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Marquez: “2020 war persönlich und beruflich ein verlorenes Jahr”

25. Aug.
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Bis zur letzten Saison war Marc Marquez in der MotoGP das Maß der Dinge. Dann kam der Sturz in Jerez, bei der ersten Station im Rennkalender 2020. Seitdem versucht er, seine alte Form wiederzuerlangen. Mit den spanischen Kollegen von 'Motorsport.com' hat er über den steinigen Weg zurück gesprochen.

In Portimao hatte ich das Gefühl, dass absolut jeder froh war, Sie wiederzusehen - und das ist nicht sehr häufig, oder?

Marc Marquez: "Ja. Natürlich ist es besser, wenn sich die Leute freuen, aber ich habe mir darüber keine großen Gedanken gemacht, weil ich genug Sorgen hatte. Aber ja, der Empfang war sehr gut, sowohl von den anderen Teams, den Verantwortlichen als auch von den anderen Fahrern."

Wie würden Sie den Leuten erklären, dass Ihr Arm im Moment eingeschränkt ist?

Marc Marquez: "Ganz einfach: Wenn man durstig ist und sich ein Glas Wasser holt, denkt man nicht darüber nach, wie man es anhebt und trinkt. Man tut es automatisch. Nun, ich muss darüber nachdenken, wie ich meinen Arm positionieren muss, wenn ich ein Bremsmanöver einleite, um Schmerzen zu vermeiden, und das beschäftigt mich in der Kurve.

Offensichtlich verinnerliche ich diese Prozedur und fühle mich im Laufe des Wochenendes besser, weil ich sie immer mehr automatisiere. Aber ich kann nicht nach Instinkt fahren. Außerdem gibt es immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, Bewegungen, die Unannehmlichkeiten verursachen. Und egal, wie sehr man nicht daran denken will, es taucht immer wieder auf."

Marquez: "Habe im Moment nicht das Vertrauen"

Inwieweit gehen Sie beim Fahren weniger Risiken ein als in der Vergangenheit? Ich frage das, weil man viel weniger Saves sieht als früher.

Marc Marquez: "Ich gehe die gleichen Risiken ein, aber es stimmt, dass ich im Moment nicht das Vertrauen habe, mich in diese extremen Situationen zu begeben, die früher zu Saves geführt haben. Diese Kontrolle habe ich immer noch nicht. Jeder Schreckmoment macht mich unsicherer."

Seit Ihrer Rückkehr in Portugal haben wir einen emotionaleren Fahrer gesehen, der seinen Gefühlen mehr als sonst freien Lauf lässt. Haben Sie sich in dieser Hinsicht eine Last von den Schultern genommen?

Marc Marquez: Es ist nicht so, dass ich mir eine Last von den Schultern genommen habe, denn das kommt mir ganz natürlich vor. Je nachdem, welche Gefühle ich habe, drücke ich sie gerne im Privaten aus: mit meinem Team, in der Garage.

Aber es gibt auch Gefühle, die man nicht kontrollieren kann, wie zum Beispiel Glück. Auf der anderen Seite versuche ich, wenn ich wütend bin, es nicht zu zeigen."

Warum die Erwartungen nach der Pause groß waren

Sie sagten, dass Sie in der Sommerpause 'zum normalen Leben zurückkehren konnten'. War der erste Grand Prix in Spielberg deshalb eine kalte Dusche, weil Sie erwartet hatten, dass es Ihnen körperlich viel besser gehen würde?

Marc Marquez: "Ich kam mit sehr hohen Erwartungen aus dem Sommer zurück, weil ich zu Hause gut trainiert hatte und mich sehr gut fühlte.

Aber wir kamen wahrscheinlich auf die schlechteste aller Strecken für den rechten Arm, weil sie viele Kurven in dieser Richtung hat und sehr harte Bremsphasen. Und je höher die Erwartungen sind, desto größer ist natürlich die Frustration, wenn man sein Ziel nicht erreicht."

Und wie sind Sie mit dieser Frustration umgegangen?

Marc Marquez: "Bei der ersten Ausfahrt konnte ich natürlich nicht glauben, dass mich meine Schulter immer noch so sehr quält. Aber als ich das überwunden hatte, kam ich schnell wieder in die Realität zurück, und das hat mich dazu gebracht, mit der gleichen Mentalität weiterzuarbeiten."

Wer ist der Fahrer, der Sie bisher am meisten überrascht hat?

Marc Marquez: "Ich würde sagen, Fabio (Quartararo; Anm. d. R.), vor allem wegen der Situation, in der er sich im vergangenen Jahr befand, als er ein wenig verloren schien. Aber in dieser Saison hat er von Anfang an das Ruder herumgerissen.

Und von wem haben Sie etwas mehr erwartet?

Marc Marquez: "Ich möchte keine Namen nennen, weil ich dann auch unsere nennen müsste."

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Was Quartararo aus Marquez-Sicht so stark macht

Vergangenes Jahr haben Sie Quartararos fehlende Konstanz mit seiner Unerfahrenheit erklärt, mit dem Druck umzugehen, die Referenz zu sein und die Meisterschaft anzuführen. Glauben Sie, dass er in dieser Hinsicht einen Schritt nach vorne gemacht hat?

Marc Marquez: "Es ist eine Kombination von Dingen. Es gibt eine technische Seite, eine Seite des Vertrauens, aber natürlich spielt auch die Erfahrung eine große Rolle.

Bis zum vergangenen Jahr hatte er nicht um die Meisterschaft gekämpft, weder in der Moto3 noch in der Moto2. Jetzt hat er diese Erfahrung, er war in der Lage, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen und hat es nicht geschafft. Und er geht gut damit um. Es ist ein Kreislauf: Je mehr Selbstvertrauen du hast, desto besser sind die Ergebnisse, und das gibt dir mehr Motivation, was dir gleichzeitig hilft.

Jetzt weiß er, dass, egal wie gut ein Jahr läuft, wie in seinem Fall 2019, es nicht bedeutet, dass das nächste Jahr genauso laufen wird. Ich habe das 2015 gelernt, als ich eines meiner besten Jahre in der MotoGP hinter mir hatte - 2014 habe ich die ersten zehn Rennen und 13 von 18 insgesamt gewonnen - und danach lief es überhaupt nicht gut.

Man wird davor gewarnt, man sieht, wie es anderen passiert, aber bis man es selbst erlebt, versteht man es nicht."

Sie sprechen immer von Ihrer körperlichen Verfassung und dem Motorrad als Ganzem. Aber was denken Sie, wie der Marc Marquez vor seiner Verletzung mit demselben Motorrad fahren würde?

Marc Marquez: "Ich denke, dass der Marc vor der Verletzung mit diesem Motorrad um den Titel kämpfen könnte. Sicherlich könnte ich nicht so viele Siege einfahren wie 2019 (zwölf), aber ich könnte um die Weltmeisterschaft kämpfen und sehr oft unter den Top 3 sein.

Und ich denke das aus einem einfachen Grund: Auf den Strecken, auf denen ich die physischen Einschränkungen nicht oder weniger gespürt habe, war ich viel besser. Aber ich kann es nicht immer selbst ausgleichen, das Motorrad muss mir helfen, und das tut es jetzt nicht. Weder für mich noch für die anderen Honda-Fahrer."

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Honda-Probleme: Auch der Hersteller muss aufholen

Bedeutet das, dass Honda seine Motorrad-Philosophie von nun an ändern muss?

Marc Marquez: "Meine Absicht ist es, wieder der Marc zu werden, der ich vorher war. Für mich ist klar, dass ich, solange ich körperlich fit bin, wieder dieser Fahrer sein kann.

Ich weiß nicht, ob das ausreicht, um Titel zu gewinnen oder nicht. Um sie zu kämpfen, denke ich schon, aber um sie zu gewinnen, weiß ich nicht, denn auch die Konkurrenten verbessern sich. Meine Physis erlaubt es mir, Motorrad zu fahren, aber ich kann nicht zaubern.

"Wenn ich weit hinter den anderen Fahrern der Marke läge, würde ich denken, dass etwas nicht stimmt. Aber ich bin ihnen voraus, obwohl ich zwei Rennen verpasst habe. Und um es klar zu sagen: Das ist überhaupt nicht mein Ziel."

Was ist in der vergangenen Saison bei HRC passiert?

Marc Marquez: "Für mich persönlich war es ein verlorenes Jahr, sowohl persönlich als auch beruflich. Und für Honda war es auch ein verlorenes Jahr, was die Entwicklung des Motorrads angeht, wenn man bedenkt, dass sie es mit einem Rookie zu tun hatten (Bruder Alex) und dass (Cal) Crutchlow davor stand, seine Karriere zu beenden."

War der Vierjahresvertrag mit Honda ein Fehler?

Im Jahr 2020 haben Sie den größten Vertrag aller Fahrer in der Geschichte der Weltmeisterschaft unterschrieben - für vier Jahre, mit einer Gage von mehr als 20 Millionen pro Saison. Dann kam Covid, es gab eine enorme Regularisierung und Sie haben eine ganze Saison verpasst. Belastet Sie dieser Vertrag?

Marc Marquez: "Wenn man einen Vierjahresvertrag mit einer Marke wie Honda und den damit verbundenen Zahlen unterschreibt, spürt man natürlich diese Verpflichtung."

Aber das spürt man bereits, wenn man ein Projekt wie dieses beginnt. Diese Verantwortung lastet nicht auf mir, wenn es um den Rennsport geht, aber natürlich spüre ich sie. Das Gute ist, dass ich das Selbstvertrauen habe, mit Honda zu sprechen, wie ich es vergangene Saison getan habe.

Ich bin das ganze Jahr über keine Rennen gefahren, also habe ich ihnen gesagt, sie sollen mir zahlen, was sie wollen. Ich habe meinen Teil nicht erfüllt. Aber das ist eine natürliche Sache, wenn man Vertrauen zu seinem Team hat.

Ich bin schon lange bei Honda und die Beziehung ist gut, sowohl zu Alberto (Puig, dem Teammanager) als auch zum Rest des japanischen Teams. Ich habe mich immer sehr respektiert gefühlt."

Rat an Pol Espargaro: Gut Ding will Weile haben

Pol Espargaro deutet an, dass die Arbeitsphilosophie von Honda die beiden Seiten der Garage nicht dazu ermutigt, in dieselbe Richtung zu arbeiten.

Marc Marquez: "Wir befinden uns in einer Zeit, in der HRC Informationen sammelt und eine Menge Dinge getestet werden. Und wenn es nicht so gut läuft, ist Eile das Schlimmste, was es gibt.

Es gibt keinen Test und wir hatten keine richtige Vorsaison, weil Pol sich an das Motorrad anpassen musste. Wir beschlossen, zu dem zurückzukehren, was ich kannte, und nach und nach mehr Dinge auszuprobieren. Aber ja, es stimmt, dass die Arbeitsphilosophie einer japanischen Fabrik ganz anders ist als die einer europäischen Fabrik wie der, aus der er kam."

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