Überrascht und mit Unverständnis haben MotoGP-Pilot Andrea Iannone und Aprilia auf das Doping-Urteil reagiert – CEO Massimo Rivola stellt die Entscheidung infrage.

Eigentlich war Andrea Iannone im Hinblick auf ein Urteil im Doping-Prozess zuversichtlich. Die Nachricht, dass ihn das Disziplinar-Gericht der FIM für 18 Monate sperrt, traf den Italiener an diesem Mittwoch entsprechend hart.

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„Das Urteil kam überraschend. Wir haben nicht erwartet, dass es so läuft“, sagt der MotoGP-Pilot in einer ersten Reaktion gegenüber ‚Sky Sport 24‘. „Wir sehen das Urteil positiv, meine Unschuld wurde anerkannt. Auch wenn wir im Grunde genommen verloren haben, weil wir für 18 Monate disqualifiziert wurden.“

Zwar erkannte das Gericht an, dass Iannone nicht bewusst gedopt hat, sondern unwissend verunreinigte Lebensmittel zu sich nahm, was zur positiven Dopingprobe führte. Auf dieser Argumentation baute die Verteidigung auf. Trotzdem hätte Iannone Sorge tragen müssen, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Iannone: Können nicht wissen, was wir essen

Doch der 30-Jährige wehrt sich gegen diesen Vorwurf. „Wenn wir in Restaurants gehen, haben wir nicht die Möglichkeit, kontaminiertes oder unkontaminiertes Fleisch zu wählen. Keiner von uns weiß mit Sicherheit, was wir essen.“

Die verbotene Substanz Drostanolon, die in seinem Urin sowohl in der A- als auch in der B-Probe nachgewiesen werden konnte, hatte Iannone vermutlich zu sich genommen, als er während der Asien-Tour der MotoGP in einem Restaurant Fleisch aß. Die Proben waren beim Grand Prix von Malaysia entstanden.

Iannone betont: „Meiner ist der erste Fall von Lebensmittel-Kontamination, der zu einer Sperre führte. Ich danke meinem Anwalt Antonio de Rensis, er hat mich wie einen Sohn behandelt. Ohne ihn wäre die Situation im Moment sicherlich anders. Diese Zeit war die härteste meines ganzen Lebens, sehr schwer zu akzeptieren.“

Aprilia: Urteil und Begründung passen nicht zusammen

Trotzdem gebe er die Hoffnung nicht auf, seine Unschuld zu beweisen. „Ich habe es immer noch nicht zu 100 Prozent geschafft. Aber das ist mein Ziel. Dann möchte ich so schnell wie möglich wieder aufs Motorrad steigen“, so der Italiener.

Dafür genießt er weiterhin die volle Rückendeckung von Aprilia. Der Hersteller reagierte mit gemischten Gefühlen auf das FIM-Urteil. „Nach einer ersten Analyse ist es zufriedenstellend zu sehen, wie das völlige Fehlen einer Absicht und die zufällige Natur der Einnahme von Steroiden erkannt wurde“, heißt es in einem Statement.

Dass man dem Argument der Lebensmittel-Kontamination tatsächlich folgte, eröffne Iannone neue Möglichkeiten der Berufung. Rätselhaft bleibe derweil die Strafe, „die völlig unvereinbar ist mit der im Urteil selbst enthaltenen Rekonstruktion, die in den Fakten die Unschuld von Andrea Iannone anerkennt“.

Rivola: „Wollen, dass Andrea wieder aufs Bike steigt“

Das bestätigt auch Massimo Rivola, CEO von Aprilia Racing. „Die Richter erkannten Andreas völlige Gutgläubigkeit und Unwissenheit bei der Einnahme der Substanz an. Und sie bestätigten damit das Argument der Lebensmittel-Verunreinigung. Aus diesem Grund macht die verhängte Strafe keinen Sinn.“

„In Anbetracht der von den Richtern selbst verfassten Beweggründe hätte Andrea freigesprochen werden müssen, wie dies bei anderen betroffenen Sportlern immer der Fall war“, hinterfragt er die Entscheidung des Gerichts offensiv.

Rivola hofft nun, dass der Sportgerichtshof CAS, wo Iannone die Sperre anfechtet, anders urteilt. „Wir wollen, dass Andrea wieder auf seine Aprilia RS-GP steigt. Wir werden bis zum Ende dieser Angelegenheit an seiner Seite sein und ihn bei seiner Berufung unterstützen“, versichert der Aprilia-CEO seinem Fahrer.