Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta will Valentino Rossi in der MotoGP halten, ob als Fahrer oder Teammanager. Und: Der Dauer-Streit mit Marc Marquez schwelt aus seiner Sicht noch immer.

Auch wenn noch viele Fahrer-Verträge für 2021/22 offen sind, wird in dieser MotoGP-Saison wohl keine Entscheidung so sehr herbeigesehnt wie die über den Rücktritt oder Verbleib von Valentino Rossi. Im Sommer will sich der inzwischen 41-jährige Yamaha-Pilot zu seiner weiteren Zukunft als Rennfahrer äußern.

Für die MotoGP wäre sein Rücktritt ein Verlust, und das nicht nur aus sportlicher Sicht. Schließlich ist Rossi noch immer der größte Zuschauer-Magnet, seine Anwesenheit daher ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Das weiß auch Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta, der den „Doctor“ selbstredend gerne weiterfahren sehen würde.

„Ich hatte immer großen Respekt vor Valentino“, sagt der 74-Jährige im Interview mit ‚GPOne.com‘. „Ich habe ihn nie gefragt, ob er in den Ruhestand gehen will oder nicht. Es scheint mir ein Mangel an Respekt zu sein, eine solche Frage zu stellen.“

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Valentino Rossi heute fitter als vor zehn Jahren

Als eine Frage des Alters sieht Ezpeleta die Entscheidung für oder gegen einen Rücktritt im Falle von Rossi nicht, jedenfalls nicht nur. „Valentino ist, wenn man ihn jetzt betrachtet, körperlich besser in Form als vor zehn Jahren. Denn jetzt trainiert er, was er das damals nicht getan hat“, spricht der Dorna-Boss Rossis Fitness an.

„Ich stimme zu, dass er nach so vielen Jahren vielleicht müde ist, sich dem Wettkampf zu stellen. Und das mehr mental als körperlich. Sollte er mir sagen, dass er weitermachen will, wird er immer meine ganze Unterstützung haben. Und danach, und erst dann, werden wir über seine Zukunft nach seinem Rücktritt sprechen“, versichert Ezpeleta.

Da Rossi bereits in den kleinen WM-Klassen je ein eigenes Team mit Fahrern aus seiner VR46-Akademie besitzt, wäre ein MotoGP-Team die logische Schlussfolgerung. Ezpeleta verrät: „Er hat schon einmal darüber gesprochen. Dabei hatte ich den Eindruck, dass er sein eigenes Team in der MotoGP zumindest im Moment noch nicht will.“

Fehde mit Marc Marquez seit 2015 „nicht gelöst“

„Ich will keine Position dazu beziehen, was er nach dem Ende seiner Fahrer-Karriere tun wird. Aber ich werde natürlich versuchen, alles zu tun, was ich kann, um ihn zu halten. Sowohl aus persönlicher Sicht als auch als der Mann, der diese Meisterschaft leitet“, sagt der Dorna-CEO.

So könnte er sich Rossi zum Beispiel auch gut als Manager vorstellen. „Er kann viele Dinge tun, ist in vielen Bereichen sehr kompetent. Er ist ein angenehmer Charakter und weiß, wie man mit Menschen spricht. So sehe ich ihn, und er hat auch eine großartige Industrie geschaffen. Alles, was sich um VR46 dreht, kann ihn zu allem veranlassen.“

Unabhängig davon, welche Rolle der „Doctor“ nach seiner aktiven Rennfahrer-Karriere im Paddock übernehmen wird, bleiben nicht nur seine sportlichen Erfolge in Erinnerung. Vor allem seine Rivalitäten mit Gegnern wie Max Biaggi, Sete Gibernau, Casey Stoner, Jorge Lorenzo und Marc Marquez haben sich ins Gedächtnis gebrannt.

Angesprochen auf Rossis Fehde mit dem aktuellen MotoGP-Weltmeister, die beim Großen Preis von Malaysia 2015 entbrannte, verrät Ezpeleta: „Sie ist öffentlich beendet, aber es ist nicht wirklich vorbei. Ich bin in keinem ihrer Köpfe. Aber ich kann während der Grand-Prix-Meetings sehen, wie die Dinge wirklich sind. Und sie sind noch nicht gelöst.“