MotoGP World Championship

Feilschen um Preis des Windschattens: Miller und Marquez lachen über Q1

6. Juni 2021

Foto: (c) Motorsport Images

In Mugello hatte sich Marc Marquez im Qualifying das Hinterrad von Maverick Vinales gesucht. Nun war es in Barcelona in Q1 das Hinterrad von Jack Miller.

Als beide gemeinsam die Boxengasse entlang fuhren, war klar, was sich da anbahnen würde. Miller deutete Marquez, wie viel er für den Windschatten bezahlen würde.

Diese Geste hatte eine Vorgeschichte, wie der Honda-Fahrer nach dem Qualifying verrät: "Gestern habe ich mit Miller in der Clinica Mobile gescherzt. Ich war 15. und er hat zu mir gesagt: 'Wie viel würde ich ihm zahlen?'."

"Alle Honda-Fahrer haben auf jemanden gewartet. Dieser schnellste Mann war Miller. Natürlich hat er mir gedeutet, wie viel ich ihm zahle", lacht Marquez. "Ich habe ihm signalisiert, dass wir später darüber sprechen."

Miller sieht die Situation gelassen

Und wie viel kostet der Windschatten von Miller? "Der erste Windschatten ist gratis", meint der Australier. Im Gegensatz zu Yamaha, die in Mugello über die Marquez-Taktik verärgert waren, nimmt Miller die Situation gelassen hin.

"Nein, das stört mich nicht. Es ist eine Einstellungssache. Wenn man nur an den Kerl dahinter denkt, dann ist man schon verloren", sagt "Jackass". "Wichtig ist in dieser Situation, dass man sich auf seine eigene Aufgabe konzentrieren muss. Wenn jemand dahinter ist, dann ist das eben so."

"Ich kann das nicht kontrollieren. Jeder kann wem auch immer nachfahren. Aber zumindest wollte ich einen Scherz darüber machen. Jeder war schon einmal in dieser Situation. Fabio vielleicht weniger, aber alle kennen die Situation, wenn man etwas extra braucht."

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Warum sich Marquez nicht über Q1-Aus ärgert

Miller stellte in Q1 die Bestzeit auf und schaffte es in Q2 als Zweiter in die erste Startreihe. Marquez schied in Q1 als Dritter aus. Zwischen die beiden hatte sich noch Pol Espargaro gequetscht, der seine Runde wenige Meter hinter Miller und Marquez gedreht hat.

"Ich freue mich für ihn, weil er in Q2 Zweiter wurde", sagt Marquez zu Millers Ergebnis. "Ich habe meinen Job gemacht. Ich bin nicht sehr enttäuscht, dass ich es nicht ins Q2 geschafft habe. Es ändert nicht viel, ob ich als Elfter oder als 13. starte."

"In Mugello bin ich ins Q2 gekommen und bin als Zwölfter gestartet. Das ist praktisch gleich." Sein Teamkollege Espargaro stürzte in Q2 und wurde Zwölfter. Somit qualifizierte sich kein Honda-Fahrer in den Top 10. Das LCR-Duo war ebenfalls in Q1 gescheitert.

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Honda im Qualifying am Limit

"Es ist klar, dass wir nicht gut und nicht schnell sind", sagt Espargaro offen. Zur Thematik "Hinterradlutscher" sagt er: "Wenn man nicht schnell ist, kann man nicht alles alleine machen. Wenn man jemandem folgt, gewinnt man vielleicht eineinhalb Zehntelsekunden."

Die Zeitabstände waren in Q1 sehr eng. Espargaro fehlten nur 0,017 Sekunden auf Miller. Marquez hatte auch nur 0,028 Sekunden Rückstand. Deshalb müssen die Fahrer jede Chance nutzen, die sich ihnen derzeit bietet.

"Wenn alles so eng ist, muss man jemandem nachfahren, weil wir nicht schnell genug sind", hält Espargaro fest. "Das Motorrad ist nicht bereit, um alleine eine Rundenzeit zu fahren. Das ist die Wahrheit. Wir Fahrer probieren alles, aber ich hasse das. Ich will niemandem nachfahren."

"Wenn man das tun muss, dann ist man nicht relaxt. Man kann sich nicht selbst verbessern. Man macht einfach das, was der Fahrer vor einem macht. Man verbessert dabei nichts, nur die Rundenzeit. Das ist nicht der richtige Weg, aber momentan müssen wir das tun. Ich hasse das."

Wie kritisch die RC213V am absoluten Limit ist, verdeutlichte dann Espargaros Sturz in Q2: "Ich muss überall ans Limit gehen. Wenn man das einmal machen muss, ist es okay. Zwei- oder dreimal ist zu viel." Am Montag wartet in Barcelona ein für Honda sehr wichtiger Testtag.

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