Fußball: DFB-Boss Keller tritt mit Rundumschlag zurück

17. Mai 2021

Foto: GEPA Pictures / Witters / Valeria Witters

Was schon erwartet wurde, ist jetzt offiziell: DFB-Präsident Fritz Keller tritt wie angekündigt von seinem Amt zurück - und rechnet dabei schonungslos mit dem Verband ab.

Der bisherige DFB-Präsident Fritz Keller ist am Montag wie angekündigt zurückgetreten. "Ich übernehme damit persönlich Verantwortung für meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll", erklärte der 64-Jährige laut einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes. Der DFB müsse "sich verändern".

Interimsweise wird der tief in der Krise steckende Verband bis auf Weiteres von den beiden Vize-Präsidenten Rainer Koch (62) und Peter Peters (58) geführt, wie der DFB bereits letzte Woche mitgeteilt hatte. Keller war wegen seiner Nazi-Äußerung gegen Koch während einer Präsidiumssitzung Ende April massiv in die Kritik geraten.

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Keller nach Nazi-Vergleich in der Kritik

Der frühere Präsident des SC Freiburg hatte Koch als "Freisler" bezeichnet. Roland Freisler war Vorsitzender des Volksgerichtshofs im Nationalsozialismus. Am vergangenen Freitag verhandelte die Ethikkammer des Sportgerichts in der Sache, ein wird wohl diese Woche fallen. Einfluss auf die Rücktritts-Entscheidung hat es nicht mehr.

Keller nutzte seinen Abgang für eine Generalabrechnung mit dem Verband. "Der DFB muss sich verändern. Er muss seine Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in seine Integrität und Leistungsstärke zurückgewinnen. Doch ob es bei der Durchführung einer Generalinventur war, bei Professionalisierung und Modernisierung von Strukturen einschließlich einer schnellstmöglichen Ausgliederung des gewerblichen Geschäftsbetriebes des DFB: In jeder Phase der Umsetzung dieser Grundsätze stieß ich innerhalb des DFB auf Widerstände und Mauern“, erklärte er rückblickend.

Keller-Nachfolge noch völlig offen

Keller ist nach Wolfgang Niersbach (70) im November 2015 und Reinhard Grindel (59) im April 2019 der dritte DFB-Präsident, der sein Amt innerhalb kurzer Zeit wegen eigener Verfehlungen räumen muss. Koch steigt deshalb zum dritten Mal zu einem von zwei Interims-Chefs auf. Der Präsident des Bayerischen und Süddeutschen Fußball-Verbands gilt als eine der Schlüsselfiguren im Machtkampf, der seit Monaten innerhalb der DFB-Führung tobt. Koch hat angekündigt, beim nächsten Bundestag, voraussichtlich Anfang 2022, nicht zur Wiederwahl antreten zu wollen. Ob er ein anderes Amt anstrebt, ist offen.

Kellers weitere Widersacher, Generalsekretär Friedrich Curtius (44) und Schatzmeister Stephan Osnabrügge (50), haben ebenfalls ihren Rückzug angekündigt. Mit Curtius verhandelt der DFB über einen Auflösungs-Vertrag, Osnabrügge will wie Koch nicht zur Wiederwahl antreten.

Wer auf Keller folgt, ist völlig offen. Gehandelt werden unter anderem die Namen von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge (65) und Rio-Weltmeister Philipp Lahm (37). Zuletzt wurde auch Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (42) ins Spiel gebracht. Keller war 2019 von einer Findungs-Kommission des DFB und der Deutschen Fußball Liga vorgeschlagen worden. Der 64-Jährige wurde bei seiner Wahl im September vor zwei Jahren als großer Erneuerer gefeiert. (APA/red.)

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