Fall Djokovic: Alle wichtigen Fragen & Antworten

12. Jan.

Foto: GEPA Pictures / Patrick Steiner

Mit immer neuen Entwicklungen hält die Einreise-Posse um Novak Djokovic die Sport-Welt in Atem. Und noch immer ist unklar, ob der Serbe in Australien spielen kann oder nicht.

Die Australian Open 2022 haben noch gar nicht begonnen, da sorgt das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres (ab 17. Jänner LIVE bei ServusTV, im Stream & in allen Apps) schon für Schlagzeilen. Im Mittelpunkt: Novak Djokovic, die Nummer eins der Tennis-Welt und zentrale Figur eines immer absurderen Einreise-Theaters, das die Sport-Welt so noch nicht gesehen hat. Eine Bestandsaufnahme.

Was ist bisher alles passiert?

Novak Djokovic war nach der Landung am späten Mittwochabend die Einreise nach Australien verweigert worden. Er konnte den Grenzbehörden keine ausreichenden Belege für eine medizinische Ausnahme-Genehmigung zur Umgehung der Corona-Impfpflicht vorlegen. Die Anwälte des Weltranglisten-Ersten legten Einspruch ein, Djokovic selbst saß vier Tage in einem Quarantäne-Hotel fest, ehe ein Richter am Montag wegen eines Verfahrensfehlers die Annullierung seines Visums aufhob. Ob der Rekord-Champion der Australian Open aber tatsächlich in Melbourne teilnehmen kann, ist immer noch offen.

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Welche Ungereimtheiten gibt es?

Vor allem der positive PCR-Test vom 16. Dezember, mit dem Djokovic seine Ausnahme von der Impfpflicht begründet, wirft Fragen auf. Laut Gerichts-Unterlagen stand das Ergebnis am Abend fest. An den folgenden beiden Tagen nahm Djokovic aber an Veranstaltungen teil, bei denen ihn Fotos zumindest teilweise ohne Maske zeigen. Zudem gibt es Zweifel an der Authentizität des positiven Tests. Ein Antikörper-Test, auf den Djokovic gegenüber den Grenzbeamten verwies, ist in der eidesstattlichen Erklärung nicht zu finden. Darüber hinaus machte Djokovic auf seinem Einreisebogen eine falsche Angabe zu seinen Reise-Aktivitäten vor dem Flug nach Melbourne.

Was sagt Novak Djokovic?

Der Tennis-Star meldete sich am Mittwoch in einem Instagram-Posting zu Wort. Darin wehrte er sich gegen "Fehlinformationen", gab aber auch eigene Fehler zu. Am 17. Dezember bei einem Termin mit Kindern habe er noch nicht vom positiven Corona-Befund gewusst und einen Schnelltest absolviert, der negativ ausgefallen sei. Dass er tags darauf an einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" mit anschließendem Fotoshooting trotz Kenntnis des positiven PCR-Tests teilgenommen habe, sei eine "Fehleinschätzung" gewesen. Für den Fehler im Einreisebogen sei sein Management verantwortlich. Auf den Manipulations-Verdacht bei seinem Testergebnis ging er nicht ein.

Welche Konsequenzen drohen?

Noch immer steht der erneute Entzug des Visums und die Ausweisung aus Australien im Raum. Einwanderungsminister Alex Hawke prüft dies aufgrund der umstrittenen Ausnahme-Genehmigung von der Impfung. Laut den Zeitungen "The Sydney Morning Herald" und "The Age" würden sich nun durch die neuen Unstimmigkeiten aber auch charakterliche Fragen stellen. Bei einem annullierten Visum drohen bis zu drei Jahre Einreiseverbot. Und auch daheim in Serbien droht Djokovic Ungemach. Premierministerin Ana Brnabic erklärte gegenüber der "BBC", es sei ein "klarer Verstoß" gegen die Isolationsregeln, wäre der Tennis-Star im Wissen um ein positives PCR-Ergebnis in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Das ist weiter ungewiss. Eigentlich wurde eine Entscheidung des Einwanderungsministers am Mittwoch erwartet. Doch Djokovics Anwälte legten zusätzliche Informationen vor, die das Verfahren jetzt erneut hinauszögern. Laut australischen Medien wolle sich Minister Hawke nicht unter Zeitdruck setzen lassen und das ordnungsgemäße Verfahren durchlaufen, auch wenn sich dies noch über Tage hinziehe. Die Australian Open beginnen am Montag.

Welche Folgen hätte eine Ausweisung für Djokovic?

Für Djokovic wäre es ein herber Rückschlag bei der Jagd nach dem 21. Grand-Slam-Titel, mit dem er Roger Federer und Rafael Nadal in der Bestenliste überholen würde. In Melbourne ist der Serbe mit neun Titeln Rekordsieger und wäre auch in diesem Jahr einer der großen Favoriten. Sollte er die Australian Open nicht spielen können, droht ihm zudem der Verlust der Top-Position in der Weltrangliste, die Djokovic seit knapp zwei Jahren ohne Unterbrechung innehat. Mit dem Titel in Melbourne könnten Olympiasieger Alexander Zverev oder US-Open-Champion Daniil Medwedew am Serben vorbeiziehen. (SID/red.)

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