Causa Djokovic: Endgültige Entscheidung fällt am Sonntag

14. Jan.

Foto: GEPA Pictures / Patrick Steiner

Das Einreise-Theater um Novak Djokovic geht in die nächste Runde: Das Visum des Tennis-Stars wurde für ungültig erklärt - der legt gegen die Entscheidung aber Berufung ein.

Der Fall Novak Djokovic geht in die nächste Runde. Nach dem angekündigten Einspruch seiner Anwälte gegen die erneute Annullierung seines Visums soll nun eine Anhörung vor dem Bundesgericht am Sonntag Klarheit über eine Teilnahme des Tennis-Stars bei den am Montag beginnenden Australian Open bringen. Das entschied Richter Anthony Kelly bei einer Anhörung am Freitag. Titelverteidiger Djokovic ist nach wie vor in der Auslosung und soll am Montag erstmals spielen.

Bis dahin darf Djokovic nicht abgeschoben werden. Für den Weltranglisten-Ersten ist zudem am Samstag um 8:00 Uhr Ortszeit eine Anhörung bei der Einwanderungsbehörde anberaumt. Anschließend kann er sich von 10:00 bis 14:00 Uhr mit seinen Anwälten auf den Gerichtstermin am Sonntag vorbereiten. Bis dahin muss er nicht in Abschiebehaft.

Djokovic muss zu Anhörung erscheinen

Das Visum des ungeimpften Djokovic war zuvor in einer persönlichen Entscheidung von Einwanderungsminister Alex Hawke ein zweites Mal für ungültig erklärt worden. Dies sei gut begründet und "im öffentlichen Interesse", hatte der Minister mitgeteilt. Djokovic ist nicht gegen Corona geimpft und deshalb eine umstrittene Person in dem Land, in dem seit Beginn der Pandemie harte Regeln gelten.

Djokovics Anwalt Nicholas Wood kündigte umgehend einen Einspruch gegen die Entscheidung an und drängte darauf, keine Zeit zu verlieren. "Jede Minute, bevor das Turnier am Montag beginnt, ist kostbar", sagte Wood bei der Anhörung vor Richter Anthony Kelly. Zugleich kritisierte der Jurist, dass die Entscheidung "irrational" und "unverhältnismäßig" gewesen sei.

Richter Kelly war bereits mit dem Fall befasst und hatte am Montag wegen eines Formfehlers der Behörden zugunsten von Djokovic entschieden, nachdem dem 34-Jährigen zunächst die Einreise in Melbourne verweigert worden war.

Zuvor hatte der Immigrationsminister nach vier Tagen seine Entscheidung verlautbart. "Heute habe ich von meinem Recht, das Visum von Herrn Novak Djokovic für ungültig zu erklären, Gebrauch gemacht", teilte Hawke in einer Erklärung mit. "Und zwar auf der Basis, dass es im öffentlichen Interesse ist, so zu handeln." Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sorgfältig alle Unterlagen geprüft, die ihm die Immigrationsbehörden, der australische Grenzschutz und Djokovic vorlegten.

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Umfrage: 83 Prozent für Ausweisung

Bei ihrer Entscheidung weiß die Regierung allerdings die große Mehrheit der Australier hinter sich. Einer Umfrage der Mediengruppe News Corp zufolge befürworten 83 Prozent der Befragten den Versuch, Djokovic wieder des Landes zu verweisen. Die Impfquote in Australien liegt bei 91 Prozent, viele Menschen sind über Ausnahmen für Ungeimpfte empört. Sie hatten sich zudem in der Pandemie massiv einschränken müssen, als sie den weltweit längsten Lockdown über sich ergehen lassen mussten. Zuletzt stieg die Zahl der Neuinfizierten wieder stark an.

Ungeachtet dessen sorgt der Fall Djokovic weltweit für Diskussionen und sogar auch für diplomatische Spannungen zwischen Australien und Serbien. Zudem nahm die weltweite Debatte über Rechte für Ungeimpfte an Fahrt auf. Djokovic gilt als Impf-Skeptiker.

Die ersten Reaktionen von serbischen Medien spiegeln die aufgeheizte Stimmung wider. "Unglaublich, was der (australische) Minister als Begründung angibt: Die öffentliche Gesundheit und das Gemeinwohl. Und das in einem Land, das täglich 150.000 Neuinfektionen hat!", schrieb "telegraf.rs" und befand: "Das ist verrückt!". "Die Verfolgung des Novak", schrieb "blic.rs". Und "informer.rs" sah in einer Karikatur einer australischen Zeitung gar als Beleg für "Lynch-Stimmung".

Bisher keine Reaktion der Australian Open

Geäußert hat sich u.a. auch Andy Murray, der am Freitag in Sydney ins Finale eingezogen ist. "Ich werde nicht hier sitzen und auf Novak hintreten, während er am Boden ist. Wie ich schon gesagt habe, es ist für niemanden eine gute Situation."

Zu keiner Reaktion sahen sich bisher die Veranstalter der Australian Open veranlasst (ab 17. Jänner LIVE bei ServusTV, im Stream & in allen Apps). In der Auslosung auf der Website wird Titelverteidiger Novak Djokovic auch nach wie vor als Nummer eins ganz oben angeführt. Man wird wohl zuwarten, bis Djokovic alle Rechtsmittel ausgeschöpft hat. Bleibt die Entscheidung aufrecht, dann wird der an Position 5 gesetzte Russe Andrej Rublew den Platz von Djokovic einnehmen, und ein Lucky Loser aus der Qualifikation rückt ins Feld auf. Auf der Jagd nach dem Major-Rekord von 21 Titeln verbliebe in Melbourne somit nur noch Rafael Nadal.

Ein Nichtantreten von Djokovic könnte aber auch nachhaltige Auswirkungen auf die Weltrangliste haben. Falls Daniil Medwedew oder Alexander Zverev das Turnier gewinnen, würde der "Djoker" seine Top-Position im ATP-Ranking verlieren.

Ganz unabhängig vom Ausgang der Melbourne-Saga wird auch der Rest des Tennis-Jahres für Djokovic zur Herausforderung, wenn er weiter ungeimpft bleibt. Denn es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Tennis-Veranstalter dem Beispiel Australiens folgen werden und nur geimpfte Profis zulassen. (APA/red.)

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