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„Es ist unvorhersehbar“: Michelin-Reifen geben Rätsel auf

15. Sept.

Foto: Motorsport Images

Reifen-Lotterie in der Königsklasse? In der MotoGP häufen sich Defekte oder Verdachtsmomente auf faule Pneus - noch bleiben die Fahrer diplomatisch, aber ihr Unmut wächst.

Seit der Sommerpause vergeht gefühlt kaum ein Grand Prix, ohne dass sich ein Fahrer nach dem Rennen über die Reifen beklagt. Tenor: Die Pneus fühlten sich ganz anders an als im Training, boten weniger Grip boten oder bauten schneller ab als erwartet. In Silverstone litten beispielsweise Francesco Bagnaia (Ducati) und Joan Mir (Suzuki) darunter.

Und beim Aragon-Grand-Prix am vergangenen Wochenende traf es WM-Leader Fabio Quartararo. "Vom Start weg habe ich gespürt, dass der Hinterreifen nicht normal funktioniert", berichtete der Yamaha-Star, der am Ende mit Platz acht sein zweitschlechtestes Saison-Ergebnis einfuhr.

Bagnaia, der das Rennen in Aragon gewann, war in Silverstone wegen ähnlicher Probleme bis auf Platz 14 durchgereicht worden. Noch vor dem jüngsten Grand-Prix-Wochenende und seinem Triumph am Sonntag verriet er: "Ich hatte die Gelegenheit, mit Michelin zu sprechen. Und auch Ducati hat sich mit ihnen unterhalten."

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Bagnaia bestätigt Reifen-Defekt in Silverstone

"Was ich sagen kann ist, dass Michelin festgestellt hat, dass ich in Silverstone einen Hinterreifen hatte, der nicht konkurrenzfähig war. Das sind Dinge, die passieren können. Aber das Wichtigste ist, dass so etwas nicht wieder vorkommt." Tatsächlich sorgte also ein Reifen-Defekt für Bagnaias schwaches Abschneiden in Silverstone.

Die Daten hätten das eindeutig gezeigt, betonte der Italiener. Er hofft, dass Michelin diese Informationen nutzt, "um künftig eine bessere Einschätzung vornehmen zu können. Auch wenn es schwierig ist zu verstehen, ob ein Reifen gut ist oder nicht, bevor man damit auf die Strecke geht."

Diese Erfahrung musste auch Joan Mir machen. Bei ihm war es der Vorderreifen, der in Silverstone ein besseres Ergebnis verhinderte. Am Ende wurde der Weltmeister Neunter. In Aragon darauf angesprochen, erklärte der Suzuki-Pilot: "Das Team hat mir erklärt, was passiert ist. Und das Einzige, was ich sagen kann ist, dass ich hoffe, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Denn es hat mein ganzes Wochenende beeinflusst. Und es kann auch die ganze Meisterschaft beeinflussen."

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Mir stellt Häufung von Reifen-Problemen fest

Der Spanier wollte auf Nachfrage nicht verraten, was das Team ihm gesagt hatte. Doch er betont: "Es ist nicht so, dass es uns nicht erlaubt wäre, über diese Dinge zu sprechen. Nur ist es so, dass ich für mich glaube, dass Michelin alles Erdenkliche tut, um die Situation bestmöglich hinzubekommen."

"Aber es stimmt, dass in den letzten Rennen nicht nur ich, sondern auch andere Fahrer sehr unter dieser Geschichte gelitten haben. Wenn so etwas einmal passiert, o.k., dann beschwert man sich nicht. Aber wenn es öfter vorkommt ist es schwieriger, den Mund zu halten", gab Mir zu. Erklären kann auch er sich die Häufung nicht.

Die Probleme kämen dabei von jetzt auf gleich: "Es ist so unvorhersehbar. Normalerweise spart man sich einen Reifen für den Sonntag auf. Und man muss davon ausgehen, dass dieser Reifen funktionieren wird. Für gewöhnlich ist das auch der Fall. Aber manchmal passiert etwas - und dann ist der Grip nicht das, was wir erwartet haben."

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Sind Qualitäts-Unterschiede die Ursache?

"Und das passiert nicht nur am Sonntag, sondern auch am Freitag. Das macht es schwierig. Denn man arbeitet am Set-up des Motorrads, verbessert es - und wechselt dann auf einen anderen Reifen. Nur: Wenn der nicht den gleichen Grip bietet, dann verändert sich das ganze Motorrad. Und dann muss man wieder von vorne anfangen. Dafür ist die Trainings-Zeit, die wir haben, einfach nicht ausreichend."

Einen Vorwurf will Mir Michelin deshalb nicht machen. "Aber es stimmt schon, dass es in den letzten Rennen schlimmer wurde, vorher war das nicht so. Ich denke also, dass in den letzten Rennen aus irgendeinem Grund etwas passiert ist. Weil wir diese Veränderung des Grip-Niveaus in dieser Form einfach nicht gewohnt sind."

In der Sicherheitskommission wird das Thema Reifen aus diesem Grund seit längerem diskutiert, verriet Mirs Teamkollege Alex Rins in Aragon: "Wir sprechen jedes Mal darüber - über vorgewärmte Reifen, über die Qualität der Reifen. Aber ist es sehr schwierig, viele Reifen mit genau der gleichen Qualität herzustellen."

Vorgewärmte Reifen weiter in der Kritik

Doch nicht nur mögliche Qualitätsunterschiede bei der Produktion, sondern auch vorgeheizte Reifen bleiben ein Streit-Thema. Während Michelin darauf besteht, dass kein negativer Effekt damit einhergeht, wenn schon einmal aufgewärmte Reifen noch einmal auf Temperatur gebracht werden, äußerten sich einige Fahrer in der Vergangenheit kritisch.

So erklärte Alex Marquez (LCR-Honda) unlängst: "Jeder hat schon das eine oder andere Problem in dieser Hinsicht gehabt. Aber Michelin arbeitet daran und reduziert auch die Menge an vorgeheizten Reifen, was wichtig ist. Wir fahren in einem hochentwickelten Sport und brauchen die besten Gummis. Schließlich geht es auch um die Sicherheit."

"Wenn man sich darauf verlässt, dass der Reifen viel Grip bietet und dann stürzt, ist das ein Problem. Aber Michelin verbessert sich. Die Hinterreifen sind manchmal sogar zu gut. Es wäre vielleicht sinnvoll, in der Produktion weniger gut und dafür konstanter zu sein. Aber sie hören sich unser Feedback an und leisten gute Arbeit."

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