeraden und fing daraufhin Feuer. Iannone konnte die RS-GP vor Kurve 1 abbremsen und abspringen. Ein Streckenposten war auch rasch mit einem Feuerlöscher zur Stelle. Die Situation war schnell unter Kontrolle gebracht und ging glimpflich aus. Das Gemüt von Iannone dagegen war allem Anschein nach erhitzt.

Als er zurück in die Aprilia-Box kam, fuhr er seine Mechaniker an: „Genug, ihr seid alle verrückt! Genug für heute! Ich kann mit 300 km/h gegen die Wand fahren und gekillt werden. Ich habe zehn Mal gesagt, dass das Motorrad nicht funktioniert. Es hat nicht funktioniert!“ Die Situation bei Aprilia ist ohnehin schon angespannt, weil das neue Motorrad erst für den Test im Februar fertig wird.

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Iannone: „Spürte die Hitze auf meinen Füßen“

Ein paar Stunden später hatte sich Iannone wieder beruhigt, als er vor die wartenden Journalisten trat. „Ich hatte Angst, weil es auf der Geraden passiert ist und das Motorrad Feuer gefangen hat. Ich habe die Hitze auf meinen Füßen gespürt. Das heiße Öl hat auch den Bremshebel erreicht. Es ist normal, dass man in diesem Moment wütend ist.“

Aprilia hat versucht mit höherer Drehzahl zu fahren, um mehr Motorleistung zu finden. „Wir fahren normalerweise nicht mit so hohen Drehzahlen“, hält Iannone fest. „Und wir haben eine extreme Situation probiert. Weil wir verstanden haben, dass unsere Konkurrenz mit kürzerer Getriebe-Übersetzung fährt und die Motoren länger mit höherer Drehzahl laufen. Wir haben es probiert, wussten aber, dass es riskant ist.“

„Hätten die Situation nicht riskieren sollen“

„Romano (Albesiano, Anm. d. Red.) ist diesbezüglich eine mutige Person. Aber vielleicht hätten wir diese Situation nicht riskieren sollen. Trotzdem haben wir dadurch etwas gefunden. Einerseits war es falsch, andererseits gut. Aber es war eine gefährliche Situation, die einen natürlich erschreckt“, so Iannone. In Noale arbeitet Aprilia am neuen Motor, der bald auf den Prüfständen laufen soll und einen anderen Zylinderöffnungs-Winkel hat.

Da Aprilia noch auf das neue Motorrad wartet, dienen die November-Testfahrten in erster Linie dafür, verschiedene Daten zu sammeln. Das Motorrad von Testpilot Bradley Smith war beispielsweise mit zusätzlichen Mess-Instrumenten ausgerüstet. Außerdem wurde an der Elektronik gearbeitet, die in diesem Jahr so manches Problem bereitet und zu mechanischen Defekten geführt hat.