WSBK vs. MotoGP: Folger vergleicht Reifen von Pirelli und Michelin

10. Dez. 2020

Foto: Motorsport Images

Ex-MotoGP-Pilot Jonas Folger kennt die Charakteristiken der verschiedenen Reifen bestens: Der Bayer verrät, welche Pneus er persönlich bevorzugt - und erklärt auch, warum.

Jonas Folger ist einer der wenigen Piloten, die sowohl mit Michelin- als auch Pirelli-Reifen gefahren sind. Mit den Michelin-Pneus aus der MotoGP ist der Bayer ebenso vertraut wie mit den Pirelli-Gummis aus der IDM und der Superbike-WM. Beide Fabrikate sind von der Konstruktion her und in ihren Fahreigenschaften grundverschieden. Doch welche Charakteristik bevorzugt Folger?

Aktuell tendiert er klar zu Pirelli, so der 27-Jährige: "Ich finde sie ziemlich cool. Der Reifen hat zu Beginn sehr viel Grip. Dann baut er stärker ab als zum Beispiel der Michelin- oder Dunlop-Reifen", vergleicht Folger im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Für mich persönlich ist ein Reifen, der stärker abbaut, am Ende besser zu fahren. Weil man dann mit weniger Kraft fährt. Man kann sich die Kräfte besser einteilen."

Reifen beeinflussen auch die Elektronik

Aufgrund der verschiedenen Charakteristiken unterscheiden sich auch die Einstellungen der Elektronik. "Die Mappings in der WSBK haben größere Sprünge", erklärt Folger. "Zwischen Mapping 1, 2 und 3 gibt es größere Sprünge als zum Beispiel im Vergleich zur MotoGP. Darauf muss man sich einstellen. Das ist aber keine große Sache."

Kann sich Folger vorstellen, wie ein MotoGP-Bike mit Pirelli- und ein Superbike mit Michelin-Reifen funktionieren würde? "Das sind grundverschiedene Motorräder. Es würde beides nicht funktionieren", stellt Folger klar. "Ein MotoGP-Motorrad würde nicht mit Pirelli-Reifen funktionieren, und ein Superbike nicht mit Michelin-Reifen. Neben den Bikes sind auch die Reifen komplett verschieden."

Folger: Reifen sparen gibt es nicht

Und welchen Einfluss haben die Gummis auf die Renn-Strategie eines Piloten? "Es ist eigentlich egal, in welcher Klasse Du fährst. Am Ende ist es ein Rennen. Und ein Rennen ist von der ersten bis zur letzten Runde ein Kampf. Als Fahrer haushaltest Du mit den Reifen erst dann, wenn Du Dich nicht im Kampf befindet", stellt Folger klar. "Das ist in der MotoGP, der Moto2 oder Moto3 auch so."

"Viele denken ja, dass es Fahrer gibt, die in den ersten Runden Reifen sparen, um dann zum Ende hin mehr Reserven zu haben. Meiner Meinung nach stimmt das nicht. In einer WM kann man nicht zu Beginn nur 80 Prozent geben. Sondern man muss von der ersten bis zur letzten Runde 110 Prozent geben. Egal, in welcher Meisterschaft", bemerkt Folger. Und fügt hinzu: "Der Rest ergibt sich aus der Abstimmung, an der man das Wochenende über gearbeitet hat."