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Ezpeleta zum Marquez-Comeback: „Kein Fehler, ihn fahren zu lassen“

7. Apr. 2021

Foto: Motorsport Images

Carmelo Ezpeleta gibt der MotoGP keine Mitschuld an Marc Marquez' missglücktem Comeback 2020 in Jerez - Kritik übt der Dorna-Boss stattdessen an anderen.

Die beiden ersten MotoGP-Rennen 2021 mussten ohne Marc Marquez stattfinden. Doch für den nächsten Grand Prix in Portugal besteht erneut die Hoffnung, dass der Honda-Star nach seiner langen Verletzungspause zurückkehren wird. Am 12. April will sich der Ex-Weltmeister darüber nochmals mit seinen Ärzten beraten.

Nicht nur seine Fans, auch Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta hofft, dass es diesmal klappt. "Er fehlt eindeutig", sagt der 75-Jährige. "Wir sprechen schließlich von dem Fahrer, der die letzten paar Saisons dominiert hat. Und von einem Moment auf den anderen ist er weg." Das hinterlasse freilich eine große Lücke.

Dass die Entscheidung der Ärzte damals falsch war, Marquez nur ein paar Tage nach dessen erster OP in Jerez wieder fahren zu lassen, glaubt Ezpeleta nicht. "Absolut nicht", sagt der Spanier im Gespräch mit 'GPOne'. Und erklärt: "Es gibt Leute, die behaupten, dass es kein Protokoll für solche Fälle gibt. Aber das stimmt nicht: Es gibt eines."

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Ezpeleta: Marquez bestand Medizin-Check

"Es wurde nach Assen 2017 geändert. Wenn Du unter Vollnarkose stehst, kannst Du erst nach einer gewissen Zeit wieder Rennen fahren. Was könnten wir anders machen? Wenn ein Fahrer Liegestütze macht, wie Marc es getan hat: Nach welcher Regel sagen Sie ihm dann, dass er kein Rennen fahren kann?", fragt Ezpeleta.

"Er ist zurückgekommen, hat einen medizinischen Check bestanden und durfte fahren. Anders ging es nicht. Er hat am Freitag trainiert - und dann aus Gründen, die nur er kennt entschieden, nicht weiterzufahren. Zu Hause, beim Training oder beim Öffnen eines Fensters hatte er ein Problem mit der Platte. Aber nicht auf der Strecke."

Damals hieß es, die Titanplatte in Marquez' Arm sei durch eine ruckartige Bewegung beim Fensteröffnen beschädigt worden, weshalb er erneut operiert werden musste. Letzten Endes war dann im Dezember 2020 sogar noch ein dritter Eingriff nötig. Dabei wurde nicht nur die Titanplatte ausgetauscht, sondern zudem Knochen transplantiert.

Fit genug? Plötzlich wussten es alle besser

"Ich weiß nicht, ob Fehler gemacht wurden. Schließlich bin ich kein Arzt", sagt Ezpeleta. "Soweit es mich betrifft, wurden keine medizinischen Fehler innerhalb der Meisterschaft gemacht. Ich respektiere alle Entscheidungen eines Fahrers. Auch die, nicht zum Rennen in Katar zu kommen, nachdem er zuvor in Barcelona und Portimao getestet hat."

Denn der Dorna-CEO ist überzeugt: "Man muss dem, was ein Fahrer mit seinem Körper macht, maximalen Respekt zollen." Im Fall von Marquez war das aus seiner Sicht nicht immer der Fall. Vor allem, dass sich andere Ärzte in die Diskussion eingemischt und erklärt hatten, was sie anders gemacht hätten, sei nicht in Ordnung gewesen.

"Das ist so, als würde man bei einem Fußballspiel einem Torwart sagen, wie er den Elfmeter hätte halten sollen, nachdem er geschossen wurde. Mir scheint, dass es diesen Leuten an Respekt mangelte. Vor allem einigen Ärzten, die ihre Meinung geäußert haben, ohne die Dinge gründlich zu kennen", kritisert Ezpeleta.

MotoGP-Protokoll bleibt vorerst unverändert

"Alle schienen plötzlich Experten für Platten und Arme zu sein. Ich kann nur sagen, dass ich die Liegestütze gesehen habe, die er in Jerez vor den Ärzten gemacht hat. Also frage ich: Wer kann sagen, dass ein Fahrer, der das kann, keine Rennen fahren darf? MotoGP-Piloten sind keine normalen Menschen (lacht). Das haben wir in der Geschichte der WM schon oft gesehen."

Die Notwendigkeit, am bestehenden Protokoll etwas zu ändern, sieht Ezpeleta nicht. "Wie können wir es ändern? Sollten wir sagen, dass man nach einer Operation zwei Wochen lang keine Rennen fahren darf? Jetzt ist alles ganz einfach: Es gibt Übungen, die man absolvieren muss. Wenn man sie schafft, fährt man Rennen. Und wenn nicht, dann nicht."

Zwar räumt der Dorna-Boss ein, dass es durchaus Überlegungen gegeben habe, ob man etwas ändern könnte. "Aber wir haben nicht herausgefunden, wie". In Bezug auf Marquez macht er deutlich: "Ich kann sehen, dass es ihm gut geht. Und ich bin sicher, dass er nicht zurückkommen wird, wenn er nicht gewinnen kann. Denn Marcs Mentalität ist die gleiche wie immer."

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