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WM-Leader Fabio Quartararo: Darum ist er 2021 so stark

13. Juli
Ruhig, überlegt, gereift: In dieser MotoGP-Saison erleben wir einen anderen Fabio Quartararo.

Foto: Motorsport Images

Ruhig, überlegt, gereift: In dieser MotoGP-Saison erleben wir einen anderen Fabio Quartararo. Wie er selbst diesen Prozess erklärt - und warum 2020 dafür so wichtig war.

Vergangenes Jahr waren die Leistungen von Fabio Quartararo noch zu unbeständig, weshalb der Titel-Anwärter damals abgeschlagen auf WM-Platz acht landete. In der MotoGP-Saison 2021 scheint der Franzose nun aber alles im Griff zu haben - und das trotz des Drucks, sein erstes Jahr im Yamaha-Werksteam zu bestreiten.

Der 22-Jährige wirkt gereifter, macht weniger Fehler und holt auch an für Yamaha schwierigeren Wochenenden das maximal Mögliche heraus. Dabei halfen ihm auch seine Erfahrungen aus der letzten Saison, verrät Quartararo jetzt gegenüber 'Motorsport.com'.

"Ich denke, dass es ein großer Unterschied ist. Denn letztes Jahr haben alle auf den ersten Sieg gewartet. Wir hatten zwei in weniger als einer Woche", blickt der Franzose auf den Doppel-Sieg in Jerez zum Saisonstart zurück. Doch auf die Euphorie folgten Probleme mit dem Bike, und die Ergebnisse blieben aus.

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Quartararo: "Ich habe mich verändert"

"Yamaha hatte Schwierigkeiten, als ich gerade gut drauf war. Und das fühlte sich schlecht an - weil ich wusste, dass ich dadurch nicht so fahren konnte, wie ich wollte." In diesem Jahr sei das anders: "Auch wenn wir mal ein Problem haben versuche ich, immer 100 Prozent zu geben. Um mich anders zu fühlen und das Beste daraus zu machen, was möglich ist", erklärt Quartararo.

"In Deutschland waren wir nicht in der Lage, um den Sieg mitzukämpfen. Also habe ich versucht, der beste Fahrer auf dem Motorrad zu sein, und wir wurden Dritter. Das sind wertvolle Punkte für die Meisterschaft." Diese führt er nach den ersten neun Saison-Rennen mit 34 Punkten Vorsprung an.

"Ich habe mich also verändert", konstatiert Quartararo. "Auch weil ich eine Menge Erfahrung aus diesen schwierigen Momenten mitnehmen konnte. Selbst wenn es mal kleinere Probleme gibt, kann ich darüber hinweggehen und stattdessen das Positive sehen."

Arbeit mit Psychologen hat Fabio geholfen

Geholfen hat ihm dabei auch ein Psychologe, mit dem der Franzose den Winter über zusammenarbeitete. "Um ehrlich zu sein: Ich war seit November 2020 nur zwei Mal dort. Aber das reicht mir. Mein Hauptziel war, dass er mir hilft, ruhig zu bleiben."

"Er zeigte mir einige Übungen, die ich vor den Trainings mache. Oder einfach wenn ich das Gefühl habe, dass ich sie machen muss. In diesen Momenten ist es für mich nur eine Art Erinnerung. Also dass ich, wenn ich wütend oder unglücklich bin, einfach diese Übungen mache, und mich das ruhig hält. Also keine große Sache", erklärt Quartararo.

"Es dauert weniger als fünf Sekunden, um die Übung zu machen. Ich kann sie also jederzeit machen, sogar auf dem Motorrad. Alles ist ganz einfach und ich habe das Gefühl, dass es mir dabei hilft, ruhig zu bleiben." Denn eben jene Ruhe habe ihm letztes Jahr gefehlt, vor allem in schwierigen Momenten.

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Sein neues Credo: Immer positiv denken

"Am Ende der Saison war ich ein bisschen verloren. Weil ich wusste, dass ich die Meisterschaft verloren hatte. Ich wusste, dass das Motorrad leider von Mal zu Mal schlechter wurde. Aber die Momente, in der wir in der Meisterschaft immer noch vorne waren und in denen ich wie wild gepusht habe - das waren die Momente, in denen ich gelernt habe. Das war wichtig und hat mir sehr geholfen."

"Und dann war ich oft auch zu negativ", meint Quartararo rückblickend. "Wir mussten einfach versuchen positiv zu bleiben, um uns zu verbessern. Selbst wenn es am Ende nur zwei, drei Zehntel waren. Aber das kann dann gleich mehrere Positionen ausmachen. Und in einer Meisterschaft entscheidet am Ende vielleicht nur ein einziger Punkt."

Doch nicht nur seine Mentalität und Herangehensweise haben sich im Vergleich zum letzten Jahr geändert. Auch sein Fahrstil und damit das Gefühl zum Bike sind jetzt anders, unterstreicht Quartararo. "Ich denke, dass sich jeder Fahrer an sein Motorrad anpassen muss. Ich fahre anders als letztes Jahr. Es ist zwar irgendwie nicht natürlich, aber es funktioniert."

Neuer Fahrstil: Nicht natürlich, aber gut

"Ich spüre das Limit und fühle, dass ich wirklich schnell fahren kann. Und im Moment denke ich, dass es gut läuft. So war es auch 2019 - und jetzt habe ich wieder das Gefühl, dass ich super fokussiert und konzentriert auf dem Motorrad bin."

Aber was meint der Franzose mit "nicht natürlich", wenn er über seinen Fahrstil spricht? "Normalerweise bin ich eher ein Fahrer, der in den Kurven super schnell fährt", erklärt Quartararo. "Und im Moment versuche ich, ein bisschen aggressiver zu sein. Ich bremse extrem spät und versuche, auf eine andere Art und Weise zu fahren."

"In Deutschland gab es zum Beispiel Kurven, die ich schneller hätte fahren können. Aber ich habe nur daran gedacht, dass dann das Turning darunter leidet, und mich deshalb mehr auf den Kurvenausgang konzentriert. Das ist für mich nicht ganz natürlich, aber man muss sich anpassen. Wenn man das Motorrad versteht, fährt es schnell. Und so fährt man auf eine einfache Art und Weise schneller."

Rossi-Erbe eine "riesige Verantwortung"

Angesprochen auf seinen Platz im Werksteam und das Erbe, das er damit angetreten ist, zeigt sich Quartararo entspannt. "Für mich wird der Druck zu etwas Normalem. Ich denke, dass ich mein ganzes Leben lang Druck hatte. Und jetzt fühle ich, dass es etwas Normales ist. Sagen wir also, ich habe mich daran gewöhnt", erklärt der 22-Jährige.

"Sicherlich wird auch mal der Moment kommen, in dem ich wieder mehr Druck verspüre. Etwa wenn man in einem Rennen um die Meisterschaft kämpft. Aber im Moment habe ich das Gefühl, dass der Druck immer der gleiche und normal ist. Aber natürlich ist die Verantwortung riesig."

Schließlich trat Quartararo bei Yamaha die Nachfolge von keinem Geringeren als MotoGP-Ikone Valentino Rossi an. "Als ich den Platz von Valentino eingenommen habe, haben alle darauf gewartet, dass ich großartige Ergebnisse erziele", weiß der Franzose. "Aber ich bin angekommen. Ich denke, ich mache einen wirklich guten Job."

"Und ich fühle, dass das Team nicht nur mit mir als Fahrer zufrieden ist. Sondern auch mit meiner Crew und mit der Art und Weise, wie wir arbeiten. Die Atmosphäre im Team auf beiden Seiten mit den Mechanikern ist gut. Alle arbeiten wirklich gut zusammen, und gerade das hilft sehr", betont der Yamaha-Pilot.

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