Streif: Innerhofer im zweiten Abfahrtstraining Schnellster

20. Jan.

Foto: GEPA pictures/ Harald Steiner

Im verkürzten zweiten Abfahrtstraining auf der Kitzbühler Streif war Christof Innerhofer der Schnellste. "Ich weiß, wen ich mir anschauen muss. Nur dich", sagte Kriechmayr.

Christof Innerhofer hat im verkürzten zweiten Abfahrtstraining auf der Kitzbühler Streif am Donnerstag Bestzeit aufgestellt. Der Südtiroler verwies bei Schneefall und Start von der Alten Schneise den Franzosen Johan Clarey (+0,16 Sek.) und den Schweizer Niels Hintermann (+1,05) auf die weiteren Plätze. Bester Österreicher war mit Torfehler Matthias Mayer als Sechster (+1,17). Es folgten Max Franz (7./+1,21), Vincent Kriechmayr (9./1,22) und Otmar Striedinger (+1,29).

Auch für Daniel Danklmaier (14./+1,39), Christian Walder (16./+1,40) und Daniel Hemetsberger (19./1,47) reichte es im zweiten Streif-Abtasten, bei dem der frühere Alpin-Superstar Marcel Hirscher erneut als Vorläufer im Einsatz war, noch in die Top 20. Die Speed-Schwergewichte Dominik Paris (ITA/5./+1,07), Beat Feuz (SUI/13./+1,36) und der Mittwoch-Schnellste Aleksander Aamodt Kilde (NOR/39./+2,31) performten unterschiedlich.

"Heute hatte ich ein gutes Gefühl. Ich weiß, was auf mich zukommt und mich erwartet. Ich kann Gas geben, egal ob gutes oder schlechtes Wetter ist", sagte Innerhofer. Er hat "wieder eine Freud, sich wohlfühlt und gute Kurven" fährt, das sei immer seine Stärke gewesen. "Gravierend spüre ich es noch nicht, es geht noch gut. Aber zwei Abfahrten da runter werden sicher schwierig", sagte Paris auf das harte Programm der Lauberhorn- und Hahnenkammwoche angesprochen.

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Max Franz: "Ich mag es, wenn es schneit"

Mayer als bester Österreicher hatte die richtige Linie am Hausberg immer noch nicht gefunden, wie notwendig das Training gewesen sei, sei schwer zu sagen. "Aber die Piste passt, es ist alles in einem guten Zustand. Und wir haben uns zumindest schon einmal auf das Wetter einstellen können, weil es wird sicherlich am Freitag oder am Sonntag nicht anders werden." Franz erwischte nach dem "verschissenen Training" am Mittwoch eine gute Fahrt. Er hatte am Material was umgestellt. "Ich bin parat für die nächsten Tage. Ich mag es, wenn es schneit. Aber heute hat der Schnee brutal gebremst".

Am Start waren sowohl der Deutsche Josef Ferstl (21.), der am Mittwoch gestürzt war und Blessuren im Gesicht und Prellungen am Körper davontrug, als auch Urs Kryenbühl. Der Schweizer war im Vorjahr nach einem missglückten Zielsprung in der ersten Abfahrt mit über 145 km/h zu Sturz gekommen. Er hatte sich einen Riss des Kreuz- und Innenbandes im rechten Knie sowie einen Schlüsselbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Im ersten Training am Mittwoch hatte er 2,65 Sekunden (36.) auf Kilde verloren, am Donnerstag waren es 1,43 (17.) auf Innerhofer. "Am Mittwoch war ich so nervös, es waren sehr viele Emotionen da, es war eine richtige Achterbahn. Im Ziel habe ich mich wie der König gefühlt und fast gejubelt, als hätte ich das Rennen gewonnen. Für mich war es ein Riesensieg", sagte Kryenbühl am Donnerstag im Zielraum. "Heute bin ich extrem locker gewesen, das ist jetzt abgeschlossen. Ich habe Frieden gefunden, ich freue mich jetzt wirklich auf das Rennen", fügte er an. Am Freitag steht die erste von geplanten zwei Abfahrten auf dem Programm. Die nächste soll Sonntag folgen.

Höllenritt im Schneetreiben: Die Angst vor dem Streif-"Gemetzel"

"Wenn wir von der Alten Schneise starten, gibt es ein Gemetzel", prognostizierte Kriechmayr. "Dann fehlen die schwersten Passagen, Mausefalle, U-Hakerl, Steilhangausfahrt und dann ist der Favoritenkreis sehr, sehr groß." Der stotternd in die Hahnenkammwoche gestartete Weltmeister wirkte am Donnerstag wesentlich zuversichtlicher und schmierte dem Trainingsschnellsten Christof Innerhofer Honig ums Maul. "Ich weiß, wen ich mir anschauen muss. Nur dich", sagte Kriechmayr im Zielraum zum routinierten Südtiroler.

Innerhofer spielte den Ball umgehend retour: "Auf den Vinc ist extra aufzupassen. Er fährt im Training immer extra langsam und im Rennen ist er da." Gewinnt der Lauberhorn-Sieger tatsächlich auch in Kitzbühel, wäre er der erste Athlet seit Didier Defago 2009, dem dieses Husarenstück gelungen ist.

Sieganwärter bei der 82. Auflage gibt es auch unter Normalbedingungen einige. Ein Saisondominator hat sich bei sechs Abfahrten mit fünf verschiedenen Siegern nicht herauskristallisiert. Nur Kilde gewann zweimal, landete ansonsten aber nicht auf dem Podest. Bei Kaiserwetter am Mittwoch war er noch der Schnellste, bei komplett anderen Bedingungen am Tag darauf nur 39. Im "Heimrennen" war der in Innsbruck lebende Norweger noch nie besser als Sechster (2016). "Ein Streif-Sieg gehört zu den größten Erfolgen, die man feiern kann", sagte der im Vorjahr verletzt Fehlende. Einen Olympiasieg würde er aber laut Eigenaussage heuer noch lieber bejubeln.

Die Top-Favoriten auf der Streif

Mit Ausnahme von Gröden-Gewinner Bryce Bennett (USA) zählen die weiteren Tages-Saisonsieger Kriechmayr, Mayer und Paris auf fast jeder Abfahrt am Globus zu den Top-Favoriten. Ihnen und natürlich dem seit fünf Hahnenkamm-Abfahrten immer am Podest stehenden Feuz, dem doppelten Vorjahres-Triumphator, ist auch heuer der Coup zuzutrauen. Feuz hat sich seinen ersten Saisonsieg bisher aufbehalten. Sein dritter Kitzbühel-Sieg im erstmöglichen Rennen nach der Geburt seiner zweiten Tochter wäre für den Schweizer eine runde Geschichte.

Paris geht auf seinen vierten Abfahrts-Triumph in Kitz los, damit würde er Franz Klammer einholen. Fünffacher Streif-Sieger darf sich nur Didier Cuche nennen, sein letzter Streich jährt sich heuer zum zehnten Mal. Der Südtiroler Paris liegt im extrem engen Disziplin-Weltcup - Kriechmayr hat als Fünfter 31 Punkte weniger - voran, die Abfahrtskugel fehlt ihm noch. In Kitzbühel aber denke er an Punktestände nicht, beteuerte Paris.

Die "Eberharter"-Linie, die seit Stephan Eberharters Triumphfahrt 2004 auf der Hausberg-Querfahrt gesucht wurde, kann nicht mehr anvisiert werden. Durch Geländekorrekturen und eine neue Kurssetzung (ein Tor mehr), werden die Läufer dazu gebracht, den Schwung in die Querfahrt runder zu nehmen. Das soll in einer Temporeduktion beim gefährlichen Zielsprung resultieren.

Paris: "Ziel verfehlt"

Die Maßnahme ist nicht nur aus nostalgischen Gründen umstritten, sondern auch weil das Tempo nur marginal abgenommen hat. "Ziel verfehlt", lautete gar der Befund von Paris. "Der Travis (Ganong) hatte am Mittwoch 143 auf dem Zielsprung. Ich denke, sie werden sich auf das nächste Jahr noch etwas anderes überlegen müssen."

Für die Traversen-Einfahrt gäbe es nun "nur noch eine Linie, die funktioniert", sagte etwa Romed Baumann stellvertretend für viele andere Läufer. Der für den Deutschen Skiverband fahrende Tiroler wollte sich in die Kurve, die gleich Kriterium-Charakter bekommen hat, noch "reinfuchsen". Für ihn war die Passage früher "selektiver" und mit "mehr Spaß" verbunden.

Nur einen schnellen Weg, "hin zur blauen Linie", sah auch Mayer. Der Zweite und Dritte des Vorjahres spitzt auf sein viertes "Kitz"-Podium in Folge. "Es sind fünf, sechs Athleten in der Abfahrt, die auf einem richtig guten Niveau fahren. Ein Rutscherle irgendwo zu viel und du bist dort nicht mehr dabei", bemerkte der Kärntner, der als Sechster des Donnerstag-Trainings mit Torfehler schnellster Österreicher war. Er sei zuletzt "ein bisschen hinten angestanden", erklärte der 2020-Sieger ohne gemindertes Selbstbewusstsein. "Ich bin gut drauf und weiß, was ich zu tun habe."

"Wir haben die Strecke im Griff, ich bin sehr zuversichtlich für die Rennen. Wir sind gut vorbereitet und wissen, was uns erwartet", sagte ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher. Das gilt abschließend auch für den gefährlichen Außenseiter Innerhofer. "Ich fühle mich wohl mit dem Setup, das ich seit Wengen endlich (richtig) eingestellt habe. Ich freue mich aufs Rennen, egal ob Schlechtwetter ist." (APA/red.)

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