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Blackhawks-Skandal: „John Doe” spielte auch in Österreich

28. Okt.
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Foto: (C) GEPA pictures/ Daniel Götzhaber

Bereits im Sommer dieses Jahres wurde ein Missbrauchsskandal im Umfeld der Chicago Blackhawks bekannt. Nun wagte ein betroffener Spieler den schwierigen Weg an die Öffentlichkeit.

Im Juni dieses Jahres wurde ein Missbrauchsskandal im 2010er-Stanley Cup-Team der Chicago Blackhawks bekannt. Ein Spieler, bisher in der Ermittlungsakte als "John Doe" geführt, soll vom damaligen Video-Coach Brad Aldrich sexuell missbraucht worden sein. Der Missbrauch fand unter Androhung von körperlicher Gewalt und der Drohung, die NHL-Karriere des Spielers zu ruinieren, statt.

Besagter "John Doe" warf den Blackhawks vor, von den Vorfällen gewusst zu haben. Er habe diese damals sofort gemeldet. Der Club habe damals nicht sofort reagiert, den Gewinn des Stanley Cups in den Vordergrund gestellt. Eine Untersuchung ergab, dass es tatsächlich zu sexuellen Übergriffen kam.

"John Doe" hat Salzburg-, Graz- und Villach-Vergangenheit

Nun wurde bekannt, wer hinter dem Synonym "John Doe" steckt. Es handelt sich dabei um Kyle Beach. Gegenüber dem Sportsender TSN trat er ins Licht der Öffentlichkeit und erzählte seine Geschichte.

Kyle Beach? Da war doch was. Genau. Beach spielte zwischen 2014 und 2018 für den EC Red Bull Salzburg, die Graz99ers und den EC VSV. Heute spielt Beach in der dritten deutschen Liga für die Black Dragons aus Erfurt.

„Es war ein großer Schritt für mich und wichtig, dass ich mich melde und meinen Namen preisgebe", so Beach. Die Vorfälle hätten ihn „von innen heraus zerstört". „Ich will, dass jeder in der Sportwelt und der Welt weiß, dass man nicht allein ist und dass man, wenn einem so etwas passiert, darüber sprechen muss", warnt Beach.

Beach vertraute sich Skating Coach an

Am Dienstag verlasen Rocky Wirtz, Eigentümer und Vorsitzender der Blackhawks, CEO Danny Wirtz und Reid Schar, ein ehemaliger Bundesstaatsanwalt und Partner bei Jenner & Block LL, die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung von Beachs Vorwürfen und gaben bekannt, dass Stan Bowman, der 2010 General Manager war, zurücktritt. In den Ergebnissen der Untersuchung wurde der Spieler als John Doe bezeichnet.

Dem Bericht zufolge behauptete Beach, er sei am 8. oder 9. Mai 2010 von Aldrich sexuell missbraucht worden. Beach sagte, er habe dem Skating Coach Paul Vincent von dem Vorfall erzählt, als Chicago zwischen dem 12. und 19. Mai während des Western Conference Finales gegen die San Jose Sharks in San Jose war. Am 23. Mai, eine Stunde nach dem Einzug Chicagos ins Stanley Cup-Finale fand ein Treffen statt, bei dem der Mental Skills Coach und Teamberater Jim Gary sechs Personen aus der Führungsebene der Blackhawks darüber informierte, was Beach ihm über die Begegnung erzählt hatte.

„Klar ist, dass nach der Unterrichtung über Aldrichs angebliche sexuelle Belästigung und sein Fehlverhalten gegenüber dem Spieler drei Wochen lang keine Maßnahmen ergriffen wurden", so Schar.

Coach Quenneville soll von informiert gewesen sein

Der ehemalige Blackhawks-Trainer Joel Quenneville und der stellvertretende GM Kevin Cheveldayoff sind die einzigen Personen, die angeblich an dem Treffen vom 23. Mai 2010 teilgenommen haben, die aktuell noch in der NHL arbeiten. Bowman trat zurück. Al MacIsaac, Director of Hockey Administration, wurde am Dienstag von den Blackhawks entlassen. John McDonough wurde am 27. April 2020 als Präsident und CEO entlassen. Gary und Senior Vice President Jay Blunk verließen die Blackhawks in dieser Saison.

Quenneville, Trainer der Florida Panthers, und Cheveldayoff, GM der Winnipeg Jets, werden sich mit NHL-Boss Gary Bettman über die Ergebnisse der Ermittlungen unterhalten. Beide haben bestritten, zum Zeitpunkt der Beschwerde von Beachs Behauptungen gewusst zu haben.

„Ich denke, dass der Schritt, den die Blackhawks gemacht haben, ein großer Schritt in die richtige Richtung ist", sagte Beach. „Sie haben die Verantwortung übernommen und die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Wenn auch zu spät und mit Dementis bis gestern. Ich lobe sie für das, was sie getan haben. Ein Teil dieses Prozesses - ich bin nicht sicher, was es war, vor drei oder vier Monaten - die NHL lehnte eine Untersuchung ab. Sie wollten nichts damit zu tun haben. Sie wollten die Sache nicht anfassen. Auch das U.S. Center for SafeSport lehnte eine Untersuchung ab. In den Erklärungen, die in der Pressemitteilung veröffentlicht wurden, hat Stan Bowman Joel Quenneville zitiert, der sagte - und das ist kein Zitat, das sind meine Worte - dass die Playoffs, die Stanley Cup Playoffs, und der Versuch, den Stanley Cup zu gewinnen, wichtiger seien als sexuelle Übergriffe. Und das kann ich nicht glauben. Als Mensch kann ich das nicht glauben, und ich kann das nicht akzeptieren.

„Ich war Zeuge von Besprechungen, die in Joel Quennevilles Büro stattgefunden haben. Gleich nachdem ich James Gary davon berichtet hatte. Er kann auf keinen Fall leugnen, davon gewusst zu haben, und es ist absolut unmöglich, dass Stan Bowman ein solches Zitat gegenüber jemandem erfindet, der seiner Organisation und seinem Team so gut gedient hat."

Zwei Ex-Hawks bestätigten, dass es alle wussten

Beach bestritt auch die Behauptung, dass die Spieler der Blackhawks 2010 nichts von dem angeblichen Vorfall gewusst hätten.

„Das hat sich ziemlich schnell herumgesprochen", sagte er. „Ich glaube, dass jeder in der Umkleidekabine davon wusste. Denn die Kommentare wurden in der Umkleidekabine gemacht, sie wurden auf dem Eis gemacht, sie wurden in der ganzen Arena gemacht. Mit allen möglichen Leuten mit unterschiedlichem Hintergrund - Spieler, Mitarbeiter, Medien, die anwesend waren."

Seine Behauptung, dass alle Spieler Bescheid wussten, wurde von den ehemaligen Blackhawks-Spielern Nick Boynton und Brent Sopel unterstützt.

„Ich glaube beiden zu 100 Prozent, und ich habe mit keinem von ihnen gesprochen, seit ich sie das letzte Mal in einem Trainingslager getroffen habe. Ich kenne sie nicht, habe keine persönliche Beziehung zu ihnen, ich habe ihre Telefonnummern nicht, ich habe nicht mit ihnen gesprochen", sagte Beach. „Dafür, dass sie sich gemeldet haben und die Geschichte bestätigt haben, schulde ich ihnen ein großes Dankeschön, genauso wie Paul Vincent, TSN-Reporter Rick Westhead und vielen, vielen anderen. John Torchetti, ehemaliger Co-Trainer der Blackhawks, meiner Familie und meinen Freunden, die mich unterstützt haben, meiner Freundin Bianca, die jeden Tag für mich da war.

„Fühlte mich krank, als ich Aldrich feiern sah"

„Es war nicht leicht, das alles noch einmal zu durchleben und für die Ermittlungen und den Prozess in diese Erinnerungen zurückzugreifen und meine Geschichte wieder und wieder zu erzählen. Es war das Schwerste, was ich je durchgemacht habe, aber gleichzeitig ist es ein großer Schritt im Heilungsprozess, das ist mir jetzt klar. Aber die Menschen, die sich früh gemeldet haben, ohne etwas zu gewinnen, sind für mich Helden. "

Die Blackhawks gewannen am 9. Juni den Stanley Cup. Aldrich war dabei, um mitzufeiern. Am 14. Juni, so die Untersuchung, meldete McDonough die Informationen an den Direktor der Personalabteilung der Blackhawks, und Aldrich wurde vor die Wahl gestellt, sich einer Untersuchung der Vorwürfe durch Beach zu unterziehen oder zu kündigen. Er entschied sich für den Rücktritt.

Beach sagte, er habe sich „krank gefühlt", als er sah, wie Aldrich die den Cup-Sieg mitfeiern durfte.

„Ich habe das gemeldet und mir wurde mitgeteilt, dass es von 'Doc' Gary die ganze Befehlskette hinaufgetragen wurde und nichts geschah", sagte Beach. „Es war, als wäre sein Leben dasselbe wie am Tag zuvor. Jeden Tag das Gleiche. Und dann, als sie gewannen, sah ich, wie er bei der Parade, den Pokal in die Höhe stemmte, bei den Mannschaftsfotos, bei den Feierlichkeiten, da fühlte ich mich wie nichts. Es gab mir das Gefühl, als würde ich nicht existieren, dass ich nicht wichtig war und … es gab mir das Gefühl, dass er im Recht war und ich im Unrecht. Und das ist auch das, was Doc Gary mir gesagt hat, dass es meine Schuld war. Weil ich mich selbst in diese Situation gebracht habe. Und die Kombination aus all dem und der Tatsache, dass er herumgeführt wurde und dann den Stanley Cup in eine High School mit Kindern bringen durfte, nachdem sie wussten, was passiert war. Es gibt keine Worte, um es zu beschreiben, wirklich nicht."

Wie geht es nach dem „Outing" weiter?

„Ich möchte auf jede erdenkliche Weise dafür sorgen, dass dies nicht noch jemandem passiert. Denn es wird wieder passieren. Ich werde nicht der Einzige sein, egal ob im Eishockey, im Fußball, in jeder Sportart, in jedem Geschäft, in jedem Unternehmen. Es muss ein System geben, das dafür sorgt, dass so etwas behandelt wird. Denn wenn dies jemand anderem als John McDonough oder Joel Quenneville oder Stan Bowman gemeldet worden wäre, der nichts mit dem Gewinn des Stanley Cups zu tun hat, hätte man sich darum gekümmert und alle Betroffenen, die nach mir kamen, geschützt.

„Ich würde also gerne helfen können, gerne für sie eintreten und Betroffene dabei unterstützen, sich zu outen und sich zu melden. Ich würde gerne auf jede erdenkliche Art und Weise helfen und Teil einer Gruppe sein, die ein System entwickelt, um sicherzustellen, dass es in der Sportwelt einen sicheren Ort gibt, an den sich jedes Kind oder jeder Erwachsene, ob männlich oder weiblich, wenden kann, wenn sie in Schwierigkeiten sind oder sich unwohl fühlen. Wo sie nicht verurteilt werden und nicht das durchmachen müssen, was ich durchgemacht habe."

Zwei Millionen Dollar-Strafe für Blackhawks

Die NHL verhängte am Dienstag eine Geldstrafe von 2 Millionen Dollar gegen die Blackhawks, weil sie laut Kommissar Bettman „unzureichende interne Verfahren und eine unzureichende und nicht rechtzeitige Reaktion bei der Behandlung von Angelegenheiten" im Zusammenhang mit den Anschuldigungen angewandt hätten.

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