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“Haben nie aneinander gezweifelt”: KTM setzt auf eigene Fahrer-Talente

12. Juli
Person, Human, Car

Foto: Red Bull KTM Factory Racing / Polarity Photo

Kaum ein Hersteller baut Piloten-Nachwuchs für die MotoGP so konsequent auf wie KTM - Pit Beirer erklärt, was er am aktuellen Werks-Duo der Österreicher besonders schätzt.

Pol Espargaro hat das MotoGP-Projekt von KTM von Anfang an begleitet. Seit der österreichische Hersteller 2017 seine Debüt-Saison in der Königsklasse feierte, war der Spanier maßgeblich an der Entwicklung der RC16 beteiligt, die mit dem ersten Sieg und einigen Podestplätzen 2020 erste sichtbare Früchte trug.

Doch noch ehe im letzten Jahr die Rennen begannen, entschied sich Espargaro für die Saison 2021 zu einem Wechsel zu Honda. Nach dem verfrühten Weggang von Johann Zarco, der 2020 durch MotoGP-Rookie Brad Binder ersetzt wurde, stand KTM wieder vor der Entscheidung, einen neuen Fahrer zu verpflichten.

"Als wir Pol verloren haben, schauten wir uns andere große Namen an", verrät Motorsportchef Pit Beier im Interview mit 'Motorsport.com'. "Dann haben wir gesagt: 'Wisst ihr was? Wir halten uns jetzt an unser eigenes Programm.'"

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Beirer: "Diese Jungs sind unser Traum-Team"

Man setzte also wie bei Binder weiterhin auf die eigenen Talente, die man angefangen vom Rookies Cup über die Moto3 und Moto2 bis hin zur MotoGP aufbaut. "Ich denke, wir haben unserem eigenen System ein Jahr früher vertraut, als wir anfangs wollten, und ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben", sagt Beirer.

Und so hielt man nicht nur an Binder fest, sondern beförderte Oliveira vom Tech-3-Satellitenteam in die Werksmannschaft. Für Beirer die perfekte Kombi: "Das haben wir vergangenes Jahr ganz am Ende des Corona-Lockdowns herausgefunden. Wir hatten diese Tests in Spielberg und Miguel und Brad waren da", erinnert er sich.

"Wir saßen mit ihnen zusammen am Tisch und scherzten über die guten Zeiten, die sie bei Aki Ajos Team hatten, und wir schauten uns an und sagten: 'Hey, diese Jungs sind unser Traumteam, weil wir mit diesen Jungs groß geworden sind.' Wir hatten so viele Höhen und Tiefen zusammen, aber wir haben nie aneinander gezweifelt."

Oliveira und Binder bewahrten kühlen Kopf

Genau das schätzt der KTM-Motorsportchef bis heute. "In schwierigen Tagen machen sie sich nicht verrückt, sie sprechen nicht sofort mit einem anderen Team oder einem anderen Hersteller. Sie vertrauen uns. Und wir vertrauen ihnen", betont Beirer.

Binder und Oliveira gewannen 2020 drei Rennen für KTM, aber 2021 begann schwierig, da sich die RC16 über den Winter nicht so sehr weiterentwickelt hatte wie die Bikes der Konkurrenz. In den ersten fünf Rennen schaffte es Oliveira nicht unter die Top 10, während Binders bestes Ergebnis ein fünfter Platz in Portugal war.

Ein neues Chassis, das zum Grand Prix von Italien gebracht wurde, ließ den Knoten dann platzen. Oliveira wurde Zweiter in Mugello, gewann in Barcelona und wurde in Deutschland erneut Zweiter, während er auf dem Sachsenring Rang vier belegte.

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Ohne starke Fahrer kein starkes Team

"Sie sind in diesem Moment ruhig geblieben, und das hat uns sehr geholfen", schwärmt Beirer von den Fahrern. "Wir haben an verschiedenen wichtigen Teilen am Motorrad gearbeitet und sie als Paket gebracht. Aber die Fahrer haben mehr mitgebracht als das. Sie bekamen ein besseres Gefühl und damit steigerten sie sich wieder."

"Es ist unglaublich, was sie zu leisten imstande waren, nachdem wir einen Schritt gemacht hatten. Das zeigt, was den Charakter eines Teams ausmacht: Nur ein Team kann am Ende gewinnen, aber wir sind nichts ohne fantastische Fahrer. Der wahre Messpunkt ist der Fahrer auf der Rennstrecke", lobt Beirer die jüngste Entwicklung.

Ein wichtiger Baustein dieses gemeinsamen Erfolgs liegt in der besagten Talentschmiede von KTM: "Wir haben sehr viel Leidenschaft für diesen Bereich, denn wir investieren ein paar Millionen in den Red Bull Rookies Cup, Moto3, Moto2", weiß Beirer.

Lerneffekt aus dem Offroad-Bereich

"Wir könnten dieses Geld sparen und in dem Moment, in dem wir einen MotoGP-Fahrer brauchen, könnten wir einfach ein bisschen mehr Geld dazugeben. Aber ich denke, genau dann hast du nicht diese starke Beziehung zu deinen Fahrern. Und das haben wir im Offroad-Bereich gelernt", spricht er die dortigen Erfolge an.

"Wir hatten diesen 10-jährigen Jorge Prado auf einer 65er KTM und er wurde viele Jahre später Motocross-Weltmeister. Oder Marc Coma, der fünf Dakars für uns gewann und 15 Jahre für KTM fuhr. Jetzt ist er Geschäftsführer von KTM Spanien."

"Also, wenn wir jemanden mögen und du ein Teil der Familie bist, wollen wir so lange wie möglich zusammenbleiben. Ich denke, das macht dich an den schwierigen Tagen stark." Freilich brauche man dafür auch die nötige Struktur, in der man wachsen kann, und die richtigen Leute im Hintergrund, um dies zu tun.

So groß ist KTMs Fahrer-Netzwerk wirklich

"Natürlich muss ich Red Bull und den Red Bull Rookies Cup erwähnen. Wir haben etwas geschaffen, wo wir Talente für das ganze Fahrerlager fördern, denn im Red Bull Rookies Cup gibt es vielleicht sogar mehr junge talentierte Fahrer, als wir jemals auf einer KTM in der Zukunft einsetzen könnten", betont Beirer.

Mit dem Northern Talent Cup sei man sogar noch einen Schritt weitergegangen: "Wir haben eine Maschine gebaut, mit der auch jüngere Fahrer im NTC etwas günstiger in den Sport einsteigen können." Die Einheitsklasse fährt mit einer 250er-KTM.

Da kommt eine ordentliche Summe zusammen. "Im Fahrerlager am Sachsenring hatten wir insgesamt 76 KTM-Fahrer, also den NTC, den Red Bull Rookies Cup, plus 16 Jungs in der Moto3 - ich zähle die Moto2-Fahrer nicht mit - und dann vier MotoGP-Fahrer", rechnet Beirer vor. "Ich denke also, es ist ein ziemlich großes Netzwerk."

Wie alles begann: An der Hintertür von Ajos Truck

"Und dann hast du auch starke Leute um dich herum, wie Aki Ajo, Herve Poncharal, Mike Leitner. Und mit Red Bull immer einen starken Partner. Es ist also eine tolle Gruppe von Leuten und ich bin wirklich stolz auf diese Crew. Denn wir haben 2012 als KTM in diesem Fahrerlager angefangen", erinnert sich der Motorsportchef.

"Ich war ein Gast mit einem Motorrad und ein paar Motoren an der Hintertür von Aki Ajos Truck. Dass er immer noch Teil dieses Projekts ist, macht mich stolz, und natürlich auch, dass wir es zu einer größeren Gruppe machen konnten. Ich würde sagen, wir sind im Fahrerlager angekommen und wir haben Spaß an dem, was wir tun."

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