Aleix Espargaro hat das Kriegebeil mit Andrea Iannone begraben. Mehr noch. Er sieht ihn als Freund und das Doping-Urteil zu streng.

Aprilia-Pilot Aleix Espargaro findet für die verlängerte Dopingsperre seines Teamkollegen Andrea Iannone deutliche Worte. „Ich bin sehr verärgert. Egal, ob er einen Fehler gemacht hat oder es sich um eine Kontamination handelt. Ich denke, eine vierjährige Sperre ist lächerlich“, sagt er am Rande des Valencia-Grand-Prix.

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Iannone war am Dienstag vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zur einer vierjährigen Sperre wegen Dopings verurteilt worden. Damit entsprach das Gericht der Forderung seitens der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die ursprüngliche Sperre von 18 Monaten auf vier Jahre zu erweitern.

Diese hatte das FIM-Disziplinargericht vergangenen Juni verhängt, nachdem Iannone im November 2019 positiv auf das anabole Steroid getestet und vorläufig suspendiert worden war.

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Aleix Espargaro findet: „Vier Jahre sind viel zu viel“

Der Aprilia-Pilot ging seinerseits, mit der Unterstützung seines Teams, in Berufung, um eine Aufhebung der Sperre zu erwirken. Seine Argumentation: Er habe die verbotene Substanz während des Asien-Tripleheaders der MotoGP über kontaminiertes Fleisch in einem Restaurant versehentlich zu sich genommen.

Die Beweiskette reichte dem Gericht aber nicht aus, weshalb die Höchststrafe verhängt wurde. Für Espargaro ein Unding: „Ein Jahr oder die 18 Monate sind aus meiner Sicht mehr als genug. Vier Jahre sind viel zu viel. Aber so wurde entschieden und man kann jetzt nichts mehr dagegen tun“, wettert der Spanier gegen das jüngste Urteil.

„Am Ende weiß nur er, was passiert ist. Aber wenn Andrea sagt, dass das Ganze auf eine Kontamination zurückzuführen ist, vertraue ich ihm, warum auch nicht“, sagt Espargaro weiter. Aus seiner Sicht gewinne man in der MotoGP ohnehin nicht viel, indem man dopt. Auch deshalb bewertet er die Strafe als unverhältnismäßig.

Katar-Fehde vergeben und vergessen: „Sind Freunde“

„Er ist der Einzige, der weiß, was er getan hat. Alles, was ich sagen kann, ist: Vier Jahre sind zu viel, selbst wenn er gedopt haben sollte – bei einer Kontamination gilt das umso mehr.“

Mit Iannone habe er gesprochen, noch bevor die Öffentlichkeit vom neuen Urteil wusste, verrät Espargaro. „Ich habe zehn Minuten lang mit ihm gesprochen und er war sehr, sehr verärgert“, beschreibt der Aprilia-Pilot das Gespräch.

„Ich habe versucht, ihn zu überzeugen, für dieses Wochenende nach Valencia zu kommen, um uns alle zu sehen. Ja, in Katar haben wir uns gestritten, aber am Ende des Tages sind wir doch Freunde.“ Damals, bei der offiziellen Präsentation der neuen RS-GP für die MotoGP-Saison 2020, flogen verbale Giftpfeile Richtung Iannone.

Weil er im Interview den Eindruck erweckte, die Entwicklung des Motorrads sei vor allem auf sein Feedback zurückzuführen, kündigte Espargaro ihm wutentbrannt die Freundschaft.

Doch das ist Schnee von gestern. „Ich denke, ich bin eine ungezwungene Person und habe ein gutes Verhältnis zu jedem. Und ich denke, Andrea ist ein guter Kerl“, sagt Espargaro heute und lässt die alte Fehde ruhen. „Deshalb tut es mir leid für ihn, weil er möglicherweise keine Rennen mehr fahren kann. Es tut mir sehr, sehr leid.“