Salzburg-Coach Jesse Marsch: „Es hat sich angefühlt wie ein Schwergewichtskampf“. Er ist optimistisch: „Wir können das EL-Turnier gewinnen.“

Der Achtelfinal-Traum in der Fußball-Champions-League ist für Salzburg am Dienstag geplatzt. Eine Stunde lang lag die Sensation gegen Liverpool in einer hochintensiven Partie in der Luft, ehe der Titelverteidiger mit einem Doppelschlag alle Hoffnungen zunichtemachte. „Es hat sich angefühlt wie ein Schwergewichtskampf“, sagte Coach Jesse Marsch, dessen Truppe nun den Europa-League-Titel anvisiert.

Marsch‘ Metapher fasste das sehenswerte Geschehen in der mit 29.520 Zuschauern ausverkauften Red-Bull-Arena gut zusammen. „Wir haben viel geschlagen, sie haben viel geschlagen, und dann hatten sie am Ende zwei mehr“, sagte der US-Amerikaner. Oder in den Worten von Verteidiger Maximilian Wöber: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Es wäre möglich gewesen (zu gewinnen, Anm.), wir haben einen unglaublichen Tag gehabt. Wir können stolz auf diese Leistung sein. Es war ein Spiel, in dem der wahrscheinlich gewinnt, der das erste Tor schießt.“

Und das hätte gerade in der ersten Hälfte auch Salzburg sein können. Den Hausherren, die Platz drei bereits vor Anpfiff sicher und im Gegensatz zu dem vom frühen Aus bedrohten Liverpool also weniger zu verlieren hatten, mangelte es letztlich an Effizienz. Denn die Chancen waren nicht nur aufseiten des Favoriten, für den der spätere Torschütze Mohamed Salah mehrmals vergab. Enock Mwepu, Hwang Hee-chan, Erling Haaland und Takumi Minamino scheiterten jeweils an Liverpools Schlussmann Alisson. Andere gefährliche Aktionen unterband Innenverteidiger Virgil van Dijk. Marsch: „Die sind normalerweise ein Tor oder eine große Chance. Van Dijk hat sehr gut gespielt.“

Salzburg gegen Liverpool: Die Stimmen zum Match

Haaland kam leicht außer Tritt

Haaland, der in seinem sechsten CL-Spiel erstmals ohne Tor blieb, wirkte nicht in Hochform. „Er hatte in den vergangenen zwei Monaten nicht den besten Rhythmus“, betonte Marsch. Der norwegische Jungstar, den angeblich halb Europa jagt, kam wegen einer Erkrankung und eines Knieproblems in den vergangenen Wochen leicht außer Tritt. „Er ist nicht zu 100 Prozent fit. Aber er hatte viele gute Momente“, stellte Marsch dennoch fest.

Ohnehin hatte er für sein Team nach dem Duell nur Lob bereit. „Wir haben gesagt, dass wir unsere beste Leistung brauchen. Und das war – vor dem Gegentor – unsere beste Leistung.“ Angesichts der Höhe der Hürde – mit Van Dijk, Salah und Sadio Mane standen drei der Top-Fünf der Weltfußballerwahl auf der Gegenseite – könne man die Leistung gar nicht hoch genug einschätzen. „Gegen die beste Mannschaft der Welt mit dieser jungen Mannschaft haben wir so gut gespielt.“ Die Entwicklung seiner Truppe in den jüngsten fünf Monaten sei schlicht „Wahnsinn“. Dennoch ortete er weiteres Potenzial: „Wir können noch besser sein.“

Die Umsetzung des taktischen Spielplans jedenfalls erfreute den 46-Jährigen, der im Mittelfeld in Defensivmomenten auf die Rautenformation setzte – im Gegensatz zum 3:4 im „Hinspiel“ in Liverpool diesmal von Beginn an. „Mit Raute funktioniert es gegen Topteams am besten – die Raute gegen den Ball war super“, lobte Marsch. Die Gegentreffer innerhalb von fast genau 100 Sekunden vermochte sein Team aber dennoch nicht zu verhindern. Aus Sicht Red Bulls könnte man das 1:0 (57.) freilich auch als „erfreulich“ bezeichnen. Es war einer Koproduktion von Mane und Naby Keita geschuldet, zweier Ex-Salzburger, deren Entwicklung emblematisch für die Vereinsphilosophie und die Möglichkeiten der jungen Spieler in Wals-Siezenheim stehen.

Salzburg und der verblüffende Herbst

Was bleibt, sind nicht nur 35 Millionen an UEFA-Prämien, sondern auch der Rückblick auf einen verblüffenden Herbst. Just nach einem Umbruchssommer, der den Verlust von sieben Stammspielern und viele Fragezeichen brachte, klopfte der Verein bei der erstmaligen Königsklassen-Teilnahme an der K.o.-Phase an. „Wir haben das richtig geil gemacht“, meinte Kapitän Andreas Ulmer. Auch Außenverteidiger Rasmus Kristensen zeigte sich bei aller Enttäuschung über die Niederlage mit der Gesamtvorstellung höchst zufrieden: „Wir haben Salzburg auf die Champions-League-Landkarte gebracht und den Fußball gespielt, den jeder sehen will. Darauf können wir stolz sein.“

Wenn die Enttäuschung über die verpasste Sensation verflogen ist, kann sich die Marsch-Truppe auf die Europa League konzentrieren, die der Club in der Vergangenheit – notgedrungen – zu „unserem Bewerb“ ausgerufen hatte. Als einer der vier besten CL-Gruppendritten ist man bei der Auslosung am Montag (13.00 Uhr in Nyon) in Topf eins gesetzt – die Gruppensieger der EL fallen damit als mögliche Gegner – ebenso wie fix der LASK weg.

„Es ist ein super Turnier, eine super Gelegenheit für mehr Erfolg und mehr Entwicklung“, meinte Marsch. Der ist optimistisch: „Wir können dieses Turnier gewinnen. Wenn wir uns weiter so verbessern, haben wir eine große Chance.“ Der Weg zu neuerlichen Sternstunden wie 2017/18, als man ins Halbfinale vordrang, ist zumindest deutlich vorgezeichnet. (APA/red.)

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