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Fußball-EM: Italien vs. England – beide Finalisten im Vergleich

9. Juli
LONDON,ENGLAND,26.JUN.21 - SOCCER - UEFA European Championship, round of 16, OEFB international match, Italy vs Austria. Image shows Gianluigi Donnarumma (ITA).

Foto: GEPA Pictures / Michael Zemanek

England oder Italien - eines der beiden Teams krönt sich am Sonntag zum neuen Fußball-Europameister. Wo liegen die Stärken und möglichen Schwächen beider EM-Anwärter?

Es ist das würdige Finale zwischen den beiden besten Teams des bisherigen Turniers: Italien und England stehen sich am Sonntag (21:00 Uhr) im Londoner Wembley-Stadion im EM-Endspiel gegenüber. Auf dem Weg zum finalen Showdown haben beide Rivalen bislang einige Stärken und nur wenig Schwächen gezeigt. Hier sind die Mannschaftsteile beider Final-Gegner im direkten Vergleich:

Tor

Mit erst 22 Jahren verfügt Italiens Gianluigi Donnarumma schon über die Erfahrung von mehr als 200 Spielen in der Serie A. In Italien gilt der langjährige Torhüter von AC Milan als Erbe der Legenden Gianluigi Buffon und Dino Zoff. Das Ausnahme-Talent hütete erstmals mit 16 Jahren und 242 Tagen in einem Bewerbsspiel das Milan-Tor, mit 17 Jahren und 189 Tagen stand er erstmals auch im Nationalteam zwischen den Pfosten. Sein Vertrag bei Milan lief aus, Donnarumma soll nach der EM zu Paris Saint-Germain wechseln.

Bei England fällt Jordan Pickford entgegen sonst üblicher Gewohnheiten bisher nicht als Pleiten-, Pech- und Pannen-Torhüter auf. Der 27-Jährige von Everton zählt international zwar nicht zur allerersten Garde, doch auf ihn ist Verlass. Bei der EM hat Pickford erst ein Gegentor - im Halbfinale gegen Dänemark aus einem Freistoß - kassiert. Seinen Platz als Englands Nummer eins hat er seit der WM 2018 inne.

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Abwehr

Mit 34 bzw. 36 Jahren zählen Italiens Innenverteidiger Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini weiter zu den Besten auf ihrer Position. Das Rezept des Juventus-Gespanns: Chiellinis Zweikampfstärke, Bonuccis Spielintelligenz und zudem blindes Verständnis. Links fehlt der Offensivdrang des verletzten Leonardo Spinazzola, ihn ersetzt der bei Chelsea wenig eingesetzte Emerson. Rechts hat Giovanni di Lorenzo den in der Gruppenphase verletzten Alessandro Florenzi verdrängt und steht vor seiner wohl schwersten Aufgabe: Raheem Sterling zu stoppen.

Eine so starke Defensive hatte England schon lange nicht mehr. Manchester Citys John Stones und Harry Maguire von Manchester United bilden ein souveränes Innenverteidiger-Paar, auf den Außenbahnen der Viererkette verrichten die ebenfalls bei City bzw. United unter Vertrag stehenden Kyle Walker und Luke Shaw ihren Job mehr als solide. Der Lohn: Erst ein Gegentor bei der EM - eine herausragende Bilanz.

Mittelfeld

Die Dreierreihe um die spielstarken Marco Verratti und Jorginho sowie den offensiveren Nicolo Barella lenkt Italiens Spiel und gibt das Tempo vor. Das schnelle Aufbauspiel mit vielen Kurzpässen nach vorne sowie vertikale Verlagerungen sollen auch im Finale Erfolg bringen. Jorginho hat mit Chelsea bereits die Champions League gewonnen. Als Ersatzmann steht Manuel Locatelli parat, der bisher ebenfalls eine starke EM gespielt hat.

Kalvin Phillips und Declan Rice waren bisher wohl den wenigsten ein Begriff. Bei der EM räumen Leeds-Profi Phillips und Rice von West Ham United bisher zentral auf. Für die kreativeren Momente müssen andere sorgen. Champions-League-Sieger Mason Mount von Chelsea gibt den Verbindungsmann zur Offensive.

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Angriff

Zwei Tore gelangen Ciro Immobile in der Gruppenphase, danach enttäuschte Italiens Mittelstürmer jedoch. Coach Roberto Mancini hält dennoch am Lazio-Stürmer fest. Auf den Flügeln spielen der dribbelstarke Lorenzo Insigne (Napoli) und der torgefährliche Federico Chiesa (Juventus) ein starkes Turnier. Chiesa traf in der K.o.-Phase gegen Österreich und Spanien und verdrängte Domenico Berardi damit als rechten Außenstürmer.

Raheem Sterling ist bisher Englands überragender Spieler bei dieser EM. Auf der linken Flanke überzeugt der Flügelstürmer von Manchester City mit Torgefahr und Tempo-Dribblings. Auch Kapitän Harry Kane kam rechtzeitig in Form: Seine vier Turnier-Tore erzielte der Tottenham-Star allesamt in der K.o.-Phase. Rechts könnte wieder der 19-jährige Bukayo Saka von Arsenal beginnen.

Trainer

Der Aufstieg vom gescheiterten WM-Versager 2018 zum EM-Titelfavoriten ist in Italien eng mit dem Namen Roberto Mancini verbunden. Der Coach erschuf ein Team, das über Mut, Spielfreude, Willen, Zusammenhalt und Mentalität verfügt. "Er hat uns Vertrauen gegeben in einem Moment, als wir es verloren hatten", sagte Verratti über den 56-Jährigen. Mancini verdiente auch schon in England sein Geld. Im Herbst seiner Profi-Laufbahn hielt es ihn als 36-Jähriger nur einen Monat bei Leicester City. Als Coach war er von Dezember 2009 bis Mai 2013 bei Manchester City tätig. Die Niederlage im FA-Cup-Finale gegen Wigan mit Paul Scharner beendete sein Engagement vorzeitig.

Kein englischer Nationaltrainer der letzten Jahre erfreute sich auf der Insel größerer Beliebtheit als Gareth Southgate. Der ruhige, eloquente und zurückhaltende 50-Jährige arbeitet unaufgeregt, aber zielgerichtet. Anfangs wurde er für die teils biedere Spielweise der "Three Lions" kritisiert. Aber sein Team liefert Ergebnisse, und die Fans feiern ihn längst für den erstmaligen Einzug in ein EM-Finale. Als Spieler musste Southgate im englischen Trikot durch ein Stahlbad gehen: Sein Elfer-Fehlschuss im EM-Halbfinale 1996 vor 75.000 Zuschauern im Wembley gegen Deutschland war DER Tiefpunkt des englischen Fußballs. Diesen aber würde Southgate im Fall des EM-Triumphs wohl nie wieder ein Engländer vorwerfen. (APA/red.)

Zahlen & Fakten

KategorieItalienEngland
Torverhältnis12:310:1
Tore per Kopf05
Tore außerhalb des Strafraums30
Abschlüsse10858
Ballbesitz (Durchschnitt)52,3 %54,2 %
Passversuche3.4463.389
Passgenauigkeit (Durchschnitt)86,3 %87,7 %
Angriffe318256
Ballgewinne249222
Tormann-Paraden911
Fouls7258
Gelbe/Rote Karten7/05/0
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