Für die beiden Ducati-Fahrer Andrea Dovizioso und Johann Zarco endete das MotoGP-Rennen in Barcelona in Kurve 2. So erklären die beiden ihre folgenschwere Kollision.

Für Andrea Dovizioso ist Barcelona einfach kein gutes Pflaster: Bereits im Vorjahr schied der Ducati-Pilot bei einem Massencrash, der durch Jorge Lorenzo ausgelöst wurde, unverschuldet mit einem Sturz aus. Auch diesmal war das Rennen für ihn bereits in der ersten Runde vorbei, weil ihn Markenkollege Johann Zarco in Kurve 2 abräumte.

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Der Avintia-Fahrer rutschte übers Vorderrad weg und riss den unmittelbar hinter ihm fahrenden Dovizioso mit. Auslöser der Situation war dessen Ducati-Teamkollege Danilo Petrucci, der vor den beiden wiederum selbst fast gestürzt wäre.

Pol (Espargaro, Anm. d. R.) bremste vor mir und ich berührte ihn, mein Vorderrad sein Hinterrad. Daraufhin bremste Johann hinter mir und stürzte. Ich denke nicht, dass mich eine Schuld trifft“, erklärt Petrucci die Umstände des Zwischenfalls.

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Petrucci über Sturz: „Tut mir leid für Johann und Andrea“

„Der Unfall hinter mir tut mir sehr leid, aber ich wäre beinahe selbst gestürzt. Deshalb war ich wirklich, wirklich vorsichtig, nicht die Vorderbremse zu berühren, auch wenn Pol vor mir bremste und ich gerade noch einen Unfall vermeiden konnte. Es tut mir wirklich leid für Johann und Andrea, aber ich glaube nicht, dass ich irgendeinen Fehler gemacht habe.“

Zarco resümiert: „Ich bin ziemlich traurig über diesen Tag. Das Wochenende lief recht gut und ich konnte gute Dinge für das Rennen erwarten. Es in der zweiten Kurve zu beenden, tut wirklich weh. Ich glaube, der Start war von meiner Seite aus korrekt. Danilo hat in Kurve 1 wirklich toll gebremst und er hat mich überholt.“

„Dann hat er die Richtung geändert und wäre fast gestürzt, weil die Temperatur auf der linken Flanke sehr kühl ist und wir sehr vorsichtig sein müssen“, sagt der Franzose weiter. Dann erwischte es ihn aber selbst: „Ich habe einfach reflexartig versucht, ihn nicht zu berühren. Ich habe gebremst und bin gestürzt.“

Dass er mit dem Sturz auch Dovizioso ins Verderben riss, der nicht mehr ausweichen konnte, tut ihm leid: „Zwei Ducatis am Boden, und von allen ist es Andrea, der um die Meisterschaft kämpft. Das gibt mir ein trauriges Gefühl, doch ich glaube, wenn ich nicht gebremst hätte, hätte ich Danilo getroffen, und es wäre genauso geendet.“

Dovizioso nach Sturz: „Haben viele Punkte verloren“

So war es aber Dovizioso, der einen Nuller schreiben musste. „Es ist sehr enttäuschend. Besonders wenn so etwas passiert, ist man sehr frustriert, weil man nichts tun kann. Für die Meisterschaft haben wir viele Punkte verloren“, weiß der Italiener.

Die Kollision stuft er als normalen Rennunfall ein und gibt niemandem die Schuld. Was ohne den Sturz möglich gewesen wäre, sei schwer zu sagen. „Das Tempo im Training war nicht allzu schlecht und ähnlich wie bei Pecco. Am Ende des Rennens war er wirklich schnell, deshalb weiß ich nicht, ob das auch für mich möglich gewesen wäre.“

Petrucci moniert fehlende Motorenleistung

Francesco Bagnaia belegte am Ende Rang sechs hinter Pramac-Teamkollege Jack Miller, der Fünfter wurde. Petrucci kam als Achter ins Ziel. Er äußert sich insgesamt zufrieden: „Das Rennen war recht gut. Ich bin glücklich mit dem zurück gewonnenen Gefühl auf dem Motorrad“, sieht der Ducati-Werkspilot Fortschritte.

„Allerdings bin ich nicht absolut glücklich mit dem Motor, den ich seit Österreich habe. Wir sind nicht mehr so schnell und mussten auch hier feststellen, dass wir auf der Geraden Zeit verlieren im Vergleich zu den anderen Ducatis. Wir haben den Motor gewechselt und sind mit einem neuen gefahren, aber an der Situation änderte das nichts.“

In der WM bleibt Dovizioso bester Ducati-Pilot, hat aber Plätze eingebüßt und ist nur noch Vierter mit 24 Punkten Rückstand auf den Gesamtführenden Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha). Er feierte in Barcelona seinen dritten Sieg in dieser Saison.

WM-Kampf 2020: „Es kann alles passieren“

Dovizioso hingegen stand seit seinem ersten und einzigen Saisonsieg in Spielberg 1 nicht mehr auf dem Podest. „Es geht darum, schnell zu sein. Das müssen wir zuerst tun, und dann können wir über die Meisterschaft nachdenken“, sagt der 34-Jährige.

„Ich hoffe und denke, dass wir in Le Mans einen guten Job machen können. Mal sehen, ob wir auf der Bremse Fortschritte erzielen können. Die Meisterschaft ist sehr eng. Und man sieht, es kann alles passieren. Deshalb ist jedes Rennen wichtig. Es geht nicht um ein einzelnes Rennen, sondern um die verbleibenden sechs Rennen. Alles ist möglich.“

Das Rennen der MotoGP: Grand Prix of Catalunya