Erst lästerte Johann Zarco über Avintia-Ducati, dann unterschrieb er einen Vertrag bei den Spaniern – jetzt entschuldigte sich der Franzose für seine Aussagen.

Nach der vorzeitigen Trennung von KTM war lange unklar, ob Johann Zarco für die MotoGP-Saison 2020 noch ein Team finden würde. Der Rücktritt von Jorge Lorenzo stieß bei Honda eine Tür auf, die sich letztlich jedoch nur für Alex Marquez öffnete. Stattdessen dockte Zarco überraschend bei Avintia-Ducati an.

Dabei hatte sich der Franzose, als erst Gerüchte über eine Zusammenarbeit aufkamen, zunächst abfällig über das Team geäußert. „Ich will ein gutes Team mit einem guten Motorrad, und für mich ist Avintia kein Top-Team“, stellte er damals klar.

Doch letztlich ließ sich Zarco von Gigi Dall’Igna höchstpersönlich überzeugen. Und von den technischen Garantien, die der ihm gab. „Meine anfänglichen Befürchtungen sind verschwunden. Oder sie haben sich zumindest verringert, weil Ducati direkt involviert war“, erklärt er nun gegenüber dem französischen Magazin ‚Moto Journal‘.

Zarco begrüßt Rückkehr von Rigamonti

„Der Name des Teams lautet noch immer Avintia. Aber in Wirklichkeit ist die Situation eine andere. Das wissen wir.“ Denn ab 2020 firmiert Avintia als offizielles Satelliten-Team von Ducati, und genießt damit auch entsprechenden Technik-Support.

Zarco ist überzeugt: „Diese Eingliederung wird dem gesamten Team, einschließlich Rabat, zugutekommen. Denn es werden insgesamt fünf Techniker im Team sein.“ Marco Rigamonti kehrt als neuer Chef-Ingenieur zurück. „Ich habe ihn getroffen, als ich in den Weihnachtsferien den Hauptsitz von Ducati besuchte“, berichtet Zarco.

„Er leitete das Ducati-Team von Iannone und ging dann mit ihm zu Suzuki. Zusammen haben sie bei Ducati gewonnen. Was mir gefällt ist, dass er, nachdem Iannone zu Aprilia wechselte, nicht mitging und bei Suzuki blieb. Er ist glücklich zurückzukehren.“

Besuch im Ducati-Werk: Zarco sagt „Sorry“

Beim besagten Besuch in der Fabrik nutzte Zarco aber nicht nur die Gelegenheit, das Team kennenzulernen. Sondern auch, um alte Spannungen aus der Welt zu schaffen. „Ich habe mit den Mechanikern von Avintia und Ruben Xaus (Avintias Sportdirektor, Anm. d. Red.) gesprochen und mich für meine unschönen Worten von damals entschuldigt.“

Tatsächlich stieß er damit auf Verständnis. „Sie meinten: ‚Nein nein, Du hast dich nicht geirrt. In der Situation, in der wir uns befanden, war es normal, uns nicht zu wollen.‘ Jetzt sind die Mechaniker zu 300 Prozent motiviert. Wir haben die Ducati-Fabrik besucht und die Tatsache, dass sie dort waren, war positiv. Es war schön, sie zu sehen.“

Gemeinsam mit der Crew hat Zarco auf der 2019er-Ducati, die er in dieser Saison pilotieren wird, viel vor. Physisch sei er bestens vorbereitet, erklärt der Franzose. „Während der Ferien habe ich Ausdauer-Tests gemacht und bin viele Stunden Rad gefahren“, verrät er.

Wechsel ins Werksteam das erklärte Ziel

„Im Januar habe ich die Herz-Kreislauf-Übungen wieder aufgenommen, zum Beispiel 500-Meter-Rennen und Schwimmen. Der Monat wird sehr schnell vergehen, am 1. Februar reise ich bereits nach Sepang.“ Dort wird Zarco beim dreitägigen MotoGP-Test erstmals auf der Ducati GP19 sitzen und sich mit der Konkurrenz messen.

Mit guten Leistungen will er sich im Laufe der Saison einige Updates verdienen. Denn er weiß, dass Dall’Igna ihn genau beobachten wird. „Gigi erinnerte mich an die Zeit, in der Iannone bei Pramac gut unterwegs war, während Crutchlow im Werksteam fuhr. Er sagte, dass Iannone dann die gleichen Teile wie das Werks-Motorrad erhielt.“

Der Italiener schaffte schließlich den Sprung ins offizielle Team. Ein Ziel, das auch Zarco im Visier hat. Schon bei der Bekanntgabe seines Wechsels zu Avintia machte er aus seinen Ambitionen keinen Hehl: „2021 will ich ins Werksteam aufsteigen.“