Roland Gruschka, Moderator von Bares für Rares Österreich bei ServusTV im Interview! Gruschka über seinen Ruf als Flohmarktexperte, seine Sammelleidenschaft und den Charme von Bares für Rares.

Wenn es ab Sonntag, 19.4., ab 20.15 Uhr bei ServusTV für Händler und Verkäufer bei Bares für Rares Österreich zur Sache geht, steht ihnen mit Roland Gruschka ein echter Experte zur Seite. Schon 2009 stand er für ServusTV mit „Gruschkas Kunst und Trödeltouren“ vor der Kamera – nicht von ungefähr. Gruschka gilt als führender Flohmarktexperte. Jetzt schlüpft er für Bares für Rares Österreich in eine neue Rolle Das Interview.

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servustv.com: Worauf haben Sie sich am meisten gefreut, als Bares für Rares Österreich fixiert wurde?

Ich gehe schon mein Leben lang auf Flohmärkte, bin selbst Sammler und denke, ich habe einige Erfahrung in diesem Bereich. Es war daher schon ein Traum, als mir ServusTV ab 2009 mit einer eigenen Sendung „Gruschkas Kunst- und Trödeltouren“, die Möglichkeit bot, für Flohmarktreportagen vor der Kamera zu stehen und Zuseher an meiner Passion teilhaben zu lassen. Und einmal in diesem Fernseh-Genre quasi zu Hause, habe ich in den letzten Jahren natürlich mit Faszination beobachtet, wie es „Bares für Rares“ dank vieler Faktoren, nicht zuletzt aber auch durch ein perfekt ausgefeiltes Konzept geschafft hat, die Faszination alter Dinge auch für das Studio, ich möchte mal sagen, auf den Punkt zu bringen. Das Format ist ein Geniestreich und ich darf es nun moderieren: Das ist der Olymp.

Wie schätzen Sie das Verhandlungsgeschick der Österreicher ein?

Ich glaube, Verhandlungsgeschick ist nicht von der Nationalität abhängig, sondern von der individuellen Veranlagung jedes Einzelnen: Es gibt überall Menschen, denen liegt das Handeln im Blut – vielen anderen eben nicht. Das ist jedenfalls die Erfahrung unzähliger Flohmarktbesuche in Österreich, Deutschland, der Schweiz und vielen anderen Ländern.

Stimmt es, dass Sie Tropenhelme sammeln, seit Sie 14 sind? Wie kam es dazu?

Das ist richtig. Ich muss aber ein Wort der Erklärung vorwegschicken: Tropenhelme symbolisieren natürlich die europäische Kolonialherschafft vergangener Zeiten. Eine Sache, die wir heute mit Recht kritisch hinterfragen.  Als ich aber ein kleiner Junge war, lag diese Epoche noch wesentlich näher. Niemand wunderte sich etwa über eine Figur wie „District Officer“ Headley, den Kolonialbeamten in der Serie „Daktari“. Der Trug zwar einen Safarihut und keinen Tropenhelm, repräsentierte aber ganz klar Ihrer Majestät Regierung. Dazu zeigte das Fernsehen noch täglich Filme, wie etwa die 30er Jahre Version des vor wenigen Jahren nochmals verfilmten Romans „Four Feathers“: Darin verliert ein englischer Offizier auf einer Patrouille seinen Tropenhelm, der einen steilen Berg herunterkullert. Helm weg. Wüste! Hitze! Sonnenstich! Was für ein Abenteuer! War das spannend. So einen Hut musste ich unbedingt haben! Und damit fing es an.

Das erste „Sammlerstück“ kam dabei von Ihrer Mutter?

Lange habe ich nach einem Tropenhelm gesucht – konnte aber auf Märkten in Deutschland nie einen finden. Meine Mutter hat mir damals sogar mal Einen genäht. Das fand ich total lieb von ihr. Dann, mit 14, war es soweit. Auf einem Flohmarkt in Cannes, in Südfrankreich, fand ich meinen ersten Tropenhelm. Der hat immer noch einen Ehrenplatz als mein erstes Stück, auch wenn ich den Kauf dieses Dings heute wohl nicht mehr wirklich in Erwägung ziehen würde. Als sich Ende der 90er die online-Märkte auftaten, wurde das Sammeln natürlich einfacher. Immerhin hatte ich damals schon rund 50 Helme. Heute checke ich fast täglich alle in Frage kommenden Webseiten und tausche mich mit anderen, über die ganze Welt verstreuten Sammlern aus. Sammeln ist großartig.

Rarität liegt immer auch im Auge des Betrachters.

Roland Gruschka

Was zeichnet für Sie eine echte Rarität aus?

Eine echte Rarität ist per Definition: Selten! Und sie hat eine besondere Bedeutung. Die erste Uhr meines Vaters ist auch selten, im Sinne der Wissenschaft aber hat sie keine besondere Bedeutung. Rarität liegt immer auch im Auge des Betrachters. Ich will nicht zu viel verraten: Aber gerade im Bereich Zeitmessung haben wir bei den Dreharbeiten bereits eine echte Rarität, ein ganz seltenes Stück vorgeführt bekommen.

Was fasziniert Sie mehr: Das Objekt an sich oder die Geschichte dahinter?

Idealerweise hat man natürlich ein schönes Objekt, dessen Geschichte man auch aus verlässlicher Quelle kennt – oder später zweifelsfrei recherchieren konnte. Das verdoppelt die Freude.

Was ist für Sie eine verlässliche Quelle?

Ich sage absichtlich verlässlich, weil man auf dem Flohmarkt ja gerne geneigt ist, einen Gegenstand der schönen Geschichte halber zu kaufen, die einem der Verkäufer – in bestem Glauben oder einfach, weil er ein guter Verkäufer ist – mitliefert. Man verkauft, so denke ich, die Kaffeetasse, die der Opa aus Frankreich mitgebracht und der späteren Oma zur Verlobung geschenkt hat, eher als nur eine Kaffeetasse ohne Geschichte. Es lohnt sich übrigens immer, den Verkäufer nach dem Kauf – auf dem Markt, aber auch online – noch weiter mit Fragen zu löchern. Dabei kommen oft Informationen zu Tage, die der Verkäufer nicht für relevant hielt. Aber manchmal auch die Tatsache, dass es noch einen Dachboden voll mit ähnlichen Gegenständen gibt. Daraus entwickeln sich gerne auch richtig spannende, weitere Käufe – oder tolle Geschichten.

Wer bekommt die Händlerkarte?

Ohne zu viel zu verraten: War hier schon etwas dabei, mit dem Sie keinesfalls gerechnet hätten?

Mehrere Sachen! Faszinierend ist auch die riesige Bandbreite. Da reiht sich wirklich eine Überraschung an die andere.

Wenn Sie jemanden ohne Fernseher Bares für Rares Österreich erklären müssten, wie würden Sie es angehen?

Geerbt und ewig aufbewahrt, Wochenend-Flohmarktfund mit Gewinnpotential, verblüffend hoher Preis oder überraschender Ladenhüter? „Bares für Rares“ komprimiert Antiquitäten-Rätsel, die sich oftmals über Jahre hinziehen, auf wenige Sendminuten. Mit Auflösung! Dabei bringen Besucher Antiquitäten, die sie verkaufen möchten. Es gibt zwei Studios. In Studio 1 befinden sich Experten für alle Arten von Antiquitäten. Dort legt der Verkäufer seinen Gegenstand dem entsprechenden Experten vor, der diesen prüft und einen Wert nennt. Ist diese Expertise identisch mit dem vom Besucher erhofften Wunschverkaufspreis, oder liegt gar darunter, bekommt der Besucher die so genannte „Händlerkarte“. Das heißt, er darf in das Studio 2. Hier wartet eine Runde von professionellen Antiquitätenhändlern.
Wichtig: Beide Studios sind streng getrennt, weder der Gegenstand noch die Expertise ist den Händlern vorher bekannt. Sie dürfen den Gegenstand nun erneut prüfen und dem Verkäufer Gebote machen.

Wie im richtigen Leben: Alles ist möglich!   

Roland Gruschka über den Reiz von Bares für Rares

Es wird gefeilscht.

Ist der Verkäufer mit einem Gebot einverstanden, bezahlt der Händler sofort in Bar – daher „Bares für Rares“ – und der Gegenstand verbleibt bei ihm. Kommt es zu keiner Einigung, nimmt der Verkäufer den Gegenstand wieder mit. All das geschieht vor laufenden Kameras. Da gibt es einerseits die teils enorme Bandbreite zwischen der eigenen Schätzung der Verkäufer und der der Experten – in beide Richtungen. Dieser Wert wird in der zweiten Runde quasi „auf dem freien Markt“ geprüft: Dabei kann es wiederrum durchaus passieren, dass auch ein an sich sehr wertiger Gegenstand keinen Käufer findet, weil die Händler aktuell keine Absatzmöglichkeit sehen. Andererseits kann der Verkaufspreis auch überraschend hochschnellen, wenn etwa zwei Interessenten konkurrieren oder irgendeine Antiquitätensensation wittern. Wie im richtigen Leben: Alles ist möglich!