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Sport und Talk aus dem Hangar-7

Alex Antonitsch: „Da greifst du dir nur mehr am Schädel”

13. Apr.
Person, Human, Finger

Foto: (C) ServusTV/Leo Neumayr

Corona hinterlässt Spuren. Im Bereich des Sports droht eine Generation durch Bewegungsarmut verloren zu gehen. Darüber und über die ServusTV-Initiative „Beweg Dich! Die Bewegung für mehr Bewegung" diskutierten Skilegende Benjamin Raich, ServusTV Tennis-Experte Alexander Antonitsch, Olympiasieger & Sportphilosoph Toni Innauer, fünffacher Snowboard Weltmeister Benjamin Karl, ÖFB-Präsident Dr. Leo Windtner und Mediziner Dr. Günther Beck. Das waren die wichtigsten Aussagen von „Sport und Talk aus dem Hangar-7“:

„Tun alles, um uns im Alltag nicht zu bewegen"

„Der Mensch hat vergessen, dass er ein Lebewesen ist. Dazu gehört die Bewegung und Körperlichkeit, darauf werden die höheren geistigen und emotionalen Fähigkeiten aufgesetzt. Wenn wir den Körper verlieren, verlieren wir einen ganz wesentlichen Teil unserer Identität.“
Toni Innauer beobachtet einen zunehmenden Bewegungmangel.

„Wir haben Autos, Lifte, Straßenbahnen und jetzt auch noch elektrifizierte Roller, um die Last Mile zu bewältigen. Wir tun alles, um uns im Alltag ja nicht zu bewegen.“
Toni Innauer über teils überflüssige Erleichterungen im täglichen Leben.

„Wir haben 150.000 Nachwuchsfußballer in Österreich. Und wir spüren, dass in manchen Regionen 30 Prozent Ausfall herrscht. Das ist erschreckend, denn es ist nicht selbstverständlich, dass wieder eine Rückwanderung stattfindet.“
Leo Windtner fürchtet, dass viele Kinder dem Sport verlorengehen.

„Wir kämpfen mit dem Phänomen, dass sich eine Grauzone bildet. Wir dürfen die Kinder nicht auf die Sportplätze lassen. Auf der anderen Seite wird auf den öffentlichen Flächen, von Parkplätzen bis zu Parkanlagen, unkontrolliert gekickt.“
Leo Windtner über verkehrte Entwicklungen durch behördliche Restriktionen.

„Es gibt ein perfektes Contact Tracing. Alles ist digitalisiert, du musst den Platz online buchen. Schwachsinn ist, dass die Kinder in der Schule getestet werden, aber am Nachmittag nicht mit ihren Freunden Tennis spielen dürfen. Da greifst du dir nur mehr am Schädel.“
Alexander Antonitsch kann einige Regierungsmaßnahmen nicht nachvollziehen.

Benjamin Raichs Appell an die Eltern

„Obwohl die Vereine sehr wichtig sind, müssen Eltern die Bewegung vorleben. Sie dürfen es nicht als Belastung sehen, hinauszugehen oder etwas mit den Kindern zu unternehmen, sondern müssen erkennen, welche Bereicherung der Sport bringt.“
Benjamin Raich richtet einen Appell an die Eltern.

„Wir sind in einem Zeitalter, in dem wir immer älter werden, aber gleichzeitig die Zahl an Gesunden immer weiter abnimmt. Das betrifft auch die Ausgaben für das Gesundheitssystem, das eigentlich ein Krankensystem ist, das sich nur um Reparaturmedizin bemüht.“
Günther Beck über Fehlentwicklungen in der Bevölkerung.

„Wir schneiden den biologischen Ast in aller Seelenruhe ab und müssen ganz bewusst und systematisch etwas dagegen tun. Aber bis uns das Wasser nicht zum Hals steht, werden wir es nicht erkennen. Weil im Tagesgeschäft der Politik gibt es scheinbar wesentlichere Dinge.“
Toni Innauer mahnt die Politik zum Gegensteuern.

„Der Sport steht am Ende der Nutznießer. Als Erster ist die Gesundheit Nutznießer der Bewegung. Auch in der Schule können die Kinder dann mehr aufnehmen.“
Alexander Antonitsch über die positive Wirkung von Bewegung.

„Wir leben in einem Bewegungsapparat, nicht in einem Sitzapparat. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und gewöhnt sich an Bewegung. Wenn wir uns nicht mehr bewegen, geht uns etwas ab. Aber wenn wir nur mehr sitzen und nichts tun, geht uns die Bewegung irgendwann einmal nicht mehr ab.“
Benjamin Karl über eingeprägte Verhaltensweisen.

„Ehrenamtliche haben zum Teil dem Sport den Rücken gekehrt. Sie sind frustriert. Ebenso wird wahrscheinlich eine halbe Generation ausfallen. Man wird regelrecht Marketingaktionen starten müssen, um den Verein wieder interessant zu machen.“
Leo Windtner ruft zu Rückholmaßnahmen auf.

„Beweg Dich! Die Bewegung für mehr Bewegung"

„Jetzt kommt die Zeit, in der man hinaus darf, Kooperationen mit den Schulen und Vereinen finden und den Sport mit Experten schmackhaft machen muss. Deswegen ist diese Aktion sensationell, bei der du nicht 400.000 Formulare ausfüllen musst, dass du dann vielleicht etwas kriegst.“
Alexander Antonitsch freut sich über die ServusTV-Initiative Beweg Dich!

„Ich glaube, dass sich Kinder wahnsinnig gerne bewegen, wenn das Angebot passt und sie es mit ihren Freunden machen können. Wenn wir sie haben, wollen sie es weitermachen. Wir müssen sie nur unten schnappen.“
Alexander Antonitsch sieht in der Digitalisierung nicht den imaginären Feind.

„Wichtig ist in dieser Zeit, dass es einen neuen Start gibt. Die Privatinitiative ist schon sehr gut dotiert. Natürlich wird sie nicht alles lösen. Aber man fühlt sich wertgeschätzt und gesehen. Und man überlegt sich, wie man Kinder zum Verein bringen kann.“
Benjamin Raich über die von der Initiative zur Verfügung gestellten 15 Mio. Euro.

„Meine wage Hoffnung ist, dass in dieser dramatischen Situation schnellere Entscheidungen fallen. Und dass man schneller registriert, dass man nicht auf die nächste Wahl warten kann. Wir bekommen sonst nicht ein sportliches Problem, dass wir weniger Weltmeister haben, sondern ein gesundheitspolitisches und volkswirtschaftliches Problem.“
Toni Innauer über die Folgen von Bewegungsmangel.

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