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US Open: Raducanu krönt Tennis-Märchen mit Finalsieg

12. Sept.
Person, Human, Trophy

Foto: GEPA Pictures / SIPA USA / USA TODAY / Robert Deutsch

Nach ihrem Sieg im "Teenie-Finale" von Flushing Meadows kannte die Freude bei Emma Raducanu keine Grenzen: "Im Moment liebe ich einfach nur das Leben", jubelte die 18-Jährige.

Zehn Siege en suite, 20:0-Sätze und nicht einmal ein Tiebreak gespielt. Das Märchen von Emma Raducanu hat am Samstagabend bei den US Open ein Happy End erfahren. Die 18-jährige Britin triumphierte in Flushing Meadows über die nur zwei Monate ältere Kanadierin Leylah Fernandez (19) mit 6:4 und 6:3. Am Tag vor dem Versuch von Novak Djokovic, im Herren-Finale die Geschichtsbücher im Tennis neu zu schreiben (Sonntag ab 21:50 Uhr LIVE bei ServusTV, im Stream & in allen Apps), sorgte zunächst Raducanu für Historie im Damen-Tennis. Und ganz Großbritannien steht nach ihrem Titel Kopf.

Selbst Queen Elizabeth äußerte sich zum ersten Grand-Slam-Titel einer Britin seit dem Wimbledon-Sieg von Virginia Wade im Jahr 1977. "Das ist ein beeindruckender Erfolg in einem so jungen Alter und ein Beleg für harte Arbeit und Einsatz", schrieb das Oberhaupt der britischen Krone an die im kanadischen Toronto geborene Einwanderer-Tochter eines Rumänen und einer Chinesin. Seit ihrem zweiten Lebensjahr wohnt sie in London und tritt unter britischer Flagge an. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass ihre herausragende Leistung und die ihrer Gegnerin Leylah Fernandez die nächste Tennis-Generation inspirieren wird."

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Raducanu völlig aus dem Häuschen

Ein wahres Wort aus königlichem Munde. Raducanu selbst war völlig überwältigt. "Es ist ein absoluter Traum", freute sich der neue Star, der sich im WTA-Ranking von Platz 150 auf 23 katapultiert. Stolze 2,5 Millionen US-Dollar (2,11 Mio. Euro) Preisgeld gab es als Belohnung auch noch oben drauf. Obwohl sie zum Titel regelrecht durchmarschierte, sei ihr Triumph aber alles andere als einfach gewesen. "Auch, wenn ich auf dem Papier keinen Satz abgegeben habe: Ich habe in jedem Match viel Widerstand erlebt." Aber sie habe immer dann besonders gut gespielt, wenn sie unter Druck stand.

Im Duell zweier Teenager, die außerhalb der Tennis-Welt kaum jemand kannte, legte Raducanu die etwas reifere Leistung ab. Sie ist die erste Spielerin, die bei ihrer erst zweiten Teilnahme bei einem Major-Turnier den Titel gewann. In Wimbledon erreichte sie das Achtelfinale, nachdem sie erst im Juni in Nottingham ihr Debüt auf der WTA-Tour gegeben hatte. Die Trophäe auf dem Platz bekam sie von US-Tennis-Ikone Billie Jean King überreicht.

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Senkrechtstarterinnen schreiben Geschichte

Zwei Teenagerinnen in einem Grand-Slam-Endspiel hatte es zuletzt 1999 gegeben, als Serena Williams gegen Martina Hingis gewann. 2021 standen sich zwei in Kanada geborene junge Frauen mit asiatischen Wurzeln gegenüber. Und boten den Zuschauern im Arthur Ashe Stadium eines der wohl besten Frauen-Endspiele der jüngeren Vergangenheit mit vielen spektakulären Ballwechseln. Die (noch) Weltranglisten-150. Raducanu holte sich das erste Break zum 2:0, kassierte aber sofort das Rebreak im ersten Satz. Dennoch ging der erste Durchgang nach dem zweiten Break zum 6:4 nach 58 Minuten an die etwas druckvoller spielende Britin.

Im zweiten Satz gelang Fernandez das erste Break zum 2:1, dieses Mal glich Raducanu postwendend aus und konterte mit einem weiteren Break zum 4:2. Fernandez konnte zwei Matchbälle abwehren und auf 3:5 mitsamt einer eigenen Breakchance verkürzen, ehe Raducanu sich ein blutendes Knie zuzog und nach der Behandlungspause ihre Nerven wieder im Griff hatte. Nach 1:51 Stunde nutzte die Britin den dritten Matchball und machte den Sieg mit einem Ass perfekt, zugleich ihr erster großer Turnier-Erfolg auf Profi-Ebene. "Ich habe keine Ahnung, was ich morgen tun werde", kommentierte Raducanu ihren Triumph. "Ich versuche einfach den Moment zu genießen. Im Moment liebe ich einfach nur das Leben."

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Fernandez erobert Herzen der New Yorker

Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte nach dem Match auch noch die ihr unterlegene Fernandez, die damit die Herzen der New Yorker gewann. Als sie ihre Antworten gegeben hatte, nahm sich die 19-Jährige im vollen Arthur Ashe Stadium und vor Millionen TV-Zuschauern noch einmal das Mikrofon und zollte in Gedenken an die Ereignisse von 9/11 vor 20 Jahren Tribut an die Einwohner der Metropole. "Ich weiß, dass dieser Tag besonders hart für New York und jeden in den USA war. Ich will nur sagen dass ich hoffe, eines Tages so stark sein, wie es New York in den letzten 20 Jahren war."

Fernandez war zum Zeitpunkt der Terror-Attacken noch gar nicht geboren, doch die ehrlichen und emotionalen Worte berührten die Fans. Und bescherten ihr in den sozialen Netzwerken wahre Lobeshymnen, darunter vom früheren US-Star Andy Roddick. "Dass Leylah das Mikrofon zurückverlangt, um über 9/11 zu reden, war einer der nobelsten, empathischsten und reifsten Momente, die ich je in einem Interview direkt nach dem Match gesehen habe. Und sie ist erst 19, das hat mich umgehauen." Beide Teenager haben jedenfalls bewiesen, dass sie nicht nur auf dem Platz die Reife zum Grand-Slam-Titel haben. (APA/red.)

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