Den erhofften Sprung aufs Podest hat Matthias Walkner bei der Dakar 2020 verpasst. Doch der Salzburger ist froh, gesund im Ziel zu sein – und kündigt an: „Nächstes Jahr schaut es wieder anders aus.“

Matthias Walkner hat die Rallye Dakar 2020 nicht auf dem Podest beendet. Der Salzburger schloss die in diesem Jahr in der saudischen Wüste ausgetragene Extrem-Rallye am Freitag nach zwölf Etappen auf dem guten fünften Gesamtrang ab. Sieger der Motorrad-Wertung wurde der US-Amerikaner Ricky Brabec, der auf seiner Honda eine 18 Jahre anhaltende Triumph-Serie von KTM beendete.

Die Auto-Wertung gewann der spanische Routinier Carlos Sainz zum dritten Mal nach 2010 und 2018. Der 57-Jährige vom Mini-Team X-Raid setzte sich nach vier gewonnenen Etappen mit seinem Beifahrer Lucas Cruz 6:21 Minuten vor Titelverteidiger Nasser Al-Attiyah (Matthieu Baumel/Toyota) aus Katar durch. Ex-Formel-1-Star Fernando Alonso und sein spanischer Beifahrer Marc Coma wurden Gesamt-13.

Walkner hatte den berühmt-berüchtigten Offroad-Klassiker zuletzt drei Mal in Folge unter den ersten Drei bewältigt, darunter 2018 als Sieger. Am Ende seines fünften Starts hatte er exakt 35 Minuten Rückstand auf den Gewinner. Auf das anvisierte Stockerl fehlten knapp elf Minuten. „Es öffnet vielleicht auch ein wenig die Augen, dass ein Podium bei der Rallye Dakar kein Selbstläufer ist, sondern wirklich hart erkämpft. Dreck aus dem Gesicht wischen, weiter trainieren und nächstes Jahr schaut es wieder anders aus“, erklärte Walkner in einer ersten Stellungnahme.

Walkner beendet Dakar als Fünfter

Walkner: „Bin nicht volles Risiko gegangen“

Ein Vorstoß aufs Stockerl im letzten Abdruck, wie es der Kuchler im Vorjahr noch geschafft hatte, gelang nicht mehr. „Es war wieder ein schneller Tag mit viel Sand und vielen Steinen. Tückisch, um Fehler zu machen. Ich wusste, dass meine Chancen nur sehr gering waren. Deshalb habe ich auch nicht das Risiko genommen, Vollgas zu fahren“, sagte Walkner nach Platz zwölf auf den letzten 167 Kilometern von Haradh nach Qiddiya. Die Schluss-Etappe war aufgrund von Bauarbeiten einer Pipeline verkürzt worden.

Die Stürze des tödlich verunglückten Portugiesen Paulo Goncalves und des schwerverletzten Niederländers Edwin Straver überschatteten die diesjährige Dakar-Rallye. Walkner war froh, gesund im Ziel zu stehen. „Die zwei schlimmen Stürze öffnen einem schon die Augen. Von dem her muss man froh sein, wenn man das alles mitnehmen kann und gesund ins Ziel kommt. Meine Enttäuschung hält sich also in Grenzen.“

Sein fünfter Dakar-Start war für den 33-Jährigen von einigen Problemen gekennzeichnet. Zu den üblichen Strapazen gesellten sich Atemwegs-Probleme, ein Tinnitus und auf der fahrerischen Seite auch Navigationsfehler. Den Sprung aufs Podest habe er an einem einzigen Tag verpasst. „Die zwei Navigationsfehler am vierten Tag haben mich 20 Minuten gekostet.“ Er wurde zweitbester KTM-Werksfahrer hinter dem drittplatzierten Australier Toby Price. Die neuen Erfahrungen sollen nun gründlich analysiert werden. „Es ist eine extrem schnelle Dakar, mit weniger Sand als erwartet, vielen groben Steinen und ausgetrockneten Bachbetten. Wir wissen, woran wir nun arbeiten müssen.“

Rallye Dakar: So lief die finale Etappe

Brabec beendet lange Honda-Durststrecke

Brabec sorgte für den ersten Honda-Erfolg bei den Motorrädern seit 1989. Acht Jahre nach der Rückkehr feierte das japanische Werksteam den insgesamt sechsten Triumph. „Wir mussten jeden Tag smart und fokussiert sein“, sagte der 28-jährige Brabec. „Und jetzt stehen wir hier, als Sieger. Am Ende haben wir alle Stücke des Puzzles zusammengesetzt.“ Der aus Kalifornien stammende Brabec hatte die Rallye von der dritten Etappe an ununterbrochen angeführt. „Bei uns gibt es keine Nummer eins im Team. Wir haben alle hart dafür gearbeitet und als Familie gewonnen.“

Über persönliche Siege, nämlich die Zielankunft, konnten sich am Ende die österreichischen Motorrad-Privatfahrer Nicolas Brabeck-Letmathe und Martin Freinademetz freuen. Der in Peru lebende Brabeck-Letmathe wurde 50. (+15:28:49 Stunden). Freinademetz meisterte seine erste Dakar nach zehn Jahren Pause als 71. (+19:31:27) ebenfalls erfolgreich.

Freinademetz: Dakar eine „sehr grenzwertige Erfahrung“

Damit ist er der erste Österreicher, der den Zieleinlauf bei der Dakar auf drei Kontinenten (Afrika 2007, Südamerika 2010, Asien 2020) geschafft hat. Der Ex-Snowboard-Weltmeister aus Tirol sprach im Anschluss von einer „sehr grenzwertigen Erfahrung. Und auch eine, die ich, wie ich glaube, auf diese Art und Weise nicht mehr machen muss.“

Seine dritte Dakar empfand Freinademetz als anstrengendste und gefährlichste. „Wenn man nach den extrem langen Etappen in der Dunkelheit ankommt und dann noch das Motorrad selbst warten und reparieren muss, dann zehrt das mit der Zeit enorm an den Kräften“, schilderte der inzwischen 50-Jährige. Die schweren Unfälle haben auch auf ihn Eindruck gemacht. „Da fragt man sich mitunter schon, was man da eigentlich macht. Und man muss sich eingestehen, dass das alles andere als vernünftig ist.“ (APA/red.)

Motorrad-Wertung: Ergebnis 12. Etappe

1. Jose Ignacio Cornejo Florimo (CHI), Honda: 1:28:15 Std.
2. Ricky Brabec (USA), Honda: +0:53 Min.
3. Toby Price (AUS), KTM: +2:25 Min.
– – –
5. Pablo Quintanilla (CHI), Husqvarna: +3:23 Min.
12. Matthias Walkner (AUT), KTM: +6:00 Min.
50. Nicolas Brabeck-Letmathe (AUT), Team Casteu: +30:39 Min.
71. Martin Freinademetz (AUT), Red Bull Romaniacs: +40:10 Min.

Gesamtwertung (Endergebnis)

1. Ricky Brabec (USA), Honda: 40:02:36 Std.
2. Pablo Quintanilla (CHI), Husqvarna: +16:26 Min.
3. Toby Price (AUS), KTM: +24:06 Min.
4. Jose Ignacio Cornejo Florimo (CHI), Honda: +31:43 Min.
5. Matthias Walkner (AUT), KTM: +35:00 Min.
– – –
48. Nicolas Brabeck-Letmathe (AUT), Team Casteu: +15:28:49 Std.
68. Martin Freinademetz (AUT), Red Bull Romaniacs: +19:31:27 Std.