Melbourne: Medvedev gewinnt Fünfsatz-Thriller – jetzt wartet Tsitsipas

26. Jan.

Foto: GEPA Pictures / SNA/ Alexey Filippov

Top-Favorit Daniil Medvedev und Shooting-Star Felix Auger-Aliassime liefern sich in Melbourne einen epischen Fight - leichter hat es Stefanos Tsitispas in seinem Viertelfinale.

Daniil Medwedew hat sich das Aus vor Augen ins Halbfinale der Australian Open gekämpft. Im Duell mit dem Kanadier Felix Auger-Aliassime lag der Russe am Mittwoch mit 0:2-Sätzen im Hintertreffen und wehrte einen Matchball ab, ehe er sich in fünf Sätzen mit 6:7(4), 3:6, 7:6(2), 7:5 und 6:4 durchsetzte. Der US-Open-Champion trifft im Halbfinale am Freitag nun auf Stefanos Tsitsipas. Grieche bezwang den Italiener Jannik Sinner souverän 6:3, 6:4, 6:2.

Bei den Frauen hat Iga Swiatek gut 15 Monate nach ihrem French-Open-Titel die Chance auf ihr zweites Grand-Slam-Endspiel. Mit dem umkämpften 4:6, 7:6(2), 6:3 beendete die Polin im Viertelfinale die überraschende Sieges-Serie der Estin Kaia Kanepi. Nach 3:01 Stunden verwandelte Swiatek ihren zweiten Matchball und zog in Melbourne (beide Herren-Halbfinals und beide Endspiele LIVE bei ServusTV, im Stream & in allen Apps) erstmals ins Halbfinale ein. Swiatek spielt nun am Donnerstag gegen die US-Amerikanerin Danielle Collins um den Einzug ins Endspiel.

Livestreams & Re-Lives
+ alle Übertragungen

Medwedew schon mit dem Rücken zur Wand

Der Sieg von Medwedew hing am seidenen Faden. Im vierten Satz erspielte sich Auger-Aliassime beim Stand von 5:4 einen Matchball. Medwedew wehrte diesen mit einem harten und platzierten Aufschlag ab - und brach damit erstmals den Widerstand des Gegners. Der 25-jährige Russe gewann die nächsten drei Games und sechs der nächsten sieben Spiele. Im Entscheidungssatz stand sein Erfolg dann aber wieder auf der Kippe. Der am Knöchel angeschlagene Auger-Aliassime ließ beim Stand von 4:5 aus seiner Sicht zwei Breakbälle ungenutzt, Medwedew machte drei Punkte in Serie.

"Ich habe nicht mein bestes Tennis gezeigt. Er hat unglaublich gespielt und unfassbar gut serviert. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich weiß nicht, ob es die Leute hören wollen. Aber ich habe mir gedacht: Was würde Novak (Djokovic) tun?", sagte Medwedew im Sieger-Interview auf dem Court. "Ich dachte mir: O.k., ich werde bis zum letzten Punkt kämpfen."

Am Freitag kommt es zwischen Medwedew und Tsitsipas zur Neuauflage des letztjährigen Halbfinales, das Medwedew seinerzeit gegen einen entkräfteten Gegner problemlos gewann. Diesmal aber sind die Voraussetzungen umgekehrt. Denn Medwedew stand im Viertelfinale mehr als doppelt so lange wie Tsitsipas auf dem Platz.

Tennis: Aktuelle Videos
+ mehr Tennis

Tsitsipas lässt Youngster Sinner keine Chance

Dieser trat gegen Sinner kompromisslos auf und hatte gegen den 20-jährigen Weltranglisten-Zehnten stets die bessere Antwort parat. Zu Beginn des zweiten Satzes begann es zu regnen. Beide Rivalen flüchteten daraufhin unter den Sonnenschutz ihrer Bank und versuchten, die Konzentration zu wahren, während sich das Dach Stück für Stück zuschob. Tsitsipas hatte zuvor gerade das Break zum 2:1 geschafft und war damit wie im ersten Durchgang früh in Führung gegangen.

Anders als zwei Tage zuvor im Achtelfinale über fünf Sätze gegen Taylor Fritz sparte der Grieche diesmal Kräfte. Auch im dritten Abschnitt ging der Favorit früh in Führung und hatte danach keine Probleme. "Ich habe versucht, mein bestes Tennis zu zeigen. Und es hat besser geklappt, als ich gedacht habe", freute sich Tsitsipas. Er sei nach Problemen mit dem Ellenbogen zum Ende der letzten Saison besorgt gewesen, in Australien überhaupt antreten zu können. "Ich bin mir sicher, mein Arzt schaut jetzt zu. Er schreibt mir nach jedem Spiel, dass er nicht geglaubt hätte, mich in Australien spielen zu sehen. Aber ich habe ihm das Gegenteil bewiesen", scherzte Tsitsipas.

Swiatek nach Halbfinal-Einzug: "Verrücktes Match"

Swiatek sprach von einem "verrückten Match", nachdem es im Duell mit Kanepi einige Wendungen gab. Gegen die 36-jährige Estin behielt die 20-Jährige auch nach ihrem Satzrückstand und einer zunächst vergebenen 4:1-Führung im zweiten Durchgang die Nerven. Trotz eines teilweise unsicheren Aufschlags und zwölf Doppelfehlern setzte sie sich durch.

2020 hatte die Polin die Tennis-Welt beeindruckt und sich als Teenager einen Namen gemacht, indem sie völlig überraschend den French-Open-Titel gewann. Aufgrund der Corona-Pandemie war das Sandplatz-Highlight in Paris damals in den Herbst verlegt worden.

Collins wiederholte ihr bisher bestes Grand-Slam-Ergebnis von 2019, als sie ebenfalls das Halbfinale der Australian Open erreichte. Mit 7:5, 6:1 bezwang die 28-Jährige im Überraschungs-Viertelfinale die ungesetzte Französin Alizé Cornet. Cornet stand bei ihrem 63. Grand-Slam-Turnier zum ersten Mal in der Runde der letzten Acht.

Für Collins ist es auch aufgrund gesundheitlicher Probleme im letzten Jahr ein besonderer Erfolg. "Es fühlt sich unglaublich an, insbesondere nach den gesundheitlichen Herausforderungen, die ich hatte", sagte die Weltranglisten-30. Im April 2021 musste sie notoperiert werden (Endometriose), und auch in Melbourne blieb Collins nicht von körperlichen Schwächen verschont. Im Achtelfinale gegen die Belgierin Elise Mertens machten ihr die Hitze und Rückenprobleme zu schaffen. Vor zwei Jahren hatte die US-Amerikanerin im Halbfinale nach einer Niederlage gegen die Tschechin Petra Kvitova das Endspiel verpasst. (APA/red.)

Direkt zu:
Empfohlene Videos