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ÖSV: Gold für Springerinnen im Teambewerb

26. Feb.

Foto: GEPA pictures/ Christian Walgram

Gold in Oberstdorf: Zum ersten Mal krönen sich die ÖSV-Skispringerinnen im Teambewerb zum Weltmeister.

Auf die Enttäuschung vom Vortag ist bei den ÖSV-Skispringerinnen grenzenloser Jubel gefolgt. Daniela Iraschko-Stolz, Sophie Sorschag, Chiara Hölzl und Marita Kramer eroberten am Freitag bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf Gold im Teambewerb. Das Quartett setzte sich in einer spannenden Entscheidung 1,4 Punkte vor Slowenien durch. Kramer, am Vortag enttäuschte Vierte, war die überragende Springerin, sie katapultierte die ÖSV-Mannschaft auf den ersten Platz.

Was den Gastgebern vor zwei Jahren in Seefeld versagt geblieben war, schaffte die Mannschaft von Cheftrainer Harald Rodlauer gleich am zweiten Wettkampftag der 53. Titelkämpfe. Kramer hatte am Donnerstag nach dem vierten Rang Tränen vergossen. 24 Stunden später führte sie dann das Team sogar zum Sieg, zur ersten ÖSV-Medaille im Allgäu.

Als Schlussspringerin sorgte die 19-jährige Salzburgerin mit 102,5 Meter für die Bestweite im ersten Durchgang und für den Vorstoß ihres Teams vom dritten Rang an die Spitze. Danach übernahmen wieder die Sloweninnen mit Weltmeisterin Ema Klinec, Weltcup-Spitzenreiterin Nika Kriznar, Urska Bogataj und Spela Rogelj trotz Steigerungen der weiteren Österreicherinnen im Finale die Führung.

ÖSV: Cheftrainer mit Tränen in den Augen

Doch Kramer machte in der für sie so wechselvollen Saison an diesem Tag den Unterschied aus. Auf drei Saisonsiege folgte Disqualifikation sowie Startverbot wegen eines falsch positiven Corona-Tests. Die gebürtige Niederländerin aus Maria Alm steckte die Ereignisse des Vortags weg, als sie als Halbzeit-Führende nach einer unmittelbar vor ihr erfolgten Anlaufverkürzung Edelmetall auch durch einen nicht optimalen Sprung vergeben hatte. Sie wurde dann nur Vierte. "Ich ziehe den Hut vor ihr und bin stolz, dass ich Trainer dieses Teams bin", sagte Rodlauer mit Tränen in den Augen im Interview.

"Ich habe mir noch rasch Nerven bestellt", scherzte Kramer nach der knappen Entscheidung. Sie hatte im Finale 104 Meter vorgelegt. Klinec ließ nur 95,5 Meter folgen und dann standen die acht Springerinnen gespannt im Auslauf. Das Pendel schlug diesmal zugunsten der Österreicherinnen aus. Nach Silber bei der Premiere dieses Bewerbs 2019 in Seefeld triumphierte die ÖSV-Mannschaft sensationell. "Mein Sprung war echt sehr cool, ich habe probiert, ihn gut reinzusetzen", erklärte Kramer. Für die Athletin des SK Saalfelden war es ein Wechselbad der Gefühle. "Am Donnerstag so bitter und am Freitag so cool. Unglaublich!"

Zwei Routiniers und zwei Debütantinnen ergaben an diesem Tag eine perfekte Mischung. Denn: Sie setzten sich vor Slowenien und 17,2 Punkte vor Norwegen durch. Titelverteidiger Deutschland blieb nur Rang vier. Iraschko-Stolz, Einzel-Weltmeisterin von 2011, wurde im Herbst ihrer Karriere nochmals mit Gold belohnt. Diese Medaille hat enormen Stellenwert für die 37-Jährige, die für den Aufschwung ihres Sports mitverantwortlich war. "Gold im Team, das hat für mich eine Mega-Bedeutung. Ich bin so stolz auf meine Mädels, wir werden das richtig feiern", jubelte die Wahl-Tirolerin. Sie hatte 97 und 99,5 Meter erreicht. Sie streute Kramer Rosen. "Was sie in den letzten Tagen gemacht hat, ist wahre Größe."

Pinkelnig reiste ab, Hölzl mit vielen Tränen

Die erst am Vorabend anstelle von Eva Pinkelnig nominierte Chiara Hölzl (89,5/96,5) sprach von "verrückten Tagen". Sie habe viel weinen müssen, sagte die Salzburgerin zu ihrer Nichtnominierung für den Einzelbewerb. Am Freitagabend kullerten nach der dritten Team-Medaille nach zweimal Silber 2019 Freudentränen bei der 23-Jährigen. Sie hat dennoch schon viel WM-Erfahrung. Sie hatte doch ihr erstes Edelmetall als 15-Jährige im Mixed-Bewerb 2013 geholt. Am Vortag noch Ersatzfrau, nun Weltmeisterin: "Ich bin so dankbar, dass ich mit diesen drei springen durfte", meinte die Pongauerin.

Die 22-jährige Sophie Sorschag, die zweite WM-Debütantin, steigerte sich im Finale deutlich (88/93,5) und durfte sich nach der Disqualifikation am Vortag WM-Gold umhängen. "Ich kann es noch gar nicht glauben, ich bin sehr froh, dass ich den zweiten Sprung so gut runtergebracht habe", freute sich die Kärntnerin. "Das war echt spannend."

Der sportliche Leiter Skispringen und Kombination im ÖSV, Mario Stecher, betont: "Das war die perfekte Antwort, das kann man so sagen und so stehen lassen. Was die Mädels und das gesamte Trainerteam abgeliefert hat, das sucht Seinesgleichen. Wir haben am Donnerstag ein bisschen einen Dämpfer bekommen, umso höher ist die Leistung am Freitag einzuschätzen." Über die Leistung von Kramer sagt Stecher: "Die Leistung von Sara war sensationell, auch am Donnerstag. Sie war definitiv die beste Springerin auf dieser Schanze, das hat man auch am Freitag wieder gesehen. Und es ist wunderschön, wenn man diese Reaktion von den Mädels und von Sara sieht, wie sie sich aus dem kleinen Dämpfer herausgearbeitet haben. Und dass sie gemeinsam mit dem Betreuerstab diese sensationelle Leistung bringen."

ÖSV-Kombinierer Johannes Lamparter wird Siebenter 

Die ÖSV-Kombinierer haben im Normalschanzenbewerb der Nordischen WM in Oberstdorf die Medaillenränge verpasst. Der als Vierter in den 10-km-Langlauf gegangene Johannes Lamparter belegte am Freitag Rang sieben. Der 19-jährige Tiroler hatte in der Schlussrunde in einer siebenköpfigen Spitzengruppe keine Chance. Gold ging wie schon 2019 an Jarl Magnus Riiber, der norwegische Top-Favorit setzte sich knapp vor dem Finnen Ilkka Herola und seinem Landsmann Jens Luraas Oftebro durch.

Lukas Greiderer wurde deutlich hinter Lamparter Achter. Martin Fritz (21.) und Lukas Klapfer (22.) kamen nicht ins Spitzenfeld. Die nächste Chance haben Lamparter und Co. am Sonntag im Teambewerb.

Im ersten Wettkampf war WM-Debütant Lamparter in der Entscheidung machtlos, nachdem er in der ersten Phase des 10-km-Langlaufs an der Spitze viel Tempoarbeit geleistet hatte. "Ich wollte das Rennen schnell machen, es denen hinten nicht so einfach machen. Aber ich bin in der letzten Runde leider ein bisschen eingebrochen, weil es zu schnell war für mich", bedauerte Lamparter im Interview.

Der Juniorenweltmeister wollte aber keine Ausreden suchen. "Die vorne waren einfach besser, das muss man so einsehen", meinte der Tiroler. Er zeigte sich jedoch "sehr zufrieden" mit seinem Debüt. Vor allem das Springen sei sehr gut gewesen.

Lob vom ÖSV-Cheftrainer

ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen lobte den Auftritt seines Youngsters. "Das war sehr engagiert, sehr mutig. Ich bin überzeugt, irgendwann kommt das auch zurück." Wenig Freude hatte er mit der zurückhaltenden Taktik von Riiber und Co. "Schade, dass Johannes der Einzige war, der Tempo gemacht hat", meinte Eugen. Und er erzählte über einen Disput mit dem norwegischen Coach während des Rennens. Er habe sich beschwert, dass ein 19-Jähriger die ganze Führungsarbeit machen müsse. "Aber im Endeffekt haben sie alles richtig gemacht, zwei Norweger sind am Stockerl", gestand Eugen. Riiber hatte neben dem neuerlichen Gold-Jubel auch tröstende Worte für den Österreicher übrig. "Es tut mir ein bisschen leid für Lamparter, er hat viel Tempo gemacht", so der Weltmeister.

Greiderer war bereits früher als Lamparter aus der Spitzengruppe gefallen. "Es war einfach nur brutal. Die anderen waren einfach stärker in der Loipe. Irgendwann war es vorbei", so der als Sechster in den Langlauf gegangene Tiroler. Er versprach dann für Sonntag einen neuen Angriff. Routinier Klapfer (17. nach dem Springen) kam im Langlauf nicht richtig auf Touren. "Ich habe mir hart getan, das war nicht zufriedenstellend", so Klapfer. (APA/red.)

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