FIA Formula One World Championship

Formel 1: Wolff warnt Russell nach Imola-Crash

19. Apr. 2021

Foto: GEPA Pictures / XPB Images / Moy

Der spektakuläre Highspeed-Crash von Imola und die Folgen: Teamchef Toto Wolff droht Mercedes-Junior George Russell mit der Abschiebung in den "Clio Cup".

Nach dem Riesen-Crash in Imola hat Mercedes-Teamchef Toto Wolff eine Warnung an George Russell ausgesprochen. Der derzeit im Williams sitzende Mercedes-Junior und Mercedes-Stammpilot Valtteri Bottas hatten bei dem Unfall einen Trümmerhaufen hinterlassen und für eine Renn-Unterbrechung gesorgt. Der Vorfall könne sogar die teure Weiterentwicklung der Mercedes-Autos beeinflussen, ärgerte sich Wolff.

Freude pur herrschte dagegen im Team von Sieger Max Verstappen. "Wir sehen, es ist ein Duell auf Augenhöhe. Das wird sicher ganz, ganz spannend über die Saison werden", sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko, nachdem Verstappen mit einem Fabel-Start von Platz drei aus alle inklusive Pole-Mann Lewis Hamilton hinter sich gelassen und später in dem chaotischen und unfallträchtigen Rennen auf dem Weg zu seinem elften Grand-Prix-Sieg kühlen Kopf bewahrt hatte.

Wäre Weltmeister Hamilton nicht trotz seines selbst verschuldeten Ausritts noch Zweiter geworden und hätte zudem nicht noch kurz vor Ende des Rennens die schnellste Runde gefahren, hätte Red Bull erstmals seit 2013 wieder einen Fahrer an der Spitze der WM-Wertung gehabt.

Highspeed-Crash mit 300 km/h

Tagesgespräch war aber der spektakuläre Unfall zwischen Bottas und Russell. Der britische Nachzügler wollte im Kampf um Platz neun mit 300 km/h am Finnen vorbei. Dabei flogen beide kurz vor der vom Regen noch feuchten Tamburello-Kurve ab. Jener Kurve, in der einst Ayrton Senna tödlich verunglückte und Gerhard Berger um ein Haar verbrannt wäre. "Willst Du uns beide umbringen?", soll Russell den noch im Cockpit sitzenden Finnen gefragt haben. Sichtbar war, dass der 23-jährige Engländer dabei auch gegen das Auto schlug, während Bottas ihm den Stinkefinger zeigte.

Russell gehört zum Silberpfeil-Nachwuchs-Programm und hätte letzte Saison als Hamilton-Erstatz fast in Bahrain gewonnen. Er wird auch als potenzieller Nachfolger von Bottas bei Mercedes gehandelt. "Ich hatte Windschatten. Und als ich ausscherte, zuckte Valtteri ganz leicht, was mich von der Linie abbrachte und ins Nasse beförderte", kritisierte Russell. "Das hätte er vielleicht nicht gemacht, wenn ich ein anderer Fahrer wäre", mutmaßte er. Bottas sah sich dagegen frei von Schuld: "Es war eindeutig sein Fehler, seine Wut kann ich deshalb nicht nachvollziehen."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff befand, dass "definitiv die Tendenz in Richtung Fehlverhalten von George" ging. "Das ist alles nicht lustig. Nach dem Cost-Cap ist der Totalverlust eines Autos das letzte, was wir brauchen", wetterte der Österreicher. Und deutete damit an, dass die Folgen des aus seiner Sicht völlig unnötigen Zwischenfalls äußerst kostspielig sind. Zwar sei Bottas' Wagen reparierbar. "Möglicherweise wird das einige geplante Upgrades aber unmöglich machen."

"Valtteri hatte miserable 30 Runden"

Laut Wolff hätte Russell bedachter fahren müssen. "Aber es hätte die ganze Situation nie geben dürfen. Valtteri hatte miserable erste 30 Runden und hätte gar nicht dort sein sollen. Und George hätte in dem Wissen, dass die Strecke auftrocknet, dieses Manöver nie starten dürfen", redete der Wiener an beide Kontrahenten adressiert Klartext.

Gerade junge Fahrer dürften die globale Perspektive nie verlieren, betonte Wolff. Und bezog sich darauf, dass Russell nicht irgendein Auto, sondern einen Mercedes angegriffen hatte. Also ein Gefährt, in dem er selbst möglichst bald sitzen und Weltmeister werden möchte.

Gegenüber Sky brachte Wolff das Thema deshalb humorvoll zu Ende: "Ich necke George immer, dass er bei einem gut gemachten Job irgendwann im Mercedes fahren wird. Wenn aber nicht, dann eher im Renault Clio Cup. Derzeit schaut es eher nach Clio Cup aus."

Enges Rennen an der WM-Spitze

Nach Siegen von Hamilton in Bahrain und Verstappen in Imola führt der Brite nach zwei von 23 geplanten WM-Rennen nur noch einen Zähler vor dem Niederländer. "The Guardian" brachte das wie folgt auf den Punkt: "Hamilton und Verstappen haben jetzt je einen Sieg und einen zweiten Platz. Aber der Weltmeister führt im Titel-Rennen um einen Punkt - dank seiner schnellsten Renn-Runde in Imola. Er gab zu, dass ein Ausscheiden nach seinem Fehler die Hoffnungen auf einen achten Titel hätten beeinträchtigen können."

"Lewis' unglaubliche Fahrt hat uns gerettet", lobte auch Wolff seinen Star-Piloten, der sich nach einem Ausrutscher mit gefühlvoller Fahrt im Rückwärtsgang selbst aus dem Kies befreit hatte. Hamilton gab zu: "Ich bin auch nur ein Mensch, wir alle machen Fehler." (APA/red.)

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