Keine Rennen, keine Einnahmen: Auch Kalex ist vom derzeitigen Stillstand betroffen – der Kleinbetrieb schließt nächste Woche und stellt auf Home-Office um.

Immer mehr Länder in Europa fahren das täglich Leben herunter, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzuschränken. Auch die Bundesrepublik Deutschland macht dicht. Wichtige Infrastruktur wie Supermärkte, Apotheken, Banken und Tankstellen bleiben geöffnet. Andere Betriebe, die nicht zur kritischen Infrastruktur zählen, stellen auf Kurzarbeit um oder schließen komplett, wie es bereits in Österreich der Fall ist.

Auf dieses Szenario stellt sich auch Kalex ein. „Wir sind zu neunt, davon zwei Halbtagskräfte. Voraussichtlich werden wir nächste Woche erst mal zumachen“, sagt Kalex-Mitbesitzer Alex Baumgärtel gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘. „Urlaub abbauen, um der allgemeinen Situation zu folgen. Dann müssen wir schauen, wie sich das weiter entwickelt. Es ist natürlich für die ganze Welt nicht einfach.“

Zumindest konnte die Moto2-Klasse Anfang März schon einen Grand Prix fahren. „Die Situation ist so, dass wir für ein Rennen ausgeliefert haben. Jetzt wird Voraus-Entwicklung passieren, aber uns fehlen durch die abgesagten Rennen die Informationen. Es ist also keine einfache Situation. Die Teams schlafen, es herrscht kein Bedarf an Ersatzteilen. Für uns steht es still wie in der Bundesliga – unter Anführungsstrichen gesagt.“

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Kalex: Keine Rennen, kein Bedarf an Ersatzteilen

Die Motorräder sowie das gesamte Material der Teams befindet sich nach wie vor in Transportkisten in den Boxen des Losail-Circuits in Katar. Von dort wird alles zum nächsten Grand Prix per Luftfracht verschickt werden. Wohin das sein wird, ist derzeit ungewiss. Und weil Kalex in erster Linie mit der Moto2-Klasse Geld verdient, ist die derzeitige Pause aus wirtschaftlicher Sicht natürlich problematisch.

„Wir haben alle Ersatzteile hier, die Lager sind im Moment voll“, sagt Baumgärtel. „Das ist eigentlich eine schlechte Situation für uns. Keine Rennen, kein Bedarf.“ Kalex ist in Bobingen zu Hause. Das ist eine kleinen Stadt im schwäbischen Landkreis Augsburg. Mit nicht einmal zehn Mitarbeitern ist es ein Kleinbetrieb.

„Natürlich gibt es Pakete mit Kurzarbeit und so weiter. Wir sind, wie glaube ich jeder andere Betrieb auch, gerade dabei die Situation zu eruieren. Ich sehe uns als direkt betroffen, weil der Rennzirkus, die Grundlage unserer Firma, einfach nicht mehr gefüttert wird“, hält Baumgärtel fest. „Es muss sich jeder schlau machen und schauen, in welches Paket man hineinschlüpfen kann oder nicht.“

Sollte der Stillstand in Europa noch einige Monate dauern, könnte Kalex dann bei MotoGP-Promoter Dorna um finanzielle Unterstützung anfragen? Denn ohne Kalex gäbe es praktisch keine Moto2-Klasse. „Gute Frage, das habe ich mir auch schon überlegt“, grübelt Baumgärtel. „Es ist für alle eine neue Situation, ob man sich über die Dorna zusammenschließen kann. Aber ich glaube, sie haben momentan genug eigene Probleme, als sich um die ganze Welt zu kümmern.“

Mitarbeiter vom Büro ins Home-Office

Denn auch die diversen Privat-Teams in den kleinen Klassen sind von der derzeitigen Situation finanziell betroffen. Für den Moment versucht Kalex das Beste aus der Situation zu machen und die Arbeit ins Home-Office zu verlegen. „Wir hoffen, dass wir etwas machen können. Wir versuchen, Heim-Arbeitsplätze einzurichten. Man muss sich an die Situation anpassen.“

„Wir müssen schauen, wie das machbar ist. Von der IT-Seite gibt es noch etwas zu lösen. Es steckt etwas Arbeit dahinter, aber ich denke, dass wir auch solche Arbeitsplätze schaffen können. Es ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Wir prüfen momentan, in welchen Bereichen das möglich und auch notwendig ist“, sagt Baumgärtel über die aktuellen Schritte bei der kleinen deutschen Firma.

Acht Mal hat Kalex die Konstrukteurs-Wertung in der Moto2-Klasse gewonnen. Erstmals 2011 mit Stefan Bradl. Seit 2013 saß der Weltmeister der mittleren Klasse immer auf einer Kalex.