In den 1990er-Jahren war Österreich das letzte Land Europas, in dem nur öffentlich-rechtlicher Rundfunk erlaubt und Privatfernsehen und -radio verboten waren. Pioniere wurden wie Kriminelle behandelt, setzten sich aber letztendlich durch.

25 Jahre Privatfernsehen in Österreich sind Zeitgeschichte mit relevantem und aktuellem Bezug. Doch nach wie vor muss die mediale Vielfalt gerade in Krisenzeiten gegen staatliche Monopole und ihre Folgewirkungen bestehen. Medienexperten und Zeitzeugen lassen den gesellschaftspolitischen Krimi rund um den Kampf für die Medienvielfalt in den 1990er-Jahren wieder aufleben.

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Die jungen 25 Jahre des privaten Rundfunks

In den 1990er-Jahren ist der Staat Österreich mit Hubschraubern und Peilsendern auf Piratenjagd. Privatfernsehen und -radio sind verboten. Sendeanlagen werden von der Funküberwachung der Post gekappt und plombiert, um das Medienmonopol des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen.

Gesetzlich ist es nur dem ORF erlaubt, bewegte Bilder im Fernsehen zu zeigen, in Kabelnetzen darf es lediglich Standbilder, Infotexte und Grafiken geben. Musikuntermalung, Sprecher oder Moderationen sind verboten. Und damit auch privates Radio. Für den Privatfernseh-Pionier Dr. Ferdinand Wegscheider ist es als Journalist und Jurist „unvorstellbar, dass es erst 25 Jahre her ist, dass Meinungsfreiheit via Rundfunk in Österreich nicht möglich war“.

Das „Medien-Albanien“ Europas

Österreich hinkt zu dieser Zeit allen Nachbarländern hinterher. Und ist sogar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dazu verurteilt worden, Privatfernsehen und -radio endlich auch zuzulassen. Doch das passiert über Jahrzehnte nicht. Alle Regierungen ignorieren das Urteil und setzen allein auf den ORF. Mit der Ausrede, dass mediale Vielfalt durch die große Zeitungslandschaft ohnehin gegeben sei.

Es geht auch ums Geld. Die Verlage sowie der gebührenfinanzierte ORF fürchten um ihre lukrativen Werbeeinnahmen. Harald Fidler, der Medienexperte des Standard, sieht darin ein regelrechtes Medienkartell. „Die haben sich ausgemacht: Eigentlich wollen wir keine privaten Radios. Eigentlich wollen wir keine privaten Fernsehsender.“

Kein Privatfernsehen und -radio: das österreichische Medienmonopol

Dr. Franz Ferdinand Wolf erlebt als Radio- und Fernsehjournalist in den 1990er-Jahren mit, wie „die SPÖ, die regierende Kanzlerpartei, alles getan hat, um privaten Rundfunk zu verhindern.“ Erich Holfeld ist damals Pressereferent der SPÖ Salzburg und – entgegen der Parteilinie – ein glühender Anhänger des privaten Rundfunks. So wird er zum Radio-Revoluzzer in den eigenen Reihen.

„Auf dieser größten Medien-Orgel des Landes wollten immer alle spielen und umso lieber, wenn sie an der Macht sind“ meint Gerd Bacher heute über den ORF. Die Rundfunkpioniere wurden im ganzen Land behindert und verfolgt. Am Attersee wird der Kabelpionier Gerhard Nöhmer von den Beamten der Funkfahndung wie ein Krimineller behandelt, als sein Bezirks-TV-Sender gekappt wird. In Kärnten erleben die Regional-TV-Macher vom Friesacher Kabel Kanal mit dem Plombieren ihres Senders „ein Schockgefühl, wie wir gesehen haben, was Monopolstellung heißt“.

Salzburg TV-Gründer Dr. Ferdinand Wegscheider erfährt die Macht der Staatsgewalt, die seinen Sender am Untersberg abdreht, plombiert und ein Strafverfahren gegen den Journalisten eröffnet. Obwohl es allein in Salzburg mehr als 30.000 Unterschriften für den Privat-Sender gibt und landesweit eine Unterstützungswelle rollt.

Herausfordernde Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen

Und so entschließt sich der Gründer von Salzburg TV zum Äußersten und beginnt einen Hungerstreik unter dem Motto „Freiheit für Privat TV“. Dass es der größte persönliche Einsatz ist, den ein Journalist für die Medienfreiheit erbringen kann, ist ihm erst im Nachhinein durch Reaktionen anderer privater Rundfunkpioniere bewusst geworden: „Um Gottes willen, setz doch deine Gesundheit nicht aufs Spiel!“

Sogar internationale Medien berichten darüber, nur im letzten Land Europas, indem das Medienmonopol noch immer gestützt wird, bleibt der Hungerstreik medial eine Randnotiz. „Es hat dann süffisante Bemerkungen gegeben, in der Richtung, wenn er stirbt, berichten wir dann drüber nach seinem Hungerstreik, aber vorher nicht“, gibt der ehemalige Intendant des ORF Landesstudios Salzburg Fritz Urban heute offen zu.

Reportage in zwei Teilen: Wie sich die Pioniere des Privatfernsehens durchsetzten

Wie sich die Rundfunkpioniere trotz persönlicher Attacken, politischer Machtspiele und der Verfolgung als vermeintliche Piraten letztendlich durchsetzten, zeigt die zeitgeschichtliche ServusTV-Reportage in zwei Teilen. Im Gespräch sind Medienexperten und Zeitzeugen wie unter anderem Dr. Ferdinand Wegscheider, Univ. Prof. Dr. Franz Schausberger, Harald Fidler, Dr. Alfred Grinschgl und Dr. Alexander Wrabetz.

Piraten und Pioniere – Die abenteuerliche Geschichte des privaten Rundfunks in Österreich, am Donnerstag, 24. September, um 21:10 Uhr bei ServusTV.

Von Piraten zu Privaten – die Fernsehpioniere von Salzburg TV, am Donnerstag, 24. September, um 22:10 Uhr bei ServusTV.

Piraten und Pioniere – Die abenteuerliche Geschichte des privaten Rundfunks in Österreich