FIA Formula One World Championship

Formel 1: Lewis Hamilton gewinnt Chaos-Rennen in Jeddah

5. Dez.

Foto: GEPA pictures/ XPB Images/ Charniaux

Die WM-Entscheidung in der Formel 1 ist vertagt: Lewis Hamilton gewinnt das Chaos-Rennen in Jeddah. Nun geht es punktegleich nach Abu Dhabi!

Strategiepoker, Basar, Farce, böses Foulspiel: Die Formel 1 hat ihr Herzschlagfinale bekommen. Aber wie! Lewis Hamilton und Max Verstappen gehen in der engsten WM-Saison der Geschichte punktgleich ins letzte Saisonrennen. Über die Umstände wird aber noch lange gesprochen werden. In einem denkwürdigen Rennen berührten sich die beiden prägenden Figuren der hochspannenden Saison beim "Versuch", die Plätze zu tauschen. Und berührten sich, weil Verstappen den Rekordchampion regelrecht auffahren ließ.

Letztlich gewann Mercedes-Star Hamilton vor seinem Rivalen. Der Niederländer könnte im Nachgang aber noch eine Strafe kassieren. Red-Bull-Star Verstappen ist WM-Spitzenreiter, weil er einen Sieg mehr auf dem Konto hat. Für Abu Dhabi gilt aber: Wer vor dem anderen in den Punkterängen ins Ziel fährt, ist Weltmeister.

"Ich fahre schon lange Rennen, aber das war unglaublich hart", sagte Hamilton. "Ich habe nicht verstanden, was bei der Berührung passiert ist. Es war ein bisschen verwirrend." Verstappen sprach von einem "ereignisreichen" Rennen. "Es ist viel passiert, mit dem ich nicht einverstanden bin. Ich habe versucht, auf der Strecke alles zu geben." 

Rang drei ging an Hamiltons Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas. Ex-Weltmeister Sebastian Vettel (Aston Martin) musste seinen Aston Martin nach mehreren Kontakten mit Kontrahenten vorzeitig abstellen. Haas-Pilot Mick Schumacher schied nach einem Unfall aus. Damit setzte er die eigenartige Dynamik dieses 21. Saisonrennens in Gang.

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Nach seinem Crash im Qualifying, der ihn Startplatz eins gekostet hatte, blieb Verstappen vor dem Rennen von weiteren schlechten Nachrichten verschont. Red Bull war der Ansicht, das Getriebe im Rennwagen mit der Nummer 33 nicht austauschen zu müssen. Verstappen wurde damit eine Rückversetzung in der Startaufstellung von Rang drei auf acht erspart.

"Ich bin immer noch hier, um zu gewinnen", betonte der 24-Jährige nach seinem Fehler, für den er die volle Verantwortung übernahm. Und mit dem er Mercedes einen auf den Startplätzen eins (Hamilton) und zwei (Valtteri Bottas) taktischen Vorteil schenkte.

Der gerade rechtzeitig fertiggestellte Hochgeschwindigkeits-Stadtkurs mit seinen vielen Mutkurven ist zwar selektiv, er bietet aber kaum Überholmöglichkeiten. Dafür ist die Strecke gefährlich, wie mehrere Unfälle in der Formel 2 und auch im freien Training gezeigt hatten.

Formel 1: Schumacher-Crash in Runde 10

Beim Start zügelten sich die Fahrer wohl auch deswegen, auf den ersten fünf Plätzen gab es keine Veränderungen. Der Mercedes-Plan ging zunächst voll auf: Hamilton setzte sich bei freier Fahrt ab, Verstappen kam nicht an dessen "Bodyguard" Bottas heran.

Dann allerdings crashte Schumacher in der 10. von 50 Runden. "Ich bin zu schnell in die Kurve rein und habe das Heck verloren", sagte er knapp. Das Safety-Car rückte aus. Hamilton holte sich neue Reifen, während Verstappen ins Risiko ging und weiterfuhr. Es zahlte sich aus: Die Bande war nach Schumachers Unfall nach Ansicht der Rennleitung so stark beschädigt, dass das Rennen unterbrochen wurde. Verstappen durfte nun ohne Zeit- und Positionsverlust seinen Reifenwechsel vornehmen. Hamilton war bedient.

Nach dem Restart kamen die Wagen nicht mal eine Runde weit: Nikita Masepin (Haas), Verstappen-Teamkollege Sergio Perez und George Russell (Williams) schieden nach Unfällen aus. Wieder wurde unterbrochen. An der Spitze blieb Verstappen vor Hamilton - allerdings, indem er die Strecke verließ.

Feilscherei wie auf dem Basar

Deswegen startete Verstappen beim dritten Versuch nur von Rang drei hinter Esteban Ocon im Alpine und Hamilton. Vorangegangen war eine Feilscherei wie auf dem Basar zwischen Rennleiter Michael Masi und dem Red-Bull-Kommandostand. Hätte Red Bull nicht akzeptiert, wären die Rennkommissare eingeschaltet worden. Dennoch hinterließ die "Verhandlung" am Funk in aller Öffentlichkeit einen Beigeschmack.

Von Rang drei sprintete Verstappen unbeeindruckt an die Spitze. Hamilton hing eine Runde hinter Ocon fest, ehe er sich auf die Jagd nach seinem WM-Rivalen machte. Lange konnte sich Verstappen verteidigen, in Runde 37 allerdings nicht mehr mit fairen Mitteln. Dann stellte sich Verstappen regelrecht in den Weg, als er Hamilton vorbeilassen sollte. Der Niederländer machte auch in der Folge keine Anstalten, bis Hamilton ihn auf der Strecke passierte.

Formel 1: Punktegleich ins Finale

Für Hamilton war es der 103. Sieg seiner Karriere und der achte der Saison. Der Brite zog in der Fahrerwertung nach Punkten mit Verstappen gleich.

Hamilton strebt seinen achten Titel an, mit dem er sich in der ewigen Bestenliste die alleinige Führung holen würde. Michael Schumacher (Kerpen) hatte zwischen 1994 und 2004 ebenfalls sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Verstappen würde als erster Niederländer den Formel-1-Thron besteigen. (SID/red.)

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