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Fußball-EM: DFB-Team fordert Frankreich zum Klassiker

15. Juni
KLAGENFURT,AUSTRIA,02.JUN.18 - SOCCER - OEFB international match, Austria vs Germany, friendly match. Image shows head coach Joachim Loew (GER).

Foto: GEPA Pictures / Daniel Goetzhaber

Dieses Match wäre auch ein würdiges Finale: Die beiden Weltmeister Deutschland und Frankreich duellieren sich im ersten Gruppenspiel - mit dabei viele Bayern-Profis hüben wie drüben.

Deutschland gegen Frankreich - dieser Klassiker der beiden Fußball-Großmächte bildet den Abschluss der ersten Gruppenspiele der EM-Endrunde. Der Weltmeister von 2014 trifft am Dienstagabend in München auf den amtierenden Champion. Bundestrainer Joachim Löw geht zum Abschluss seiner Ära als Nationalcoach noch einmal auf den Titel los. Und bei den Franzosen will Didier Deschamps als Coach das schaffen, was ihm schon als Spieler gelang.

1998 und 2000 führte Deschamps die Equipe Tricolore als Kapitän zu Triumphen bei WM und EM. Die Qualität seiner Profis um die Top-Stürmer Kylian Mbappe und Antoine Griezmann, Mittelfeld-Motor N'Golo Kante oder Paul Pogba kann sich sehen lassen. Mit dem Comeback von Karim Benzema wurde die hochklassig besetzte Offensiv-Abteilung noch einmal aufgewertet. Die Deutschen wollen Teamgeist dagegenhalten. Verteidiger Antonio Rüdiger von Champions-League-Sieger Chelsea glaubt: "Auf dem Papier sieht Frankreich stärker aus, was die Namen angeht. Aber das ist nur Papier." Beide Teams haben seit Einführung der Gruppenphase noch nie ein EM-Auftaktspiel verloren.

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"Sind eigentlich weiter"

In Gruppe F von null auf hundert

In der fordernden Gruppe F ist ein beschaulicher EM-Start nicht drin. Mit Europameister Portugal ist noch ein dritter Titel-Kandidat mit von der Partie. Außenseiter Ungarn wird aller Voraussicht nach die Rolle des Punkte-Lieferanten zuteil. "Der größte Gegner ist erstmal die Gruppe. Die zu überstehen, wäre schon mal ein Statement", sagte Deutschlands Toni Kroos über die Ausgangslage. Löw geht 14 Jahre, neun Monate und 30 Tage nach seinem ersten Spiel als Bundestrainer "mit sehr viel Vorfreude und einem gesunden Optimismus in das Turnier", betonte er.

"Das ist gleich ein Knaller-Spiel. Für Deutschland und auch für uns", sagte Deschamps in der Pressekonferenz am Montagnachmittag. Während der Coach der Franzosen aber glaubt, dass am Dienstag noch keine Entscheidung über das Weiterkommen fällt, misst sein Kapitän Hugo Lloris der Partie größere Bedeutung bei. "Das ist gleich ein Schlüsselspiel. Wenn wir Geschichte schreiben wollen, müssen wir direkt da sein."

Deutschland bestreitet gegen Frankreich das 50. Spiel bei einer EM-Endrunde seit 1972. Keine andere Mannschaft war so oft bei einem Kontinental-Turnier im Einsatz. Nur zwölf Partien gingen für den dreifachen Europameister verloren, die bisher letzte beim 0:2 im Halbfinale 2016 gegen Frankreich. Bei der WM in Brasilien hatte sich zwei Jahre zuvor im Viertelfinale Deutschland durchgesetzt (1:0). Vor dem nächsten Vergleich tauschten die Kontrahenten Nettigkeiten aus.

Klassentreffen der Bayern-Stars

"Das wird ein schweres Spiel gegen eine starke Mannschaft", befand Frankreichs Benjamin Pavard. "Sie haben große Spieler wie Thomas Müller zurückgeholt und viele gute, junge Leute." Der Rechtsverteidiger kennt das Geläuf. Pavard spielt für den FC Bayern, wie aus Frankreichs Aufgebot auch Lucas Hernandez, Corentin Tolisso und Kingsley Coman. Neben Pavard dürften auch Hernandez und Tolisso in ihrer Club-Heimstätte beginnen.

Theoretisch könnte es sogar sein, dass die Franzosen mit ebenso vielen Bayern-Spielern auflaufen wie Deutschland. Neben dem ins Nationalteam zurückgekehrten Müller gelten auch Torhüter Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Serge Gnabry in Löws auserkorenem 3-4-3-System als gesetzt. Club-Kollege Leon Goretzka ist noch nicht wieder völlig fit. Das 7:1 im letzten EM-Test gegen Lettland war ob der Stärke des Gegners nur bedingt aussagekräftig. Dessen waren sich auch die Deutschen bewusst.

Frankreich setzt wieder auf Karim Benzema. Fast sechs Jahre nach seinem Rauswurf wurde der 33-Jährige von Real Madrid (30 Saison-Tore) mit offenen Armen empfangen. Der Verlierer ist Olivier Giroud, der seinen Platz in der Sturmspitze verloren hat. Der Chelsea-Profi sorgte mit einem unnötigen Zwist mit Jung-Star Mbappe für Verstimmung im Lager des Weltmeisters.

Frankreich-Star Giroud sorgt für Ärger

Dementsprechend war Deschamps "not amused". Der 52-Jährige versuchte zu kalmieren: "Ich habe wie in jeder Gruppe die Erfahrung gemacht, dass es Affinitäten gibt. Das ist auch eine Frage der Generationen. Aber auf dem Platz tragen sie alle das gleiche Trikot. Und ich weiß, dass sich einer für den anderen einsetzt", sagte Frankreichs Trainer. Prinzipiell warnte Deschamps vor Hochmut. Die Rolle des Favoriten nehme er zwar an. "Aber Qualität und Talent reichen nicht. Selbstvertrauen darf nie in Selbstüberschätzung umschlagen."

Mbappe ist mit 22 Jahren der große Hoffnungsträger. Dass er oft nicht mannschaftsdienlich genug spiele, ist ein leiser, aber steter Vorwurf. Dies bemängelte auch Giroud. An Mbappes Qualitäten gibt es keinerlei Zweifel. "Er kann den Unterschied machen. Jederzeit. Er kann alles", sagte Benzema. Auch Deschamps stellte klar, dass er in Mbappe einen Kandidaten als künftigen Weltfußballer sieht: "Sein Potenzial ist grenzenlos." Der Verband verweist darauf, dass Mbappe mit 17 Länderspiel-Toren schon mehr Treffer auf dem Konto hat als Cristiano Ronaldo (15) oder Lionel Messi (12) im gleichen Alter. Und das bei nur unwesentlich weniger Einsätzen. (APA/red.)

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