Tim Stützle: NHL-Debüt mit dem „Stiefvater“

13. Jan. 2021

Foto: (C) Instagram/Ottawa Senators

Den 15. Jänner 2021 wird Tim Stützle so schnell nicht vergessen. Der Deutsch feiert da nicht nur seinen 19. Geburtstag, er feiert auch sein NHL-Debüt.

Für die einen ist er der nächste Draisaitl, für die anderen das Versprechen auf eine goldene Zukunft beim schlechtesten Klub der vergangenen Jahre: Der Hype um Tim Stützle im Eishockey-Mutterland Kanada ist groß. An seinem 19. Geburtstag am Freitag gibt der Ex-Mannheimer bei seinem NHL-Debüt für die Ottawa Senators einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommen soll.

„Natürlich hat er all das Talent der Welt und eine große Zukunft vor sich", prophezeit NHL-Superstar Leon Draisaitl, warnt aber auch: „Man sollte ihm die Zeit geben, sich an alles zu gewöhnen. Dann wird er seinen Weg schon gehen."

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Auch wenn in der Nacht zu Samstag (1.00 Uhr MEZ) beim Duell mit den Toronto Maple Leafs keine Zuschauer im Canadian Tire Centre auf den Rängen sitzen werden, wird dennoch das Eishockey-Mutterland ganz besonders auf den jungen Deutschen blicken. Spätestens seit Draisaitl im vergangenen Jahr die Trophäen für den Scorerkönig und den besten Spieler der Liga abräumte, schauen die Kanadier auch bei Talenten aus der vermeintlichen Eishockey-Diaspora Deutschland genau hin.

Guter Eindruck dank World Juniors

Erst recht, wenn eines sie direkt vor ihren Augen verzaubert wie Stützle bei der Junioren-WM in Edmonton. Mit fünf Toren und fünf Vorlagen begeisterte der 18-Jährige nicht nur die Fachwelt, die ihn prompt zum besten Stürmer des Turniers kürte, sondern auch die Fans. Als er nach sieben Tagen Quarantäne erstmals für die Senators im Training auflief, richteten sich alle Augen auf ihn - ebenso wie beim teaminternen Testspiel am Montag. „Er wird die Leute von den Sitzen reißen", mutmaßt Trainer D.J. Smith.

Stützle selbst, der in der vergangenen Saison mit 34 Scorerpunkten in 41 Spielen für die Adler Mannheim trotz seiner jungen Jahre zu den überragenden Spielern in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zählte, sieht seiner Premiere nach nur wenigen Tagen Training auf NHL-Niveau mit Nervosität, aber auch großer Vorfreude entgegen: „Ich muss ein bisschen ruhiger am Puck sein, dann wird es gut." Die Intensität sei „sehr hoch", stellte er nach dem Trainingsspiel fest, „das war zu 100 Prozent ein anderes Niveau als bei der Junioren-WM oder in der DEL".

Stützle spielt mit "Stiefvater"

Um den sechs Jahre nach Draisaitl ebenfalls als insgesamt dritter Spieler seines Jahrgangs gedrafteten Stützle an dieses Niveau heranzuführen, haben die Senators extra den erfahrenen Mittelstürmer Derek Stepan verpflichtet. Der 30-jährige Amerikaner nahm sich nicht nur auf dem Eis des jungen Hoffnungsträgers an. Er verbrachte gemeinsam mit Stützle die vorgeschriebene Corona-Quarantäne vor dem ersten Training und scherzte danach: „Ich habe meiner Frau gesagt: Ich habe drei kleine Kinder zu Hause und gerade einen 18-jährigen Deutschen adoptiert."

Kein Wunder, dass die Fans die Sturmreihe mit Stepan und Stützle prompt die "Step Dad Line" tauften. Der "Stiefvater" durfte im Testspiel sofort von den Qualitäten seines Schützlings profitieren: Einen Traumpass von Stützle verwertete er gleich zu einem Tor. (SID/Red)