Als ältester aktiver MotoGP-Pilot blickt Valentino Rossi auf die Königsklasse vor 20 Jahren zurück – und erklärt, wie sich die Motorrad-WM nicht nur technisch enorm verändert hat.

Noch nie waren das Technologie-Level und die Leistungsdichte in der MotoGP so hoch wie heute. Einer, der das aus erster Hand bestätigen kann, ist Valentino Rossi. Er ist mit 40 Jahren der älteste und erfahrenste Pilot im aktuellen Starterfeld.

Seit 2000 tritt der Italiener in der Königsklasse an, holte seinen ersten WM-Titel (nach je einem Gesamtsieg in den kleineren Klassen) 2001 noch auf einer 500er-Honda. Seitdem hat sich viel verändert. „Es gibt zwei wichtige Aspekte in diesem Zusammenhang. Der eine ist der technische Aspekt“, sagt Rossi gegenüber ‚MotoGP.com‘.

„Denkt man zum Beispiel an 2001 und die 500-ccm-Maschinen, haben sich die Bikes im Vergleich dazu komplett verändert. Aber selbst wenn man die Bikes von 2019 und 2005 miteinander vergleicht: Es handelt sich zwar um die MotoGP, also Viertakter mit 1000 ccm – und trotzdem hat man heutzutage viel mehr Elektronik.“

MotoGP: Gänsehaut-Momente der letzten Jahre

Rossi: Technik und Konkurrenz immer professioneller

Auch die Reifen und Bremsen sind andere, weiß der Routinier. Das heißt für den Fahrer: „Man muss versuchen, seinen Stil derart zu modifizieren, um das Motorrad ans Limit bringen zu können. Zumal das Limit viel, viel höher ist als etwa 2005.“

„Das ist die eine Sache. Die andere betrifft die Evolution einer Spezies, wenn man so will“, erklärt Rossi weiter. Und meint damit eine neue Fahrer-Generation, die sich von früheren in vielerlei Hinsicht unterscheidet. „Die nächste Generation ist immer stärker. Sie sind professioneller, zeigen mehr Einsatz und führen ein perfektes Leben.“

Das heißt: „Sie ernähren sich sehr bewusst, trinken nicht, gehen früh zu Bett. Sie trainieren zudem jeden Tag, von morgens bis abends. Ich komme aus einer Ära, wo die Fahrer noch Bier getrunken und Zigaretten geraucht haben und solche Dinge“, erinnert er sich an die guten alten Zeiten und lacht. Heute sind die Ansprüche andere.

Piloten richten ihr ganzes Leben nach der MotoGP aus

Die körperliche Vorbereitung hat sich stark verändert, auch bedingt durch die technische Weiterentwicklung der Bikes. „Man muss sein Leben darauf anpassen. Man muss heute mehr ein Athlet sein“, erklärt Rossi. „Früh schlafen gehen, ausreichend schlafen, sich mit dem Arzt wegen der Ernährung abstimmen und so weiter.“

Das sei unabdingbar, um mit der immer professioneller werdenden Konkurrenz Schritt zu halten. „Sie versuchen, in allen Bereichen an sich zu arbeiten, um stärker zu werden.“ Doch nicht nur deshalb spiele die körperliche Fitness eine immer größere Rolle.

„Ein weiterer großer Unterschied zu früher ist, dass man gleich nach dem Star von der ersten bis zur letzten Runde durchpowern muss. Früher ist man gemächlich gestartet, hat sich die ganze Sache erst einmal angesehen. Man hat vielleicht ein wenig gepusht und dann etwas abgewartet. Es ging mehr um die Strategie als um das Körperliche.“

Rossi beschäftigt sich heute viel mehr mit Daten

Zur Vorbereitung gehört zudem die akribische Analyse der Daten. Sie bietet heute viel mehr Möglichkeiten, da alles lückenlos aufgezeichnet werden kann. „Insofern ist es nicht nur zwei Mal, sondern zehn Mal so viel Arbeit als noch 2003“, sagt Rossi. „Heutzutage kann man per Video alles analysieren, man hat viel mehr technologische Unterstützung.“

„In jeder Kurve steht jemand mit einer Kamera. Man weiß genau, welchen Fahrstil dein Teamkollege oder die Konkurrenz der anderen Hersteller hat. Vorher schaute man sich das Rennen an, man versuchte, anderen Fahrern zu folgen. Aber letzten Endes war die Vorbereitung unter diesem Gesichtspunkt zehn Mal weniger aufwendig als heute.“