Marc Marquez gibt zu: Frühe Rückkehr in Jerez war „ein Fehler“

6. Dez. 2020

Foto: Motorsport Images

Nach seiner dritten Arm-OP räumt Marc Marquez ein, dass sein Comeback im Juli viel zu früh kam - und übt deutliche Kritik an den Ärzten, die ihm die Freigabe dafür erteilten.

Was Ende Juli eine Helden-Geschichte hätte werden sollen, entwickelte sich zum Desaster. Nachdem MotoGP-Star Marc Marquez beim Spanien-Grand-Prix in Jerez am 19. Juli schwer gestürzt war und sich einen Bruch im rechten Oberarm zugezogen, saß er nur sechs Tage später im Samstags-Training zum Andalusien-Grand-Prix an gleicher Stelle wieder auf seiner Werks-Honda.

Die Folge ist bekannt: Marquez brach das zweite Jerez-Wochenende direkt an jenem Samstag wieder ab. Wie sich herausstellte, hielt die ihm in den Arm eingesetzte Titanplatte den Belastungen nicht stand und ging kurz darauf zu Bruch. Heute gibt Marquez zu, dass seine Rückkehr auf das Motorrad zu früh kam.

"Der Versuch, in Jerez zurückzukommen, war ein Fehler", erklärte Marquez jetzt in einem Interview. Der Ex-Weltmeister weiter: "Was ich gelernt habe? Dass es Vor- und Nachteile hat, Motorrad-Rennfahrer zu sein."

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Marquez sieht Ärzte in der Verantwortung

Als Vorteil beschreibt der sechsmalige MotoGP-Weltmeister, "dass wir keine Angst sehen". In diesem Zusammenhang erkennt er aber auch einen Nachteil und nimmt die Ärzte in die Pflicht. "Also müssen sie dafür sorgen, dass wir sie (die Angst, Anm. d. Red.) sehen."

"Nach der ersten Operation lautet die Frage, die sich jeder Motorrad-Rennfahrer stellt: 'Wann kann ich wieder fahren?'", sieht Marquez sein eigenes Beispiel nicht als Einzelfall. Und merkt an: "Genau das ist der Moment, in dem der Arzt wissen muss, dass er einen stoppen muss. Er ist derjenige, der realistisch sein muss."

Marquez aber erhielt von den Ärzten, die im Juli die erste Operation an seinem rechten Oberarm durchgeführt hatten, die Freigabe für das frühe Comeback. Und machte sich deshalb keine allzu großen Sorgen.

Bruch der Titanplatte als Folge des Blitz-Comebacks

"Ich reiste mit dem guten Gefühl nach Jerez, dass die Platte halten würde, weil man es mir so gesagt hatte", erinnert sich Marquez. Und merkt an: "Ich bin mutig, aber nicht ohne Bedacht. Hätten sie mir gesagt, dass die Platte brechen kann, hätte ich mich nicht auf ein Motorrad gesetzt, das 300 km/h fährt."

Gebrochen ist die Platte laut damaliger Schilderung des Marquez-Umfelds nicht direkt beim Comeback-Versuch in Jerez 2. Sondern wenige Tage später zu Hause, wie Bruder Alex Marquez Anfang August schilderte.

Diese Version wird von Marc Marquez nun zwar bestätigt, aber mit einer Zusatz-Information. "Meine Platte ist zu Hause gebrochen, als ich eine Schiebetür öffnete, um in den Garten zu gehen. Allerdings war der Bruch der Platte die Folge der Belastung, die in Jerez erzeugt wurde."

Zeitpunkt für Marquez-Comeback offen

Seit seinem missglückten Comeback in Jerez 2 hat Marc Marquez noch keinen weiteren Versuch gestartet. Ende September war er in Barcelona lediglich als Beobachter beim Honda-Werksteam vor Ort. Jetzt, nachdem er vor wenigen Tagen zum dritten Mal am rechten Oberarm operiert wurde - diesmal von anderen Ärzten - stellt er fest: "Dieses Jahr hat mich viele Sachen gelehrt. Die erste war, dass der Versuch, nach der Verletzung zurückzukehren, überstürzt war."

Wann Marc Marquez nach seinem langen Ausfall wieder auf ein MotoGP-Bike wird steigen können, ist offen. Nach der jüngsten OP ist nicht ausgeschlossen, dass die Regenerations-Phase nochmals sechs Monate dauern wird. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre der MotoGP-Champion der Jahre 2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019 auch beim Saison-Auftakt 2021 noch nicht wieder einsatzbereit...

Update: Wie Honda jüngst mitteilte, wird Marquez' Zustand nach seiner achtstündigen OP am Donnerstag zwar als "zufriedenstellend" eingestuft. Allerdings muss der 27-Jährige noch einige Tage länger im Krankenhaus in Madrid bleiben als geplant. Grund: Es wurde festgestellt, dass es eine frühere Infektion seines Bruchs gab. Daher muss sich Marquez in den kommenden Wochen einer speziellen Antibiotika-Behandlung unterziehen.